Strafgericht BS

18. Februar 2020 20:46; Akt: 19.02.2020 07:51 Print

56 Monate Gefängnis für Hooligan gefordert

Am Dienstag stellte die Staatsanwaltschaft ihre Anträge im Basler Hooligan-Prozess. Einer der Beschuldigten soll für über viereinhalb Jahre ins Gefängnis.

Wegen dieser Strassenschlacht müssen sich zwölf Personen vor dem Basler Strafgericht verantworten.
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Im Verfahren gegen zwölf Männer, die sich an einer Hooligan-Schlacht am 19. Mai 2018 in Basel beteiligt haben sollen, plädierte am Dienstag die Staatsanwaltschaft. Sie fordert Freiheitsstrafen von 27 bis 56 Monaten für die drei Beschuldigten, die wegen versuchter schwerer Körperverletzung angeklagt sind. Für jene, die sich wegen Raufhandels verantworten müssen, beantragte sie bedingte, teilbedingte und unbedingte Freiheitsstrafen. Der Mann, der seinen Strafbefehl angefochten hatte, soll 150 statt 120 Tagessätze à 100 Franken bezahlen.

«Die Videoaufnahmen schockierten und verunsicherten die Öffentlichkeit», sagte der Staatsanwalt. Der Fussball sei als Deckmantel missbraucht worden. Tatsächlich sei es bei dem Überfall auf die Basler Saisonabschlussfeier um Rache für frühere Auseinandersetzungen gegangen. Die Basler hätten von nichts gewusst, wie aus ausgewerteten Mobiltelefondaten hervorgehe. Gewaltbereite Basler Anhänger hätten aber schnell reagiert und einen Mob gebildet, der die Zürcher und ihre Verbündeten zurückgedrängt und verfolgt habe.

Spezifisch für Strassenschlachten trainiert

Die Staatsanwaltschaft stellte den meisten der Beschuldigten keine guten Prognosen. Die meisten von ihnen verortete sie tief in der gewaltbereiten Hooligan-Szene. Einzelne sollen auch an sogenannten Feld-Wald-Wiese-Kämpfen teilgenommen haben. Dabei handelt es sich um klandestine Treffen an abgelegenen Orten, wo Hooligans gegeneinander kämpfen.

Einen 31-Jährigen will die Staatsanwaltschaft auf einem Trainingsvideo identifiziert haben. Darauf ist zu sehen, wie Männer trainieren, gegen mehrere Gegner zu kämpfen und dann auf einen am Boden liegenden Boxsack einschlagen. In einem weiteren Video soll ein Beschuldigter zu sehen sein, wie er ein Training leitet, in dem spezifisch trainiert wird, wie man eine am Boden liegende Person schlägt, die versucht, sich mit den Beinen zu verteidigen.

Versuchte schwere Körperverletzung im Fokus

Die schwersten Strafen will die Staatsanwaltschaft gegen die drei Männer ausgesprochen sehen, denen sie versuchte schwere Körperverletzung vorwirft. Sie alle gehörten dem Zürcher Lager an. Ein 25-jähriger Syrer soll für 56 Monate ins Gefängnis und für zwölf Jahre aus der Schweiz verwiesen werden. Ein 24-jähriger Deutscher soll zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten verurteilt werden, wobei er bei einer Probezeit von zwei Jahren nur deren 13 absitzen müsste, jedoch gefolgt von einem fünfjährigen Landesverweis. Für einen 31-jährigen Schweizer wurde eine unbedingte Freiheitsstrafe von 32 Monaten beantragt.

Ein Basler Anhänger soll für 15 Monate ins Gefängnis. Während der Einvernahme habe er angegeben, als Unbeteiligter Verletzte geschützt zu haben. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hätten aber ergeben, dass er Mitglied der militanten Basler Ultragruppierung «187» sei und als Ansprechpartner für organisierte Schlägereien mit anderen Gewaltbereiten fungiert. Der andere beschuldigte Basler hatte gegen seinen Strafbefehl rekurriert, den die Staatsanwaltschaft in ihrer Forderung prompt um 3000 Franken (30 Tagessätze) verschärfte.

Für die restlichen mutmasslichen Angreifer fordert die Anklage verschiedene Freiheitsstrafen, von einer bedingten Warnung von 10 Monaten mit einer Probezeit von zwei Jahren bis zu einer unbedingten Strafe von 27 Monaten. Strafverschärfend bei den Anträgen wirkten sich vor allem die mehrfache Begehung des Raufhandels sowie die schwere des Verschuldens aus. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Zürcher und ihre Helfer nur aus einem Grund nach Basel gereist waren: um sich zu prügeln.

In den nächsten Tagen plädieren die Verteidiger und stellen ihre Anträge, bevor sich das Gericht zur Beratung zurückzieht. Das Urteil wird am 9. März erwartet.

(las)