Baselland

02. Dezember 2019 20:36; Akt: 03.12.2019 14:13 Print

Wird Scientology aus der Öffentlichkeit verbannt?

Landrat Yves Krebs (GLP) stört sich an Stand-Aktionen von Scientology in Liestal. Er möchte die umstrittene Organisation aus dem öffentlichen Raum verbannen.

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GLP-Landrat Yves Krebs und insgesamt 46 mitunterzeichnende Landrätinnen und Landräte aller Parteien haben Ende November das Postulat für eine «Sektenfreies Baselbiet» eingereicht. Scientology war in den vergangenen zwei Monaten drei Mal mit einem Dianetik-Infostand in der Liestaler Altstadt direkt beim Regierungsgebäude präsent. «Die Verwaltung hatte keine Ahnung, was da dahintersteckt», sagt Krebs. Anti-Scientology-Aktivisten warnen in der ganzen Schweiz vor den Auftritten der umstrittenen Organisation, die mit verschiedenen Tarnorganisationen unterwegs ist. Scientology ist schon lange am Claraplatz in Basel aktiv. Wo sie früher ganz offen mit einem Stand warb, hängt jetzt nur noch ein Plakat, das für einen Persönlichkeitstest wirbt. Die Werbung für den kostenfreien Persönlichkeitstest weist in keiner Weise auf den Anbieter hin. Um zu erkennen, wer sich hinter dem Angebot versteckt, muss man fast eine Lupe benutzen. Eine sogenannte Ideale Org von Scientology wurde im April 2015 in Basel eröffnet. «Scientology hat ein schlechtes Image und ist jedem Kind bekannt», sagt der Religionsexperte Georg O. Schmid. Nicht nur hinter dem OCA-Persönlichkeitstest verbirgt sich Scientology. Einige Hilfsorganisationen, wie die Foundation for a drug-free world, sind sogenannte Frontorganisationen. Manfred Harrer warnt vor der Organisation. Mit der Gewaltfreien Aktion gegen Scientology unterstützt er Aussteiger und Angehörige. Bei der Eröffnung am 25. April 2015 protestierten Scientology-Gegner vor dem neuen Zentrum. Thomas Erlemann von der Gags führte den Protest 2015 an. «Viele ärgern sich über die permanente Präsenz der Anwerber von Scientology auf dem Claraplatz», sagt er.

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«Bei Scientology gehen ganze Existenzen kaputt und wir schauen tatenlos zu», sagt Yves Krebs. Der Landrat der Grünliberalen hat im Baselbieter Kantonsparlament vergangene Woche ein Postulat eingereicht, das ein Sektenfreies Baselbiet fordert. Anlass gaben drei Stand-Aktionen der umstrittenen Organisation in Liestal im Oktober und November. Das Anliegen mitunterzeichnet haben 46 Landrätinnen und Landräte aus allen Parteien.

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Am Freitag erhielten sämtliche Mitunterzeichnenden des Postulats eine E-Mail von Scientology-Sprecher Jürg Stettler. Er wirft dem Verfasser Yves Krebs darin vor, in seinem Postulat «ungeprüft falsche Informationen zu verbreiten», die von Anti-Scientology-Aktivisten stammten. Stettler lädt die Politiker dazu ein, sich selbst ein Bild von der Organisation zu machen und die Scientology- Kirche Basel von innen anzusehen.

«Diese Mail an die Landräte zeigt, wie nervös er ist», sagt Krebs. «Damit versucht Stettler, Landräte zu beeinflussen.» Da dürfe man sich aber keinen Milimeter beugen. Die Vorwürfe des Scientology-Vertreters weist er zurück. Stettler argumentiert, dass das Postulat, falls umgesetzt, die Verfassung verletzen würde. Gesetzt den Fall, dass Scientology vom Gesetzgeber denn als Kirche anerkannt würde.

