Coronavirus

20. März 2020 04:53; Akt: 20.03.2020 04:53 Print

Gemeinden schliessen Spielplätze ohne Zwang

Im Baselbiet sperren Gemeinden die Spielplätze, obwohl sie dazu nicht verpflichtet sind. In Basel-Stadt bleiben sie offen, allerdings gibt es einen Vorbehalt.

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In den Baselbieter Gemeinden Oberwil, Ettingen und Therwil bleiben aufgrund des Corona-Virus die Spielplätze geschlossen. So sollen unnötige Menschenansammlungen vermieden werden. Wer sich nicht daran hält und auch eine Wegweisung sowie einen Platzverweis missachtet, kann von der Gemeinde angezeigt werden. Die Gemeinden sind jedoch nicht verpflichtet ihre Spielplätze zu schliessen. Tamara Funck, Mediensprecherin der Gemeinde Therwil sagt auf Anfrage, es liege in der Verantwortung der Gemeinde, den Schutz der Bevölkerung in dieser Zeit zu gewährleisten. Von der Schliessung betroffen sind allerdings nur die öffentlichen Spielplätze. Die Gemeinde stellt sich zudem auf den Standpunkt, dass es rund Therwil genügend Wald und Grünflächen zum Austoben gebe. Die Gemeinden begründen die Massnahme unter anderem auch mit der Umsetzbarkeit, dabei sei auch berücksichtigt worden, was für die Polizei machbar sei. In Basel-Stadt sind die öffentlichen Parkanlagen und Spielplätze offen geblieben. «Man kann die Kinder nicht daheim einsperren. Sie brauchen ein Minimum an sozialen Kontakten», erklärt Erziehungsdirektor Conradin Cramer. Daran halten sich aber längst nicht alle. «Viele sind leider uneinsichtig», sagt Marc Moresi, Sozialarbeiter und Leiter der Freizeithalle Dreirosen. Er glaubt, dass es vielen noch nicht bewusst sei, dass es härtere Massnahmen geben könne. Moresi appelliert an die Vernunft und die Einsicht der Bevölkerung: «Es ist erlaubt in den Park, auf den Spielplatz oder Joggen zu gehen, aber man soll keine Gruppen bilden und auf die Hygiene achten. Wir brauchen jetzt ein hochintensives Mitschaffen von allen.»

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«Liebi Mamis und Papis, der Spielplatz Eisweiher ist ab sofort abgesperrt», schreibt ein Mitglied der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Oberwil BL, wenn...», angehängt ist ein Foto von einem vor Ort platzierten Plakat. In grossen roten Lettern steht da «Bitte helft mit!» Die Gemeinde will mit der Schliessung von Spielplätzen, Grillstellen und anderen Begegnungszonen grosse Menschenansammlungen vermeiden, steht auf dem Aushang. Wer sich nicht daran hält und auch eine Wegweisung sowie einen Platzverweis missachtet, könne von der Gemeinde angezeigt werden.

Mit diesen Massnahmen ist sie nicht die einzige Baselbieter Gemeinde, auch die Nachbargemeinden Therwil und Ettingen haben ihre öffentlichen Spielflächen geschlossen – obwohl es keine enstsprechende Weisung von Kanton oder Bund gibt. Das Bundesamt für Gesundheit verzichtete sogar ausdrücklich auf eine solche Anordnung, weil Kinder nicht der Treiber der Epidemie seien, so BAG-Chef Daniel Koch.

Schliessen statt kontrollieren

Warum also greifen Gemeinden trotzdem zu diesem Mittel? Tamara Funck, Mediensprecherin der Gemeinde Therwil, bestätigt auf Anfrage, dass es für Spielplätze keine Vorgaben gebe, sagt aber: «Alle Spielplätze bei uns, mit Ausnahme des Känelmattspielplatzes, sind Teil einer Schulanlage und somit geschlossen.» Es sei zu aufwendig, die Plätze von dem Schulareal klar abzutrennen. Zudem liege es in der Verantwortung der Gemeinde, den Schutz der Bevölkerung zu gewährleisten. Es sei auch berücksichtigt worden, welche Lösung für die Polizei umsetzbar sei.

Von der Schliessung betroffen sind allerdings nur die öffentlichen Spielplätze. Die Gemeinde stellt sich zudem auf den Standpunkt, dass es rund Therwil genügend Wald und Grünflächen zum Austoben gebe.

Jugendliche umarmen sich demonstrativ

In Basel-Stadt sind die öffentlichen Parkanlagen und Spielplätze offen geblieben. «Man kann die Kinder nicht daheim einsperren. Sie brauchen ein Minimum an sozialen Kontakten», erklärte Erziehungsdirektor Conradin Cramer. Es gelte dabei aber, die Empfehlungen des Bundes zu beachten. Nicht zu viele Kinder aufs Mal und die Eltern müssen Abstand zueinander einhalten.

