Nach Rassismus-Vorwürfen

15. August 2018 17:00; Akt: 15.08.2018 17:41 Print

«Das Fasnachts-Comité ist keine Zensurbehörde»

Fasnächtler erkennen in den Namen der Negro Rhygass und Mohrenkopf-Gugge nichts Rassistisches. Auf Facebook ernten diese Beifall und das Comité hält sich vornehm zurück.

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Werden hier die Grenzen des Tolerierbaren überschritten? Um den Auftritt und den Namen der Fasnachtsgesellschaften Mohrekopf-Gugge und Negro Rhygass ist eine Kontroverse entbrannt. Kein Verständnis für die Kritik: Dieser Vers, den ein Basler Fotograf aus Solidarität zur Negro Rhygass und Mohrekopf-Gugge gedichtet hat, wird auf Facebook geteilt wie verrückt. Auch Memes kursieren mitterweile, auf denen sich Fasnächtler mit den gebrandmarkten Cliquen solidarisieren. Auch diese Solidaritätsbekundung mit den Opfern der Facebook-Zensur wird auf Facebook eifrig herumgereicht. Am Dienstag wurden die Facebook-Seiten der Negro Rhygass und Mohrekopf-Gugge gesperrt. User hatten diese als rassistisch beanstandet, nachdem ein entsprechender Aufruf auf Instagram lanciert worden war. Auf Instagram kursierten Screenshots von deren Facebook-Seiten, die offensichtlich Anstoss erregten. Die Negro-Rhygass feierten am vergangenen Wochenende das «Negro-Fescht». Jetzt bezeichnen Kritiker Logo und Namen des Vereins als rassistisch. Bei Stopp Rassismus sind nach der Veranstaltung Meldungen eingegangen. «Es laufen jetzt Abklärungen, inwieweit da juristisch etwas zu machen ist», so Johann Göttl, Leiter der Beratungsstelle. Der Verein distanziert sich von Rassismus aller Art. Sieht jedoch keinen Handlungsbedarf, da sich Name und Emblem auf eine historische Begebenheit zurückführen lassen. Seit vielen Jahren sei der Verein Mitglied des Fasnachtscomites und des Dachverbandes der Gugge-IG. Der Name sei zuvor nie ein Thema gewesen. «Bitte überlegt euch einen zeitgemässen Auftritt und einen neuen Namen», fordert ein Kritiker auf Facebook.

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«Wenn de no an d Narrefreiheit glaubsch und drfür bisch, das d Negro Rhygass und d Guggemusig Mohrekopf ihri FB-Syte wieder bykömme, denn teil das so oft wie mögligg.» Der Solidaritäts-Vers eines Basler Fotografen wurden mittlerweile über 500 Mal geteilt. Die Facebook-Seiten der beiden Fasnachtsgesellschaften wurden am Dienstag gesperrt, nachdem in einer konzertierten Aktion Kritiker die Seiten wegen deren Namen als rassistisch beanstandet hatten.

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Die Fasnächtler haben offensichtlich gar kein Verständnis für die Rassismus-Vorwürfe. Die Namen der Negro Rhygass und Mohrekopf Gugge finden sie nicht problematisch. «Es geht mir darum, dass eine Tradition nicht wieder kaputt gemacht werden soll», schreibt der Autor der zig-fach geteilten Posts. Die Reaktionen darauf sind zahlreich und der Tenor klar: «Ich glaube, ich spinne, Sprachlos. Rassismus, da kann ich nur den Kopf schütteln.»

Schnitzelbänkler dichten schon Pointen

Für manchen Fasnächtler ist die Debatte selbst bereits zum Sujet geworden. Der Schnitzelbank D'Giftspritzi am Mittwoch schon einen Vers dazu gedichtet und auf Radio Basilisk vorgetragen.

Fasnachts-Comité sieht keinen Handlungsbedarf

Die Kontroverse hat längst auch schon das Fasnachts-Comité erreicht. Obfrau Pia Inderbitzin sagt auf Anfrage, dass bislang noch keine Beschwerden beim Comité eingegangen seien wegen der beiden Fasnachtsgesellschaften Negro Rhygass und Mohrekopf. «Bis jetzt war das noch nie ein Thema», sagt sie.

Das Fasnachts-Comité sieht denn auch keinen Handlungsbedarf. Würden strafrechtliche Normen verletzt, müssten sie aktiv werden, erklärt Inderbitzin. «Wir sind keine Zensurbehörde», betont sie.

