Basel

09. Mai 2019 18:18; Akt: 09.05.2019 18:18 Print

«Die schlechteste Airport-Erfahrung, die ich je hatte»

In den vergangenen Wochen wurde wegen herrenloser Gepäckstücke gehäuft Bombenalarm am Euro-Airport ausgelöst. Die Öffentlichkeit wurde teilweise über Stunden nicht informiert.

So easy ist fliegen ab Basel nur in der Werbung von Easyjet. (Video: Easyjet)

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«Ab Basel fliegen ist so easy!» So macht die Billigfluglinie Easyjet derzeit Werbung fürs Fliegen ab Basel. Die tausenden Reisenden, die in den vergangenen Wochen wegen Bombenalarmen infolge herrenloser Gepäckstücke teilweise stundenlang festsassen, fanden es überhaupt nicht easy. Am Dienstag kam der Betrieb am Flughafen gleich zweimal zum Erliegen.

«Wir mussten fast drei Stunden ausharren», berichtete am Dienstag Leserin Francesca. Hunderte mussten am Vormittag wegen eines Bombenalarms im Terminal ausharren, während andere Reisende nicht mehr rein durften. Auch der Verkehr kam zum erliegen. Taxifahrer und Busse standen über Stunden im Stau. Am Abend wiederholte sich das Schauspiel, weil wieder ein herrenloses Gepäckstück aufgetaucht war.

In beiden Fällen war der Flughafen nicht in der Lage über die Situation und die Auswirkungen des Grosseinsatzes auf den Flugverkehr zu informieren. Die Pressestelle war nur schriftlich erreichbar und nicht in der Lage zu informieren.

«Eine rasche Information sollte möglich sein»

«Wir sind uns der Situation sehr bewusst», sagt Vivienne Gaskell, die Kommunikationschefin des Euro-Airport. «In den letzten Wochen hat es eine Anhäufung von Zwischenfällen dieser Art gegeben, was eher aussergewöhnlich ist für uns», sagt sie und gelobt Besserung. Gespräche mit den Behörden seien bereits aufgegleist worden. «Es müsste in solchen Fällen eigentlich möglich sein, eine kurze, zeitnahe Information an die Betroffenen herauszugeben», sagt sie.

Dass Passagiere über Stunden ohne Information zum Status ihres Fluges ausharren müssen, wäre am Flughafen Zürich «unvorstellbar», wie Mediensprecherin Sonja Zöchling sagt. Im Falle eines Alarms sei die Kommunikationsabteilung in den Krisenstab integriert und könne unmittelbar informieren.

In Zürich wird nur punktuell gesperrt

Am Euro-Airport ist aufgrund der Zuständigkeit der französischen Behörden die Situation etwas komplexer. Allerdings ist auch das «polizeiliche Standardverfahren» bei unbeaufsichtigten Gepäckstücken in Basel anders als in Zürich. Am grössten Schweizer Flughafen sperrt die Kantonspolizei jeweils nur den unmittelbaren Bereich um das Gepäckstück herum ab und nicht gleich einen ganzen Terminal. «Bei bis zu 100'000 Passagieren pro Tag passiert das immer wieder», so Zöchling.

Easyjet wollte sich auf Anfrage nicht zu den chaotischen Zuständen am Basler Euro-Airport äussern und gab nur ein allgemeines Statement ab. Man arbeite mit allen Flughäfen und Partnern zusammen, um einen sicheren und effizienten Betrieb zu gewährleisten, lässt sich die Airline zitieren.

«Schlechteste Airport-Erfahrung»

Gar nicht easy finden es ihre Kunden, die sich auf Facebook über den Flughafen auslassen. «Es wäre so easy, wenn er nicht in Frankreich liegen würde», meint einer. Denn die Sicherheitskontrollen seien alles andere als speditiv. Mehrere User berichten, sie hätten deswegen schon ihren Flug verpasst. Auch auf dem Flughafen-Rating-Portal Skytrax häuften sich zuletzt die schlechten Ratings. «Das war mal ein bequemer Flughafen», schreibt ein Geschäftsreisender. Und für eine britische Touristin war es «die schlechteste Airport-Erfahrung, die ich je hatte».

Basler Unternehmen unzufrieden

Auch Basler Unternehmen sind mit der Situation unzufrieden. «Unsere Mitglieder bemängeln Handling in Sachen Zoll- und Gepäckabfertigung. Wir haben das mündlich und schriftlich bei der Flughafenleitung adressiert», sagt die Sprecherin der Basler Handelskammer Jasmin Fürstenberger auf Anfrage. Es sei versichert worden, dass man aktiv an Verbesserungen arbeite. «Aufgrund der binationalen Struktur des EuroAirports benötigt dies leider mehr Zeit als wir in der Schweiz gewohnt sind.»

«Diese Häufung ist aussergewöhnlich»

(lha)