Basel

13. November 2015 05:45; Akt: 13.11.2015 05:45 Print

Schwimmer sind mit Ballon-Becken unzufrieden

von Matthias Kempf - Die Schwimmer erhalten endlich ein 50-Meter-Winterbecken im Eglisee. Doch das reicht dem Schwimmverein nicht. Er will eine eigene Halle.

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Es war eine klare Sache. Bei nur einer Enthaltung sagte der Grosse Rat am Mittwoch deutlich Ja zur Sanierung des Gartenbades Eglisee in Basel. Die zwölf überdachten Schwimmbecken des Kanton Basel-Stadt sind im Winter zu 100 Prozent ausgelastet. Als Ergänzung soll das Becken im Gartenbad Eglisee mit einem Ballon überdacht werden, so dass auch im Winter in den 50-Meter-Bahnen geschwommen werden kann. Die Umgestaltung der Kunsteisbahn und des Gartenbads kostet mehr als 14 Millionen Franken.

Für den Vize-Präsidenten des Schwimmvereins beider Basel, Günter Hulliger, ist das Projekt ein Tropfen auf den heissen Stein. «Seit 50 Jahren wünschen wir uns eine Schwimmhalle, in der wir Leistungssport betreiben können.» Bei der Ballon-Überdachung handle es sich lediglich um ein Provisorium für die nächsten acht bis zehn Jahre. Bis jetzt trainierten die Schwimmer im Winter im Schwimmbecken der St. Jakobshalle und im Rialto.

Diese Möglichkeiten seien völlig unzureichend gewesen. «Im Sommer haben wir eine gute Situation, aber im Winter ist es eine Katastrophe.» Das zusätzliche Angebot entschärfe die Lage ein bisschen, reiche aber laut Hulliger längst nicht aus.

Unverständnis beim Sportamt

Peter Howald, Leiter Abteilung Sport beim Sportamt Basel Stadt, kann die Anliegen des Schwimmvereins beider Basel nicht nachvollziehen. «Ich finde es sehr irritierend, dass man sich nur kurz nach der Abstimmung im Grossen Rat so äussert.» Schliesslich investiere der Steuerzahler einen Millionenbetrag, um die aktuelle Situation zu verbessern.

Für die Überdachung des Beckens müssten die Eissportler auf einen Teil ihrer Fläche verzichten. «Die hätten auch einen Grund, sich zu beschweren, tun dies aber nicht, sondern arbeiten eng und konstruktiv mit uns zusammen.», so Howald. Trotzdem sieht er das Anliegen des Schwimmvereins einer Schwimmhalle als berechtigt.

«Keine Nachwuchsförderung möglich»

Hulliger wünscht sich eine 50-Meter-Halle mit zehn Bahnen für die Schwimmvereine. Ansonsten sieht er den Nachwuchs gefährdet. «Mit dem jetzigen Angebot können unsere Trainingsgruppen keine neuen Mitglieder mehr aufnehmen, da der Platz zu knapp ist. So ist keine Nachwuchsförderung möglich.» Er hofft besonders auf eine Entlastung im Rialto. «Dort war es jeweils ein Kampfschwimmen, so voll war es.»

Im Eglisee plane der Schwimmverein aber nicht, alle Bahnen im neuen Ballon-Becken zu beanspruchen. «Ich denke, dass wir ein bis zwei Bahnen für die Öffentlichkeit freihalten können.» Wer jedoch welchen Anteil an Bahnen bekommt, ist laut Howald noch nicht konkret entschieden worden. «Das müssen wir erst noch regeln», sagt Hulliger. Auch möchte Howald, dass das Rialto in Zukunft wieder vermehrt als Familienbad anstatt als reines Schwimmerbecken genutzt wird.

Breite Finanzierung für Hallenbad nötig

Der SP-Grossrat Otto Schmid hatte im letzten Jahr eine Interpellation eingereicht, um von der Regierung zu erfahren, wie sie zum Thema Schwimmbecken steht. Die Antwort: Ein überdecktes Schwimmbecken sei ein regionales, wenn nicht sogar überregionales Anliegen und müsse deshalb auch dementsprechend behandelt und finanziert werden.