Clique verurteilt Rassismus «aufs schärfste»

Die Clique Negro Rhygass hatte bereits am Dienstag gegenüber 20 Minuten vehement bestritten, dass ihr Name einen rassistischen Hintergrund hat. «Wir verurteilen Rassismus und Diskriminierung aller Art aufs schärfste», sagte Obmann Niggi Schmieder. Seit der Mohrenkopf-Debatte sei dem Verein allerdings um die Problematik ihres Namens und Emblems bewusst. Man sehe allerdings keinen Handlungsbedarf.

Genau gleich sieht das die Guggenmusik Mohrekopf. Deren Obmann schloss gegenüber der «BZ Basel» einen Namensänderung aus.

Online-Petition gestartet

Am Mittwoch wurde nun auch eine Online-Petition lanciert, die die Aufhebung der Clique Negro Rhygass und des Negro Fescht verlangt, wie der «Blick» berichtete. Die Petition, die an die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus, das Fasnachts-Comité und die Basler Kantonspolizei adressiert ist, hatte bis am Mittwochabend knapp 400 Unterstützer.

(lha)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Unempörter am 15.08.2018 10:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Empört über die Empörten

    Es ist an der Zeit, diesen gelangweilten Empörten keinerlei Aufmerksamkeit mehr zu schenken. Ein Begriff, den die darunter subsummierten Menschen unter sich völlig problemlos und sehr häufig benutzen, kann unmöglich für Menschen, welche nicht dieser Ethnie angehören, ein Problem sein. Das ist reine neumodische übertriebene politische Korrektheit.

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  • Reflektierte am 15.08.2018 11:01 Report Diesen Beitrag melden

    Deckmantel der Empörung

    Die Schweiz hat bald keine eigene Kultur mehr, weil man es jedem recht machen will und dabei seine eigenen Wurzeln vergisst. Ja, wir haben dazu gelernt und ein neuer Verein sollte sich besser einen anderen Namen geben, aber dass historisch überliefertes an die heutige Schneeflöckli-Kultur angepasst werden muss stösst mir sauer auf.

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  • Positive am 15.08.2018 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Freude überall!

    Rassismus da, Sexismus dort? Den Leuten ist einfach zu langweilig und müssen überal negatives und schlechtes suchen! Traurige Gesellschaft. Wünsche noch einen schönen Tag.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Donna am 16.08.2018 16:43 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist total OK

    Genau auch wie die Bezeichnung "Mohrenkopf" für einen Mohrenkopf. Da schwingt nicht ein Hauch von Rassismus mit. Vielleicht gibt es ja anderswo Produkte die Bleich- oder Milchgesicht heissen. Das wäre genauso ok. Alles kein Problem.

  • Xena am 16.08.2018 13:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sonst keine Probleme

    Wenn eine Frau halbnackt dargestellt wäre, würde sich keiner dran stören. Dann ist es in Ordnung, aber wenn Menschen afrikanischer Herkunft dargestellt sind, geht das Geschrei los. Ich möchte daran erinnern das es weitaus schlimmere Probleme gibt in Basel, angefangen bei der Kriminalität.

  • Baslerin am 16.08.2018 11:57 Report Diesen Beitrag melden

    Tzzzzz

    Hallo ? Es geht hier doch um die Fasnacht. Das ist unser Kulturgut.... Das ganze ist doch eine Frechheit (die Dame wohnt nicht mal in der Region Basel) und es gibt wohl wichtigeres auf der Welt als sich über den Namen einer Guggemuusig aufzuregen und eine Pedition zu starten. Ist da Jemand gelangweilt und hat nichts besseres zutun?

  • PeeWee am 16.08.2018 11:16 Report Diesen Beitrag melden

    Macht alles nur schlimm und schlimmer

    Langsam reicht es, wenn immer alles politisch korrekt sein soll... hören wir damit auf und sind einfach Menschen und menschlich. Wer keinen Unterschied zwischen den verschiedenen Kulturen und dem unterschiedlichen Aussehen der Menschen macht, dem fällt so etwas auch nicht negativ auf! Ich finde, indem man den Fokus ständig auf sowas richtet, kreiert man mehr Unterschiede. Als ich Kind war, war das alles kein Thema und es wäre mir auch als junge Erwachsen nie in den Sinn gekommen irgendein Unterschied zu machen! Ich hatte und habe Freunde aus allen Kulturen und aller Hautfarben. So what..?!

  • Cristina am 16.08.2018 10:56 Report Diesen Beitrag melden

    Multikulti funktioniert nicht

    Menschen die sich unserer Kultur, dazu gehört auch die Fasnacht, nicht anpassen können, wollen usw. sollten sich überlegen ob sie ihren Lebensraum nicht dorthin verlegen können wo sie sich nicht anpassen müssen, wo sie keine Minderheit sind! Meine Multikultitoleranz ist am Ende angelangt! Ich kenne schwarze Menschen die stören sich nicht die Bohne an solchen Dingen