Stadtverwaltung war ahnungslos

Für Krebs ist indes klar, dass es sich bei Scientology um eine sektenähnliche Organisation handelt. Und die kommunalen Behörden seien damit überfordert. Scientology war in den vergangenen zwei Monaten zwei Mal mit einem Dianetik-Infostand und ein mal mit ‹Sag Nein zu Drogen› in der Liestaler Altstadt direkt beim Regierungsgebäude präsent. «Bei letzterem hatte die Verwaltung keine Ahnung, was da dahintersteckt», sagt Krebs.

Im Postulat warnt er denn auch vor den verschiedenen «Tarnorganisationen» wie ‹Sag Nein zu Drogen›, ‹Jugend für Menschenrechte› oder ‹CCHR Psychiatrie zerstört Leben› mit denen Scientology Mitglieder anzuwerben versucht. Stettler spricht hierbei lieber von «humanitären Gruppierungen», zu denen es Verbindungen gebe. «Hier von Tarnung zu sprechen, ist schlicht falsch. Oder würde man Caritas als Tarnorganisation der Landeskirche anschwärzen?»

Kanton soll ein Machtwort sprechen

«In Deutschland steht Scientology unter Beobachtung des Verfassungsschutzes», kontert Krebs. Der Regierungsrat ist nun am Ball, zu überprüfen, welche rechtlichen Mittel der Kanton hat, um öffentliche Auftritte der umstrittenen Organisation auf öffentlichem Grund zu verbieten. Krebs: «Es ist wichtig, auf kantonaler Ebene mal ein Machtwort zu sprechen.»

(lha)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • TheSaint am 02.12.2019 20:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Kirche

    Scientology ist vieles, aber sicher keine Kirche.

  • D_ArtagnanII am 02.12.2019 21:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Landesweite Beobachtung und Verbot

    Existenzvernichtende Organisationen, die mit Gehirnwäsche operieren, gehören allernorts Verboten und unter Beobachtung gestellt!

  • Uncle SAM am 03.12.2019 09:45 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur im Baselland sondern

    Schweizweit. Die gehören nicht verbannt die gehören verboten. Das ist keine Religion das ist eine Ideologie übelster Sorte.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Advocatus Diaboli am 03.12.2019 14:51 Report Diesen Beitrag melden

    Alle weg

    Geht doch bitte einen Schritt weiter und verbannt organisierte Religion gänzlich. Alles unbewiesener Mumpitz. Soll jeder glauben was er will, aber wer sich in der Öffentlichkeit bewegt soll sich jeder an Fakten und Beweise handeln, da haben Fabelwesen wie Xenu oder Yahweh keinen Platz.

  • el padre am 03.12.2019 10:38 Report Diesen Beitrag melden

    schlimmer verein finde ich

    ich hoffe das ganze wird landesweit kommen! meine eltern waren lang bei der sekte und gutes kann keiner von beiden erzählen.. besonders meine Mutter nicht die am sehr hoch bei denen dabei war und aufhörte als ihr klar wurde das sie nur menschen ausnutzt, auch jetzt über 15jahre danach klingeln die oft an der tür spamen unseren briefkasten zu. auch wird es nciht akzeptiert wenn amns agt man wolle ncihts mit ihnen zu tun haben.. da ruft einfach wer anders an oder es kommen direkt 3 vorbei die sogar des öfterens aggresiv werden weil sie ein NEIN nicht akzeptiert!

  • Frey am 03.12.2019 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    Weiter so Yves Krebs

    Bravo Yves. Hast meine volle Unterstützung. Vielen Dank für deinen Einsatz

  • D. Hassel am 03.12.2019 10:03 Report Diesen Beitrag melden
    Giphy Giphy
  • Uncle SAM am 03.12.2019 09:45 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur im Baselland sondern

    Schweizweit. Die gehören nicht verbannt die gehören verboten. Das ist keine Religion das ist eine Ideologie übelster Sorte.