Daran halten sich aber längst nicht alle. «Viele sind leider uneinsichtig», sagt Marc Moresi, Sozialarbeiter und Leiter der Freizeithalle Dreirosen. «Als Arbeitskollegen am Mittwoch Jugendlichen vermitteln wollten, wie ernst die Lage ist, und dass man sich nicht in grossen Gruppen aufhalten soll, umarmten sich diese demonstrativ.»

Es drohen rigorosere Massnahmen

Moresi appelliert an die Vernunft und die Einsicht der Bevölkerung: «Es ist erlaubt, in den Park, auf den Spielplatz oder joggen zu gehen, aber man soll keine Gruppen bilden und auf die Hygiene achten. Wir brauchen jetzt ein hochintensives Mitschaffen von allen.» Die nächsten Tage seien bedeutend dafür, ob die Regierung ihre Massnahmen verschärfe, momentan sehe es stark danach aus, meint Moresi. Er glaubt, dass es vielen noch nicht bewusst sei, dass es härtere Massnahmen geben könne. Cramer äusserte diesen Vorbehalt ebenfalls schon.

Moresi hofft, dass sich die Menschen an die Empfehlungen des Bundes halten, denn eine Ausgangssperre habe Folgen für die psychische Gesundheit sowie das Wohlbefinden. Besonders schwierig sei es dann auch für Familien mit Kleinkindern, die sich keine Wohnung mit einem Balkon oder Garten leisten könnten.

(mhu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Vanillasky am 20.03.2020 07:10 Report Diesen Beitrag melden

    Ignoranten

    An die Vernunft appelliert man bei vielen vergebens. In unserem Quartier leben viele Familien mit Kindern und es geht zu und her wie in den Sommerferien. Die Kids sind in Gruppen unterwegs und die Eltern hocken zusammen. Darauf angesprochen meinen sie, ach das ist doch alles nicht so schlimm. Dies Ignoranz macht mich wütend!

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  • Joel am 20.03.2020 06:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Toll gemacht

    Sollte bei uns auch gemacht werden. Gestern aus dem Fenster gesehen, dass sich 18 Kinder und Eltern getroffen haben zum Essen uns spielen...

  • jane77 am 20.03.2020 08:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    stay Home

    ich hoffe das langsam wirklich alle verstanden haben worum es geht! Es schützt nicht nur euch vor der erkrankung ,sondern es schützt auch die anderen vor einer Übertragung. Abstand halten zueinander, bleibt zu Hause und wen ihr unterwegs sein müsst nicht in Gruppen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Gemeinderat am 20.03.2020 13:10 Report Diesen Beitrag melden

    Habe Spielplatz auch schliessen müssen..

    Als Gemeinderat einer kleinen Gemeinde im deutsch-freiburgischen Oberland habe auch ich mitentschieden den Spielplatz (wie auch Fussballplatz) zu schliessen mit gutem Grund. Sozialer Kontakt, wie auch Ansteckung durch/mit Kinder die Informationen sind wohlbekannt. Das Problem sind die Eltern, Kaffeklatsch, tratschen in Gruppen während die Kinder spielen, in grösseren Gruppen walken / joggen, auf dem Trottoir ein Schwatz halten, . Die Gemeinde hat eine Verantwortung und muss, leider hier zu Leid der Kids, durchsetzen. Bundesrat wird wohl folgen (müssen)... Ihr habt es in der Hand.

  • Tao3 am 20.03.2020 10:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wegen Unitelligenten oder Rebellen

    Totale Ausgangsperre wär angebracht und mehr Tests!

  • m&m am 20.03.2020 10:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spielplatz Migros

    Toll, dann treffen sich die Mütter alle mit ihren Kinderlein im Migros und lassen sie dort rum toben! Leider schon so erlebt.

  • Mike am 20.03.2020 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt sind die Gemeinden gefordert

    Der Bund soll Massnahmen treffen, welche für die gesamte Schweiz (z.B. Veranstaltungsverbot, Schliessung von Geschäften, etc.) verfügen. Wird festgestellt, dass sich an einigen Orten die Leute Zuwenig an die Vorgaben (z.B. Distanz halten, Gruppenansammlungen) halten, sollten die Gemeinden und evtl. der Kanton hier spezifische Verbote und Sperrungen erlassen. Es bringt nichts, wenn der Bund eine komplette Ausgangssperre verhängt (Reiten, Hunde ausführen, Arbeiten, etc. bleibt erlaubt) nur wegen einiger weniger Unbelehrbarer.

  • Franz am 20.03.2020 09:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein grosses Dankeschön an die Eltern..

    ... welche egoistische und dumme junge Erwachsene aufgezogen haben. Die antiautoritäre Erziehung hats weit gebracht.