An Behinderte

04. Juni 2013 23:59; Akt: 05.06.2013 11:24 Print

Staat soll Sex-Gutscheine verteilen

von Nina Jecker - Der als Querulant bekannte Basler Grossrat Eric Weber provoziert mit einer neuen Idee: Der Staat soll Liebesdienste von Prostituierten für Behinderte fördern.

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Links: Eric Weber, Grossrat Basel-Stadt; rechts: Szene aus dem Film «The Sessions», in dem Helen Hunt eine Berührerin für Behinderte spielt. (Bild: Keystone/AP/Peter Dejong)

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Der Kanton Basel-Stadt soll dafür besorgt sein, dass die sexuellen Bedürfnisse von Behinderten erfüllt werden. Das fordert Eric Weber, Basler Grossrat der Rechtsaussen-Partei «Volks-Aktion gegen zu viele Ausländer und Asylanten». Der Parlamentarier schreibt in seinem politischen Vorstoss mit dem Titel «Gutschein für kostenfreien Sex», er habe sich schon immer für die Randständigen und Behinderten eingesetzt. Ironisch fügt er an, er zähle sich doch selbst zu dieser Gruppe.

Der Politiker konnte von 20 Minuten nicht kontaktiert werden. Er hält aber schriftlich fest, dass es ihm bei seiner Forderung um mehr als reine Streicheleinheiten gehe. «Falls es körperlich noch möglich ist, wollen die Behinderten auch einen Höhepunkt (richtigen Sex) erleben», heisst es im Vorstoss. Der Kanton Basel-Stadt solle nun prüfen, wie ein solches Angebot im Stadtkanton neu aufgebaut oder ein bestehendes gefördert werden könnte.


Sexualität als Menschenrecht

Eine, die sexuelle Dienstleistungen für Behinderte bereits seit fünf Jahren anbietet, ist Verena Gattiker. «Es hat gleich voll eingeschlagen. Das Bedürfnis ist sehr gross», sagt sie. Pro Infirmis bestätigt, dass Prostitution gerade für Menschen mit einer Beeinträchtigung oft die einzige Möglichkeit sei, körperliche Liebe auszuleben. Dies sei genauso legitim wie bei Nicht-Behinderten. «Sexualität in der individuell möglichen Art und Weise zu leben, ist ein Menschenrecht», sagt Sprecher Mark Zumbühl. «Hilfe in diesem Bereich ist eine Form von Assistenz wie in anderen Dingen des Lebens auch.»

Dass allenfalls der Staat den Liebeslohn übernehmen soll, davon hält Zumbühl nichts. «Das wäre keine Gleichbehandlung», moniert er. Weber rechnet in seinem Vorstoss vor, dass monatlich etwa Kosten von zwei- bis dreihundert Franken pro Person anfallen würden. Auch der Basler Gross- und Nationalrat Sebastian Frehner hält nichts von staatlich geförderter Prostitution: «Wie in anderen Bereichen soll auch hier der Markt spielen und der Staat nur die Rahmenbedingungen festlegen.»

Ausbildung für sexuelle Dienste

Unabhängig davon, wer die Kosten trägt: Das Angebot wächst. Nebst herkömmlichen Sexarbeiterinnen bietet der Markt immer mehr auf Behinderte spezialisierte Sexualbegleiterinnen wie Gattiker. Sie verkaufen nicht eine explizite sexuelle Dienstleistung, sondern bieten eine gewisse Zeit lang eine Art Ersatzbeziehung inklusive körperliche Aktivitäten. «Die Lust auf Geschlechtsverkehr ist aber auch bei Behinderten klar da», sagt Gattiker. Für zwei Stunden mit ihr bezahlen IV-Bezüger 250 Franken.

Die ausgebildete Sexualpädagogin dürfte bald weitere Kolleginnen bekommen: Das Institut zur Selbst-Bestimmung Behinderter ISSB in Zürich bietet seit diesem Frühling eine Ausbildung für Sexualbegleitung an.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Ich habe eine körperliche Behinderung. Kann nicht gut laufen, motorisch bringt es keine Therapie. Muss Medis schlucken wenn sie stärker werden. Wenn ich mir etwas wünschen könnte dann, das ich gesund wäre. Mir fehlt Liebe, Zuneigung, Körperlicher Kontakt so sehr. Ihr glaubt gar nicht wie das ist, gefangen mit seiner Behinderung zu sein. Heule manchmal wenn ich verliebte sehe, ich mich nach Liebe sehne und alleine bin. Ich mag es allen von Herzen gönnen, das ist es natürlich nicht. Meine Behinderung wird nie mehr weg sein. Daher ist die Idee nicht mal schlecht. Auch behinderte dürfen das Recht haben auf Liebe, Zuneigung und auch Geschlechtsverkehr. Ich bitte einigen, nochmals nachzudenken, was sie schreiben. Ist immer sehr einfach dinge zu schreiben, das man selber nicht kennt. Wünsche euch einen schönen sonnigen Tag. – Daniel Stricker

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • adri matiz am 05.06.2013 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    nicht behindert...

