Mann wegen Handy getötet

20. März 2019 16:36; Akt: 20.03.2019 22:38 Print

«Brutale und komplett sinnlose Attacke»

Ein 41-jähriger Portugiese wurde vergangenen Sommer am Basler Rheinbord zu Tode geprügelt. Nun liegt die Anklageschrift gegen die beiden mutmasslichen Täter vor.

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In der Nacht vom 27. auf den 28. Juli 2018 wurde ein 41-jähriger Portugiese am Kleinbasler Rheinbord bewusstlos geprügelt und erlag noch vor 2 Uhr seinen schweren Verletzungen im Universitätsspital. Der Grund: Er soll einem der Täter das Handy entwendet haben.

Zwei Personen wurden im Zusammenhang mit dem brutalen Tötungsdelikt verhaftet: Unmittelbar nach der Tat ging den Behörden der heute 19-jährige Spanier J. L.* ins Netz. Der mutmassliche Haupttäter, der heute 29-jährige Slowene M. N.*, konnte erst gefasst werden, nachdem die Staatsanwaltschaft über ein Kopfgeld von 10'000 Franken an einen entscheidenden Hinweis gelangt war.

«Sie nahmen in Kauf, dass er stirbt»

Die beiden Männer müssen sich am 16. April unter anderem wegen vorsätzlicher Tötung vor dem Strafgericht Basel-Stadt verantworten. Aus der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft geht hervor, wie sich die tödliche Prügelattacke zugetragen haben soll. Das Opfer habe sich nach Mitternacht am Rheinbord zu N. gesetzt und nach Geld gefragt. N. gab ihm nichts, bemerkte aber, nachdem der Portugiese gegangen war, dass er sein Handy nicht mehr finden konnte.

Als sich die beiden später bei der Rheinberme erneut begegneten, soll der alkoholisierte N. zuerst das Handy gefordert und dann Dutzende Male auf das Opfer eingeschlagen und eingetreten haben. L. sei dazugekommen und habe den ihm flüchtig bekannten N. mit Schlägen gegen den Portugiesen unterstützt. «Mit ihren gezielten und äusserst brutalen Faustschlägen gegen den Kopf des komplett wehrlosen Opfers nahmen sie mindestens in Kauf, dass es stirbt», heisst es in der Anklageschrift. Der Mann sei nach der Attacke mit dem Oberkörper auf einer der oberen Treppenstufen gelegen, sein Kopf sei heruntergehangen.

N. fand sein Handy beim zwischenzeitlich bewusstlosen Portugiesen nicht. Stattdessen habe der «immer noch äusserst wütende» Beschuldigte das Opfer am Hosengurt in die Höhe gehoben und auf die asphaltierte Treppe fallen lassen. Die Staatsanwaltschaft taxiert den Angriff als «rücksichtslose, brutale und komplett sinnlose Attacke». Der 41-Jährige starb an den Folgen eines stumpfen Schädel-Hirn-Traumas, wie das Institut für Rechtsmedizin feststellte.

Beruflich erfolglos und kriminell

Der mutmassliche Haupttäter N. ist ein in Basel geborener Slowene. Mit 29 Jahren hat er bereits Schulden in der Höhe von 200'000 Franken angehäuft, wie aus der Anklageschrift hervorgeht. Der gelernte Kaufmann versuchte sich einst erfolglos als Unternehmer mit dem Vertrieb von Autoteilen. Danach pendelte er zwischen verschiedenen Jobs im Verkauf, Arbeitslosigkeit und Sozialhilfe hin und her.

Auch kriminell machte er Karriere und sammelte Vorstrafen wegen Urkundenfälschung, fahrlässiger Körperverletzung, mehrfacher Drohung und mehrfachen Verkehrsdelikten. Ihm werden auch Betäubungsmitteldelikte zur Last gelegt.

Bei Schuldspruch droht Landesverweis

Der mutmassliche Mittäter L. wurde in Spanien geboren und kam 2013 im Alter von 13 Jahren in die Schweiz, heisst es weiter. Er sei nicht vorbestraft und wirke auf dem Papier gut integriert. Vor seiner Verhaftung habe er ein Praktikum bei einem Detailhändler im Baselbiet gemacht.

Im Falle von Schuldsprüchen droht beiden Beschuldigten ein Landesverweis, weil sie keine Schweizer Staatsbürger sind und es sich bei vorsätzlicher Tötung um eine Katalogstraftat handelt.

* Namen der Redaktion bekannt

(las)