13. April 2005 17:09; Akt: 13.04.2005 17:09 Print

Schüsse bei Mietstreit beschäftigen das Strafgericht

Mehrfache versuchte vorsätzliche Tötung wird einem bald 51-Jährigen vorgeworfen, der seit Mittwoch vor dem Baselbieter Strafgericht steht.

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Er hatte Ende Juli 2004 in Duggingen BL den Schwager des Vermieters mit einem Revolverschuss schwer verletzt.

Zwischen dem Vermieter und der Mieterschaft jenes Hauses herrschte schon lange dicke Luft, wie Aussagen vor Gericht ahnen lassen: Der Vermieter monierte diverse ausstehende Mietzahlungen, bekam dafür vorgeworfen, er habe gemeldete zahlreiche Mängel immer erst äusserst spät beheben lassen.

Vor jenem fatalen Tag hatte der 42-jährige Schweizer Vermieter seinen russischen Schwager samt zwei Landsleuten beauftragt, den Estrich zu räumen. Am Tattag sei er selbst hin gegangen, um dem Angeklagten und dessen Etagen-Nachbarin zu kündigen. Er stieg mit dem Schwager die Treppe hoch traf den Angeklagten an.

Dieser habe gerade zwei Russen im Estrich zugerufen, sie sollten seine Sachen oben lassen. Als der Angeklagte ihn sah, habe er einen Revolver auf ihn gerichtet, sagte der Vermieter weiter. Der Schwager habe den Arm samt Waffe weggedrückt, und im folgenden Gerangel hätten sich zwei Schüsse gelöst.

Opfer und Täter schwer verletzt

Eine Kugel blieb in einem Möbelstück stecken, die andere traf den Schwager: Unter anderem wurde dessen Lunge durchschossen und die Leber verletzt. Der Angeklagte wurde dann von den drei anderen Männern überwältigt und schwer verprügelt.

Der Angeklagte selbst sagte aus, er habe auf dem Estrich Diebe vermutet. Diese habe er mit der Waffe nur bedrohen und verscheuchen wollen. Er habe sonst nichts mit Waffen zu tun, gar nicht schiessen wollen und auch nicht absichtlich abgedrückt. Als er den Vermieter erkannte, habe ihn spontan eine Riesenwut gepackt.

Laut Anklageschrift hatte der Angeklagte zur Tatzeit rund zwei Promille Alkohol im Blut. Wegen schweren Rückenproblemen, die ihn zum Vollinvaliden machen, nimmt er zudem starke schmerzstillende Medikamente, wie er weiter sagte.

Revolver «zur Beruhigung»

Mit der 38-jährigen Nachbarin verbindet den Angeklagten enge platonische Freundschaft. Sie hat ihn darauf aufmerksam gemacht, dass Leute des Vermieters im Estrich waren, wie sie aussagte. Er sei betrunken, aber mit der Waffe ruhig aufgetreten, bis er sich umzingelt sah. Die Keilerei ausgelöst habe, dass einer der Russen vom Estrich her angriff.

Besagten Trommelrevolver hatte die Nachbarin von einem in der Nähe wohnhaften Freund erhalten, einem Forstwart. Dieser gab als Zeuge an, ihr die Waffe «zur Beruhigung» samt Munition im Etui anvertraut zu haben. Sie selbst sagte aus, ein Bekannter habe ihr - ohne Zusammenhang mit diesem Fall - Gewalt angedroht.

Jener Freund hat die Waffe zum Erlösen von Damhirschen im eigenen Gehege erworben. Er räumte ein, dass es ein Fehler war, sie der Frau zu geben. Diese sagte, der Angeklagte habe von der Waffe in ihrer Küchenschublade gewusst, aber wohl nicht, dass sie geladen war. Der Angeklagte will sie für eine Schreckschusspistole gehalten haben. Das Urteil soll am Donnerstag verkündet werden.

(sda)