Studie missverstanden

19. Februar 2019 18:24; Akt: 19.02.2019 18:24 Print

Forscher liefern angeblich Beweis für Adam und Eva

Eine Studie zum Erbgut brachte Erstaunliches zutage. Was folgte, hätten sich die Autoren in ihren schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können.

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Es ist nach gegenwärtigem Wissenschaftsstand unwahrscheinlich, dass alle Menschen von nur zwei Personen abstammen. Genau das soll jedoch eine Studie der Genforscher David Thaler (Universität Basel) und Mark Stoeckle (Rockefeller University, New York) bewiesen haben – angeblich.

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Die Ergebnisse der Studie wurden im Mai 2018 im Magazin «Human Evolution» veröffentlicht und brachten erstaunliche Erkenntnisse zutage. Die Autoren stellten fest, dass die mitochondriale DNA von 90 Prozent aller berücksichtigten Arten (inklusive Menschen) innerhalb der Spezies kaum Unterschiede aufweist – und das seit 100'000 bis 200'000 Jahren.

Im Widerspruch zur Evolutionstheorie?

Das ist überraschend, weil man bisher davon ausgegangen war, dass die Evolution durch Anpassung der Arten zu genetischer Diversität führt, nicht zu Uniformität.

Zwar seien die Resultate konsistent mit dem extremen «Flaschenhals» eines Gründerpaares («founding pair»), hätten aber genauso durch eine kleine, über lange Zeit stabile Population herbeigeführt werden können, wie es in der Studie heisst.

Weil die Menschheit aber älter ist als 200'000 Jahre, muss es einen Grund geben, weshalb es zu diesem Flaschenhals kam. Die Studie lässt offen, was mit all den anderen Menschen passierte.

Lawine losgetreten

Als Portale wie «Fox News» und «Daily Mail» im November das Thema aufgriffen, ging die Kreativität mit den Kreationisten durch. «Alle heute lebenden Menschen sind die Nachfahren von gemeinsamen Eltern – Adam und Eva» schrieb etwa Fox. Es gab über 11'000 Kommentare. Bei «Daily Mail» hiess es: «Alle Menschen könnten von nur zwei Personen abstammen». Der Artikel wurde 83'000 mal geteilt. In den Publikationen wurde noch hinzugedichtet, dass ein Grossteil der Menschheit zuvor ausgelöscht worden sein musste, weil die Studie keine Erklärung für deren Verbleib parat hielt.

Obwohl die Berichterstattung Raum für Zweifel am biblischen Beweis liess, blieben die viralen Wellenreiter unbeirrt: «Eines Tages wird es klar sein, dass es genau so ist, wie es in der Bibel steht», ist in einem Kommentar auf Fox zu lesen. «Schau mal einer an, die biblische Darstellung der Kreation ist richtig», schrieb ein Leser bei «Daily Mail». Für die rechtskonservative US-Newssite «World Net Daily» war klar: «Adam und Eva sind echt».

Die Interpretationen der Studie wurden dermassen von ihrer Aussagekraft losgerissen, dass sich die Autoren am 4. Dezember dazu veranlasst sahen, folgende Notiz an den Kopf ihres Papiers zu setzen: «Diese Studie ist in der Darwinschen Evolution begründet und unterstützt sie. Wir unterstellen nicht die Existenz eines einzelnen Adams oder einer einzelnen Eva.»

Ein grosses Missverständnis

Der Wissenschafts-Journalist Michael Marshall publizierte am 26. November einen Artikel bei «Forbes», der mit den Missverständnissen aufräumt.

Erstens sei das Erbgut von Mitochondrien untersucht worden. An Mitochondrien dürften sich die meisten aus dem Biologie-Unterricht als Kraftwerke der Zelle erinnern. Mitochondriale DNA könne aber irreführend sein, weil sie nur entlang der weiblichen Vorfahren vererbt werde, so Marshall. Die Kreuzung von Neandertalern und Menschen sei zum Beispiel nicht in den Mitochondrien zu erkennen, sondern nur im Zellkern.

Zweitens gebe es keine geologischen Anhaltspunkte dafür, dass alle Spezies auf dem Planeten in einem globalen Ereignis beinahe ausgelöscht, geschweige denn auf zwei Exemplare reduziert worden seien. Dass die menschliche Population über einen längeren Zeitraum sehr klein war, hält Marshall für plausibel. Weiter sei es für ihn wahrscheinlicher, dass viele heute lebende Arten relativ jung sind und es deshalb genetische Parallelen gibt.

(las)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Cptorion am 19.02.2019 19:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Whaat

    Vieleicht ist es ja auch wegen den Überlebenden der Arche Noah?

  • mazosch am 19.02.2019 18:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Natur

    Die Natur ist effizient. Was genetisch funktioniert, wird so weitervererbt.

  • Knolle am 20.02.2019 01:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Partiell-kritisches Denken

    Das wird dann wieder aufgegriffen von jenen, die sich gegen jegliche wissenschaftliche Erkenntnis sträuben, die ihren sinnstiftenden Ansichten widerspricht. Ein wenig konsequent und kritisch sein, müsste halt schon drinnliegen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Desmodus am 20.02.2019 08:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie in der BWL

    Davon träumen die Religionsfritzen. Der heutige Mensch zählt ca. 70'000 Jahre, entstammt der Evolution. Damals war Gott nicht eine Einzelperson. Die Bereiche waren anders aufgeteilt. Götter für Wasser, Donner, Wald, Tiere etc. Man sieht ja, wohin der Einheitsbrei geführt hat.

  • Macstaub am 20.02.2019 07:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ein unguter Gedanke

    Schon einmal überlegt wie es nach einem einzigen Paar weitergeht das Kinder kriegt. Adam, Eva und ihre zwei Söhne, Kain und Set. Eine Frau, drei Männer. Damals gab es noch keine Sittenwächter. Und dann kam die grosse Flut. Es begann von vorn

  • Sonne am 20.02.2019 07:26 Report Diesen Beitrag melden

    Märchen

    Hopplla, in der Bibel stehen noch viel mehr Märchen. Daran glauben kann wer will, das ist eine persönliche Sache. Für mich steht gesunder Menschenverstand im Vordergrund

  • Hoffnungsträger am 20.02.2019 06:49 Report Diesen Beitrag melden

    Reine Spekulation

    Wie kann man solche Aussagen ernst nehmen: "Weil die Menschheit aber älter ist als 200'000 Jahre, muss es einen Grund geben, weshalb es zu diesem Flaschenhals kam." Aus einer Annahme eine Muss-Folgerung schliessen ist echt stümperhaft.

  • Hugo Bart am 20.02.2019 06:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Adam und Eva

    Dann wären wir ja alle Geschwister - - und Inzest Kinder.