Kühne Ideen von links

31. Juli 2014 17:21; Akt: 31.07.2014 17:22 Print

Scientology soll Flüchtlingen Platz machen

Die Basler Jungsozialisten fordern die Regierung auf, Scientology zu enteignen. Eine Unterkunft für syrische Flüchtlinge sei viel sinnvoller als ein Sektentempel.

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Szene aus der Empfangsstelle Bässlergut in Basel. Aus der vom Bund betriebene Auffangsstelle werden die Füchtlinge an die Kantone weiterverteilt, wenn ihr Status anerkannt wird. In Basel-Stadt hat es aber schon keinen Platz mehr. Das wird den Kanton bald vor grosse Herausforderungen stellen. Millionen Syrer sind zurzeit auf der Flucht. In Italien kommen täglich Tausende an. Das Land kann sie nicht alle unterbringen. Auch die Schweiz wird von der Flüchtlingswelle nicht verschont bleiben. Der seit drei Jahre anhaltende Bürgerkrieg hat in weiten Teilen des Landes Städte in ihrer Heimat verwüstet. Und die Kriegswirren werden zunehmend grausamer und unübersichtlicher. Islamische Milizen der ISIS, die ein Kalifat ausgerufen hat, versuchen Teile des Landes zu erobern, das vom Krieg zwischen den Gegnern von Präsident Assad und seinen Truppen geschwächt ist. Der Krieg, in dem eine unüberschaubare Zahl von fremden Söldnern im Dienste von einer Vielzahl von radiakalen Gruppierungen Leid und Zerstörung anrichten, sind mittlerweile Millionen Syrer entflohen. Die meisten leben in Flüchtlingslagern im Irak, Jordanien, Libanon und der Türkei. Neben offiziellen UNO-Flüchtlinglängern sind mitterleile auch viele informelle Lager entstanden, in denen teilweise Hunderttausende unter prekären Bedingungen leben. Viele versuchen dem Elend zu entfliehen und ihr Heil in Europa zu finden. Der Blick auf die aktuelle Statistik zeigt, das in der ersten Hälfte dieses Jahres 1055 Flüchtlinge aus Syrien in der Schweiz um Asyl ersucht haben. In den kommenden Monaten dürften es weitaus mehr werden.

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Um eine Provokation sind die Jungsozialisten nie verlegen. Die Platznot in den kantonalen Asylunterkünften wollen sie mit Kreativität beheben. In Basel-Stadt sind zurzeit alle 47 Plätze belegt, das Empfangszentrum Bässlergut wird dabei nicht miteingerechnet, weil das vom Bund betrieben wird. Provisorisch hat das Baselbiet schon angeboten, in die Bresche zu springen.

Dauerhaft wird dies aber keine Lösung sein. Angesichts der Millionen Syrer, die derzeit vor den Kriegswirren in ihrer Heimat auf der Flucht sind, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis das Baselbiet seine Kapazitäten nicht mehr seinem Nachbarkanton anbieten kann. Die Juso Basel-Stadt liefert der Regierung ein paar Anregungen, wie kurzfristig mehr Flüchtlinge aufgenommen werden können.

Scientologen sollen Syrern weichen

In einer Mitteilung vom Donnerstag schreiben sie: «Unterkünfte sollen in Form von Wohncontainern auf ungenutztem Gelände im Hafen- und Wolfquartier realisiert werden.» Eine weitere Möglichkeit wäre auch die Umnutzung leerstehender Gewerbeflächen. Und dann folgt ein ganz kühner Gedanke. Die Regierung solle auch eine Enteignung von Scientology prüfen, um deren Räumlichkeiten für syrische Flüchtlingsfamilien nutzbar zu machen.

«Das ist natürlich eine Provokation», sagt Juso-Präsident Beda Baumgartner. Aber man müsse sich schon fragen, ob es im Interesse des Kantons sei, dass eine Sekte ein riesiges Gebäude für sich nutze. Der Basler Ableger von Scientology hat an der Burgfelderdstrasse eine 4000 Quadratmeter grosse Parzelle für den Bau einer sogenannten «Ideal Org»-Kirche erworben. Dagegen hat sich im Quartier bereits viel Widerstand gebildet.