Ausserdem werde in Sursee bis 2016 ein grosses Schwimmbecken gebaut, das bis in die Region Nordwestschweiz strahlen würde. «Für das Training kann die Halle in Sursee keine Option sein. Die Region Basel braucht eine eigene Lösung», sagt Schmid. Allerdings glaubt er nicht daran, dass es in zehn Jahren eine Basler Schwimmhalle gibt. «Das Thema Schwimmhalle für den Spitzensport und für Wettkämpfe ist zurzeit auf Eis gelegt.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • AndiH am 13.11.2015 07:28 Report Diesen Beitrag melden

    Vorschlag

    Von 12 Hallenbäder stehen der Bevölkerung gerade mal 2 zur Verfügung. Der Rest ist für Schulklassen und Vereine! Wenn dieser Schwimmverein eine eigene Halle will sollen sie sponsoren auftreiben, Land kaufen, eine Baubewilligung anfordern und bauen. Übrigens, viel Spass bei der Finanzierung des Unterhalts!

  • Heinz Wipf am 13.11.2015 06:25 Report Diesen Beitrag melden

    Ich will-die anderen sollens finanzieren

    Es kann doch nicht sein, dass jedem Verein mit Steuerngelder alles finanziert werden soll. Wenn sie einen vernünftigen Businessplan hätten, würde sich auch ein Investor finden lassen.

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  • Tepes1291 am 13.11.2015 07:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Probleme der ersten Welt

    Dann nehmt Ihnen das "Ballon-" Dach wieder weg. Ich habe einmal gehört, dass man nur Dinge zu schätzen weiss die man nicht mehr hat. Vielleicht ist da was dran.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Flurin Caviezel am 14.11.2015 16:29 Report Diesen Beitrag melden

    Fakten

    Hier wimmelts offenbar von Fachleuten... 1. Von Leistungssport Schwimmen und dem damit verbundenen Trainingsumfang scheint kaum jemand eine Ahnung zu haben. Schule, Trainingsort und Elternhaus müssen möglichst nahe zusammen sein, sonst geht das nicht. 2. Es geht hier nicht nur um Wasserfläche für das Vereinstraining. In der Umfrage "Sport Schweiz 2014" ist Schwimmen bei den 70% der Bevölkerung, die regelmässig Sport betreibt die dritt beliebteste Sportart. -Diejenigen, welche sich nicht bewegen, nennen häufig Schwimmen als Sportart, welche sie gerne ausüben würden.

  • Reto Diebold am 14.11.2015 09:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Standortwahl

    Und warum hat man nicht das Sportbad im St.Jakob überdacht, so hätten auch keine Eisläufer darunter leiden müssen?

  • claudia am 14.11.2015 07:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    aussaugen?

    da geht mir einiges durch den kopf. einerseits die frage, weshalb man diese übrdachung nicht beim joggeli macht, dann könnte die eisfläche beibehalten werden. andererseits die frage, wie man als clubvorsteher sich so fordernd aussern kann. seid doch froh, dass der kanton (und somit der steuerzahler) 14 mio locker macht für die vereine, wobei paralell die studenten um ihren günstigen wohnraum und fasnachtscliquen um ihre fasnacht banhen müssen weil er kanton sparen muss....

  • Susi Hostettler Birrer am 13.11.2015 23:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frau

    In der Region Basel gibt es mind. 10 Schwimmsportvereine. Allein der Schwimmverein beider Basel zählt knapp 600 Mitglieder in den Sparten Schwimmen, Wasserball, Synchronschwimmen und Triathlon. Dazu kommen mehrere Sektionen der SLRG, Tauchclubs und zahlreiche Schwimmschulen. Es gibt unzählige Hobbyschwimmer, welche aus persönlichen und gesundheitlichen Gründen täglich ihre Bahnen im Wasser ziehen (müssen). All jene benötigen ein "Stück" Wasser! Unsere Region benötigt dringend zusätzlich Wasserfläche! Ein 50 m Becken, nicht nur für den Sommer! In anderen Städten ist dies bereits Realität!

    • Bob P. am 14.11.2015 09:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Vorderen ist ok

      Dann einfach die Mitgliederbeiträge auf 10'000.- erhöhen und Sie können sich selber finanzieren. Nicht der Andere soll bezahlen, sondern ihr selber.

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  • bein Ingrid am 13.11.2015 20:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ingrid

    Chad Le Clos hat nach Aussagen im hiesigenTV auch in einem kleinen Schwimmbad trainiert und ist so an die Welt Spitze gelangt.

    • Flurin Caviezel am 14.11.2015 13:14 Report Diesen Beitrag melden

      1 von Hunderten...

      Die Ausnahme bestätigt die Regel...

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