    ...aber so hässlich dass ich auch keine Frau abkriege.. bezahlt mir der Staat dann auch 250.- pro Monat um ins Puff gehen zu können? Und wenn ich mal keine Lust auf Sex hab, könnte ich die 250.- monatlich auch anders einsetzen ;) ich verzichte aber gerne aufs Bordell, wenn mir meine Steuerrechnung um diesen Betrag reduziert wird. Jedenfalls finde ich schon den Betrag der pro Monat für Sex aufgeworfen wird, viel zu hoch! Aus dieser Aussage geht hervor das man als Mensch das Recht hat 1x im Monat poppen zu dürfen... wer kann denn solche Rechte garantieren???

  • Susanne M. am 05.06.2013 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt durchaus auch Menschen,

    die nicht behindert sind, und trotzdem kaum Chancen auf einen Partner haben... Was ist mit denen? Und ob es auch genug Callboys gibt, die bereit wären, behinderten Frauen ihre Wünsche zu erfüllen?

  • Robin Hood am 05.06.2013 05:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was ist mit den handicapierten Damen?

    Was ist denn mit den weiblich Handicapierten? Ich denke auch diese haben sexuelle Bedürfnisse. Im Artikel scheint es mir jedoch nur darum zu gehen die sexuellen Bedürfnisse von handicapierten Männern zu erfüllen. Und nein ich bin kein Feminist, ich bin ja Überraschung auch ein Mann.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Steve Meyer am 07.06.2013 08:01 Report Diesen Beitrag melden

    und was ist, wenn er gar nicht will?

    Ich habe behinderte Menschen in Einrichtungen gesehen, die können gar nicht kommunizieren. Ein Pfleger interpretiert für den Invaliden was dieser wohl möchte. Jetzt zu sagen, dieser Invalide will Körperkontakt und Sex ist wohl etwas zu weit gegriffen. Das kann ich auch Eingriff in die Privatsphäre nennen und nicht Menschenrecht.

  • Frau am 05.06.2013 11:40 Report Diesen Beitrag melden

    Nur so ne Idee

    Wie ich in Statistiken gelesen habe, ist die Missbrauchsrate bei behinderten Frauen noch viel grösser als bei gesunden. Somit soll jede 2. behinderte Frau sexuellen Missbrauch erlebt haben. Vielleicht reden deswegen jetzt alle nur von den Männern, die diesen Dienst "brauchen"? Und übrigens.. Sex soll ein Menschenrecht sein? Wo leben wir? Wenn es so weiter geht, werden bald sicher auch noch Vergewaltigungen straffrei sein.

    • Hansueli Hafner am 07.06.2013 06:00 Report Diesen Beitrag melden

      Häääää?

      Wie kommen Sie denn auf den steilen Ast? Was hat das denn mit Vergewaltigung zu tun? Manche Kommnantare sind kränker als die Vorschläge selbst.

    einklappen einklappen
  • adri matiz am 05.06.2013 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    nicht behindert...

    ...aber so hässlich dass ich auch keine Frau abkriege.. bezahlt mir der Staat dann auch 250.- pro Monat um ins Puff gehen zu können? Und wenn ich mal keine Lust auf Sex hab, könnte ich die 250.- monatlich auch anders einsetzen ;) ich verzichte aber gerne aufs Bordell, wenn mir meine Steuerrechnung um diesen Betrag reduziert wird. Jedenfalls finde ich schon den Betrag der pro Monat für Sex aufgeworfen wird, viel zu hoch! Aus dieser Aussage geht hervor das man als Mensch das Recht hat 1x im Monat poppen zu dürfen... wer kann denn solche Rechte garantieren???

  • Zeigtherzundehre am 05.06.2013 10:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich weis aus pers. erfahrung

    Das es behinderte menschen schwer haben einen partner zu finden( nicht nur für sex) . Hab mir schon einige gedanken dazu gemacht: eine partnervermittlung nur für menschen mit handicap!! So würden sich paare finden die sonst alleine währen und geteiltes leid ist immernoch leid aber halbes! Hoffe ein schlauer und sozialer gesch. Mann realisiert dass zeitnah den unsere politiker werden sowas kaum hinbekommen!

  • Susanne M. am 05.06.2013 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt durchaus auch Menschen,

    die nicht behindert sind, und trotzdem kaum Chancen auf einen Partner haben... Was ist mit denen? Und ob es auch genug Callboys gibt, die bereit wären, behinderten Frauen ihre Wünsche zu erfüllen?