Oltingen BL

22. Oktober 2019 04:53; Akt: 06.11.2019 11:59 Print

Ist die grünste Gemeinde der Schweiz wirklich grün?

von Remo Schraner - Jeder dritte Bürger aus Oltingen hat am Sonntag grün gewählt. Doch leben die Bewohner auch so grün, wie sie politisieren? 20 Minuten hat das Dorf besucht.

Das sagt die grünste Gemeinde der Schweiz zu verschiedenen Umweltthemen (Video: S. Brazerol, F. Naef)
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Die grüne Hochburg der diesjährigen Wahlen heisst Oltingen BL: 480 Einwohner, eine Kirche, eine Schule, ein Volg. Und auf der Website preist die Gemeinde einen Energiesparrechner sowie einen Reparaturführer an. Hier erreichten die Grünen einen Wähleranteil von 38,4 Prozent – schweizweiter Rekord.

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Muss man grün leben, wenn man grün wählt?

Wie erklärt sich dieses Resultat? «Wir im ländlichen Oltingen leben noch im Einklang mit der Natur», sagt Dieter Weisskopf (46). Das letzte Mal in einem Flugzeug sei er vor 20 Jahren gewesen. Ihm würden Ferien in der Schweiz gefallen. Ausserdem könne er so auch etwas fürs Klima tun.

Stofftaschen, Bioprodukte und viele Autos

Auch Stefanie Bemlotte (58) liegt die Umwelt am Herzen. Sie verlässt gerade den Volg mit einer gefüllten Stofftasche. Darin verstaut ist das Fleisch vom Dorfmetzger, eine Tüte Biomilch, Mehl aus der Region und ein paar Joghurts. «Aber ich muss auch Kompromisse eingehen», meint Bemlotte und zeigt auf die italienische Weinflasche. Der regionale Wein sei ihr zu teuer gewesen. Der Dorfmetzger Peter Müller (58) derweil hofft, dass nun vermehrt regionale Produkte verkauft werden und er so von der grünen Welle profitieren kann.

Cyril (25) kauft ebenfalls meist nur Biogemüse und Biofleisch – «weil es besser schmeckt», wie er sagt. Ausserdem mache er als Gärtner viel für die Umwelt. Dann fährt er weiter mit seinem Auto. Überhaupt fällt auf, wie viele Autos im grünsten Dorf der Schweiz herumfahren. «In der heutigen Gesellschaft fährt man halt Auto», meint der Oltiger Hermann Rumpf, der gerade auf dem Weg zur Arbeit ist. Zudem gibt es für die vielen Autos auch eine andere Erklärung: Der Bus, der in das nächstgelegene grössere Dorf führt, fährt nur zweimal pro Stunde.

In Oltingen gibt es aber auch Bürger, denen die Grünen ein Dorn im Augen sind: «Die wollen uns vorschreiben, dass wir nicht mehr so viel mit dem Auto fahren sollen. Aber sie selbst fliegen dann nach Amerika», sagt Rolf Gysin (62). Bei aller Euphorie solle man nicht vergessen, dass nicht alle Oltiger die Grünen gewählt haben. Gysin entsorgt sein Altglas und fährt mit dem Töff wieder davon. Ein Velo hat er nicht.

Viele grüne Zuzüger

Gemeindepräsident Stefan Eschbach (42) ist über den Wahlerfolg der Grünen in seinem Dorf wenig erstaunt. «Unsere Zuzüger der letzten Jahre sind eher grün eingestellt.» Zudem war mit Florence Brenzikofer eine Oltiger Politikerin auf der Nationalratsliste der Grünen: «Darum haben wohl auch so viele für diese Partei gestimmt», meint Eschbach weiter. Er als parteiloser Politiker werde aber trotzdem nicht zu den Grünen wechseln. «Schliesslich mache ich als Gemeinderat Sachpolitik und nicht Parteipolitik.» Er nimmt sich aber vor, als Privatperson etwas grüner zu werden und in Zukunft im Dorf vermehrt zu Fuss statt mit dem Auto unterwegs zu sein.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • SPUTIM69 am 22.10.2019 06:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Welcome to CH

    Der Bus fährt nur 2x pro Stunde. :-)

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  • Angel am 22.10.2019 07:03 Report Diesen Beitrag melden

    Super Service!

    An vielen anderen Orten mit mehr Einwohner fährt der Bus nur 1 x pro Stunde!

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  • Germane am 22.10.2019 07:01 Report Diesen Beitrag melden

    Das ändert sich...

    wenn sie in ihrem grünen Dorf gefangen sind und mit Roadpricing beim Weg zur Arbeit abgezockt werden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Pipo46 am 27.10.2019 12:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ungrün

    Aber trotz Stofftasche ist Sie nicht Grün, Sie kauft ja auch Fleisch(Kühe stossen auch CO2 aus) und Wein aus dem Ausland geht schon gar nicht,

  • Raffi am 22.10.2019 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    Bedingunsloses Grundeinkommen ?

    Nein Danke ! Weniger Steuern zahlen NEIN Danke ! Bis 60 Arbeiten NEIN Danke ! Lohnschutz NEIN DANKE ! Weniger Zuwanderung NEIN DANKE ! USW. USW.

    • Xeno72 am 22.10.2019 12:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Raffi

      Statt hier zu möögen und ausgelacht zu werden, solltest Du in die Politik.

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  • Mike am 22.10.2019 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    Hallo, Oltingen ist nicht

    grüner als andere. Ist halt so, dass eine grüne Nationalrats-Kanditatin von Oltingen ist und sie deshalb im Dorf Sympathien hat. Mein Schwager ist von Oltingen und er hat gesagt, dass er zuerst die wählt, welche er persönlich kennt. Ist auch ein SVPler vom Nachbar-Dorf dabei. Sissach hat auch grossen Grünen-Anteil, weil Maya Graf von dort ist. Bin sicher, dass Rünenberg (mit SVP Kanditat) einen hohen SVP-Anteil hat. Ist irgendwie logisch. Also hört bitte auf über das schöne Oltingen herzuziehen. Ist immer ein Besuch wert.

  • Eigenverantwortlicher SVPler am 22.10.2019 11:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wahl fürs Gewissen

    Ich bin mir noch nicht sicher, ob die neuen grünen Wähler mehrheitlich naiv oder heuchlerisch sind. Ich habe eine Bekannte, die dem klassischen grünen Neuwähler entspricht und gerade diesen Sommer bspw. mit dem Flugzeug von ZH nach Berlin flog. Ein anderer, der jährlich zwei Interkontinentalflüge macht. Ich habe sogar die grosse Klimademo im September besucht, um den Puls der "Aktivisten" zu fühlen. Fazit: Die Grossmehrheit schiebt die Verantwortung auf die Politik (also die anderen) ab, ohne selbst das Verhalten anzupassen (Konsum, Easyjet etc.).

    • 418 am 22.10.2019 11:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Eigenverantwortlicher SVPler

      Super! Es ist tatsächlich so.

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  • Lisa am 22.10.2019 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Die Grünen sind Klima-Opportunisten

    Wenn man genau hinschaut predigen sie meist nur grosse Worte aber selber leben sie nicht halb so grün. Sie leben nicht verantwortungsbewusst weder der Natur noch der Umwelt gegenüber.