27 junge Männer

05. September 2019 18:43; Akt: 05.09.2019 20:58 Print

Massengrab mitten in Basel entdeckt

Archäologen haben in Basel ein Massengrab gefunden. Die Skelette werden ausländischen Soldaten zugeordnet, die vor über 200 Jahren in der Stadt waren und an einer Epidemie starben.

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Bei archäologischen Ausgrabungen in Basel stiessen die Wissenschaftler überraschend auf ein Massengrab. Sie gehen davon aus, dass die 27 jungen Männer, deren Skelette gefunden wurden, Soldaten waren.

Ab Ende Dezember 1813 wurden 32'000 russisch-preussische Soldaten in der Stadt und der Umgebung untergebracht. In der Stadt Basel lebten damals etwa 17'000 Menschen, 20'000 der Soldaten wurden in der Stadt untergebracht. Sowohl die Platz- als auch die Versorgungssituation war verheerend. Die Truppen befreiten die von Napoleon beherrschten Territorien und trugen zu dessen Abdankung 1814 bei.

Es kam zum Ausbruch einer Typhus-Epidemie, bei der mehrere Tausend Soldaten und etwa 800 Basler starben, darunter jeder zweite Arzt der Stadt. Die Archäologen gehen davon aus, dass die gefundenen Männer im Zusammenhang mit dieser Epidemie in das Massengrab geworfen wurden, wie es in der Medienmitteilung zum Fund hiess.

«Wir könnten ihre Herkunft erforschen»

Tatsächlich sei aus Schriftquellen bekannt, dass 1814 am Fundort des Massengrabs auf dem Kasernenareal ein Notfriedhof eingerichtet worden sei.

Etwa zwei Wochen hätten die archäologischen Arbeiten beim Massengrab gedauert, so Kantonsarchäologe Guido Lassau. Noch ist nicht entschieden, wie und worauf die Skelette weiter untersucht werden. «Wir könnten durch eine Isotopenanalyse beispielsweise herausfinden, wo die mutmasslichen Soldaten herkamen, das wäre natürlich sehr spannend», sagt Lassau.

«Wir graben nicht alles aus»

Bei den Bauarbeiten vor Ort sei noch ein zweiter Graben entdeckt worden, in dem ebenfalls ein Massengrab vermutet werde, heisst es weiter. Diesen habe man aber nicht untersucht. «Wir graben nicht alles aus, was uns interessiert. Wenn eine Fundstelle nicht konkret bedroht ist, wie etwa durch die aktuellen Bauarbeiten, lassen wir sie unter der Erde», so Lassau.

Der Gedanke dahinter: «Künftige Generationen sind hoffentlich auf einem noch besseren wissenschaftlichen Stand und können noch mehr Informationen aus den Fundstellen gewinnen», erklärt der Kantonsarchäologe.

(kom)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lulla am 05.09.2019 19:26 Report Diesen Beitrag melden

    Mich berührt das

    Junge Männer. Traurig, wann endlich hört das Kriegen einiger weniger auf dem Buckel vieler auf? Jeder Einzelne hatte Mutter, Vater, Geschwister, Freunde, evtl. schon eigene Familien von denen sie bestimmt schmerzlich vermisst wurden.

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  • Ziegel am 05.09.2019 19:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Intressanter Fund

    Wow, ein sehr intressanter Fund und bestimmt auch bedeutend mehr aus der Geschichte von damals herauszufinden .

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  • Flo H. am 05.09.2019 20:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wow

    Wenn ich den Grossteil der Kommentare lese frage ich mich ob da ein Irrenhaus Zugang zum Internet bekommen hat.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Danny am 06.09.2019 13:40 Report Diesen Beitrag melden

    Leben & Tod

    Wir haben von den Lebenden, die durch Krankheiten befallen sind, es nicht wissen und sich in der ganzen Welt bewegen können, mehr zu befürchten, als vor ein paar Toten, die vor 200 Jahren an Typhus gestorben sind. Gäbe es mal eine Pandemie, eine wirklich Gefährliche, würde sie sich rasend schnell verbreiten. Urlaubsreisen, Geschäftsreisen, Transporte. Innert Wochen und Monaten würden wohl Millionen Menschen sterben. Die 200 Toten von Basel sind vermutlich sauberer als so mancher aktueller Zeitgenosse (oder Genossin). Die Letzteren machen mir mehr Angst, als die Verblichenen.

  • Päuli am 06.09.2019 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    Wissenschaft

    An alle die hier schreiben, man solle die Toten ruhen lassen.....würde der Mensch die Vergangenheit, bei solchen Gelegenheiten nicht untersuchen, würden wir noch immer glauben, dass Adam und Eva die ersten Menschen waren, die Erde eine Scheibe ist und eine Vielzahl diverser Götter über Leben und Sterben der Menschen entscheiden. Seien wir froh, dass es Wissenschaftler gibt, die diese Arbeit machen, uns aufklären und damit dem Aberglauben entgegentreten.

  • Kurti am 06.09.2019 09:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gräber

    Meine Grossmutter wurde auch ausgegraben , nach 25 Jahren einer meiner Onkels war dabei beim ausgraben. Er war so erschrocken seine Mutter hat so ausgesehen fast wie bei der Beerdigung . Die Nelken und der Abschieds Brief war noch ganz erhalten . weil es Lehmboden ist .

  • Gavrilo Princip am 06.09.2019 08:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja

    Die Ochsengasse scheint ihre letzte Station gewesen zu sein

  • B77W am 06.09.2019 04:38 Report Diesen Beitrag melden

    Tattoo

    Ich gehe nächstes Jahr mit einem mulmigen Gefühl ans Tattoo, vielleicht kommt ein Geist vorbei! Wenigstens kann ich bei der Abendhymne an diese toten Soldaten denken, welche da begraben wurde!