Lohndumping-Skandal

03. Juli 2014 05:55; Akt: 03.07.2014 14:05 Print

So wurden die Arbeiter um ihren Lohn geprellt

Laut der Unia haben Subunternehmen auf der Basler Roche-Turm-Baustelle die Arbeiter um Teile ihres Lohns geprellt. Roche will dagegen hart durchgreifen.

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Um eine Million Franken sollen ausländische Fassadenbauer betrogen worden sein. Anhand von Dokumenten, die der Gewerkschaft Unia und 20 Minuten vorliegen, wird nun klar, wie die Subunternehmen die Arbeiter um ihren Lohn gebracht haben: «Der Trick der Subunternehmen ist, dass die Lohnangaben in den polnischen Arbeitsverträgen nicht mit den in Deutsch verfassten Unterlagen übereinstimmen. Diese sind für die Arbeiter schlicht unverständlich», erklärt Hansueli Scheidegger, Co-Leiter der Unia Nordwestschweiz.

Zudem seien in den Lohnabrechnungen überhöhte Sozialversicherungsbeträge in Abzug gebracht worden. Brisant: Die Beträge sind handschriftlich aufgeführt. Eine Kontrolle der Zeiterfassungsbelege ergab auch, dass den Fassadenarbeitern die Samstags-Schichten nie gutgeschrieben wurden.

Auch die Überstunden wurden nicht berücksichtigt. So verbrachten die Arbeiter im Schnitt drei Stunden täglich unentlöhnt auf der Baustelle. «Die Arbeiter fühlen sich ausgebeutet und erwarten lediglich eine angemessene Entlöhnung», sagt Adam Rogalewski, Unia-Gewerkschafter und polnischer Übersetzer.

«Kriminelle Machenschaften»

Scheidegger spricht von «kriminellen Machenschaften» seitens der Subunternehmen. Von der Roche verlangt er, dass sie «ihre Verantwortung wahrnimmt und mithilft, dass die Missstände beseitigt werden».

Der Pharma-Gigant hat für die betroffenen Arbeiter ein Care Center geschaffen, das sich der Aufklärung der Sache annimmt.
«Wir haben zudem Massnahmen ergriffen, um sicherzustellen, dass die mögliche Differenz zu den korrekten Löhnen ausgezahlt wird», verspricht Roche-Sprecher Nicolas Dunant. Piotr Lewandowski, ein betroffener Arbeiter, sagt: «Ich hoffe auf Gerechtigkeit.»

Neue Dumpinglöhner ersetzen die Streikenden

Einige Fassadenbauer haben die Arbeit niedergelegt. Andere hingegen gehen ihrer Tätigkeit trotz Dumpinglohn weiterhin nach. «Aus Angst vor dem Verlust ihres Arbeitsplatzes», meint Lewandowski. Laut der Unia sind bereits neue Fassadenbauer eines anderen Unternehmens im Einsatz – dies gefährde die Aufklärungsarbeiten der Gewerkschafter und führe zu unnötigen Verzögerungen. Die Verhandlungen mit Roche seien bereits im Gange.

(vh)