Kanton ringt um Platz

Der Kanton schaut sich zurzeit auf dem Wohnungsmarkt nach geeigneten Objekten um, wo Flüchtlinge untergebracht werden können. «In Zusammenarbeit mit Immobilien Basel ist die Sozialhilfe kontinuierlich und intensiv daran, Wohnraum zu suchen und alle erdenklichen Möglichkeiten zu evaluieren, um Asylsuchenden geeignete Unterbringungsmöglichkeiten bereitstellen zu können», sagt Nicole Wagner, Leiterin der Sozialhilfe Basel-Stadt auf Anfrage.

Baumgartner fordert die Regierung auf, sich darüberhinaus noch weiter Gedanken zu machen, wie die Platznot behoben werden kann. Vor dem Hintergrund der radikalen Asyl-Reformpläne der SVP verlangt er von ihr ein Zeichen. Basel könnte die Botschaft aussenden, dass die Flüchtlinge hier willkommen seien. «Und viel echtere Flüchtlinge als jene aus Syrien gibt es wohl nicht», sagt er mit Verweis auf die Diskussion um sogenannte Scheinasylanten.

(lha)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nico am 31.07.2014 18:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schon echte Flüchtlinge

    Naja es sind ja schon echte Flüchtlinge aus Syrien aber wenn die hier Christen mobben wie 20min berichtete dann sind sie meiner Meinung nach nicht willkommen

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  • Bürger am 31.07.2014 18:05 Report Diesen Beitrag melden

    oder so..

    Sinnvoller ist es die Wirtschaftsflüchtlinge gar nicht reinzulassen....dann hat es genug Platz für die wirklichen Flüchtlinge....

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  • Hans Meier am 31.07.2014 18:23 Report Diesen Beitrag melden

    Später nicht wundern

    Heute in der gleichen Zeitung gelesen: In Asylzentren werden Christen, Atheisten und Homosexuelle von Islamisten, u.a. aus Syrien, gemobbt und geschlagen. Wenn die sich hier mal zu Zehntausenden etabliert haben, darf man sich dann nicht wundern. Aber aus Syrien kommen laut Bundesrat natürlich nur ganz Nette...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Abc am 01.08.2014 01:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aha

    Alles scientology fans hier in der ch?

  • s.h am 01.08.2014 01:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    find i guet

    bin eigentlich garkein fan von linken ideen aber das ist super. eine freikirche die ihre mitglieder gehirnwäschen unterzieht und erpresst gegen flüchtlinge. da basel eh total links ist wirds niemanden stören...

  • Martin Meier am 01.08.2014 01:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reithalle Bern

    Die sogenannte Sekte zahlt wenigstens ihre Beiträge, Rechnungen, Steuern etc. Ich würde als Idee die Reithalle Bern für das Projekt opfern. Wenn es dann noch nicht reicht könnte die rote Fabrik ZH auch noch verwendet werden. Im totalen wäre da sicherlich für ca. 400 Personen platz. Ob da die sozialen Linken mitmachen würden.

    • Sekten Hasser am 01.08.2014 17:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Falsch

      Durch ihren Status "Kirche" bezahlt die SEKTE keine Steuern!

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  • Anonymous am 01.08.2014 01:02 Report Diesen Beitrag melden

    Brauchbare Idee

    Die Idee ist trotz aller Kritik sehr brauchbar. Vielleicht ohne Enteignung, den das ist der Kritikpunkt. Aber Scientology vertritt immer wieder die Meinung, den Menschen helfen zu wollen. So wäre es doch was, wenn Scientology diesen mittellosen Flüchtlingen hilft und somit ihre Aussagen auch mal beweist. Oder "helfen" sie nur denen Menschen, denen man leicht Geld abzocken kann!?

  • Johnny Weissmüller am 01.08.2014 00:49 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Idee!

    Bin auch dafür, dass man Sekten wie Scientolology enteignen darf. Die Sozialisten aber, die auf einem grösserem Wohnraum als 10 m2 wohnen, unbedingt auch!