Basel

04. April 2019 17:32; Akt: 04.04.2019 18:00 Print

Stadt entsorgt ihren Stau in die Dörfer

Basel-Stadt verlagert Staus mit neuen Verkehrsdosiersystemen ins Umland. Der Nachbarkanton hatte keine Ahnung und ist alles andere als erfreut.

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Mit einem Verkehrslenkungskonzept soll in Basel der Autoverkehr auf den Hauptverkehrsachsen flüssiger werden. Auf diesem Weg will die Regierung die Wohnquartiere vom Durchgangsverkehr entlasten und so die Lebensqualität erhöhen.

Für die Umsetzung des Konzeptes beantragt die Regierung beim Grossen Rat einen Kredit von 1,22 Millionen Franken. Umgesetzt werden sollen die vorgesehenen Massnahmen laut einer Mitteilung vom Mittwoch innerhalb der kommenden fünf Jahre, dies koordiniert mit jeweils ohnehin anstehenden Strassenunterhaltsprojekten.

Staus nach Baselland verlagern

Kern des Verkehrslenkungskonzepts sind sogenannte Dosieranlagen. Diese sollen dafür sorgen, dass zu den Hauptverkehrszeiten an den neuralgischen Punkten der Autoverkehr flüssiger wird. Erreicht werden soll dies mit der Steuerung der Lichtsignalanlagen. Die dadurch entstehenden Staus sollen in weniger sensible Strassenräume verlegt werden, wie es im Communiqué heisst.

Weniger sensible Strassenräume liegen nach Ansicht der städtischen Verkehrsplaner im Kanton Baselland. Mit dem strassenaffinen Nachbarkanton wurde das Konzept nicht besprochen. Die Baselbieter Baudirektorin Sabine Pegoraro (FDP) ist gar nicht erfreut. «Ich weiss nichts davon. Und es ist grundsätzlich nicht in meinem Sinn, dass Staus in Richtung ­Baselland verlagert werden», sagte sie gegenüber der «Basler Zeitung».

Auch der Basler Alt-Regierungsrat Jörg Schild (FDP) konnte sich einen bissigen Kommentar zur Basler Rotlicht-Offensive nicht verkneifen.


Autolobby schäumt

Eingestellt werden sollen die Dosieranlagen überdies so, dass weder der Verkehrsablauf an den benachbarten Knoten noch der öffentliche Verkehr behindert werden. Die Regierung verspricht sich auch für die Fussgänger und Velofahrer eine Verbesserung der Situation. Vorgesehen sind insgesamt sieben Dosieranlagen. Eine erste ist vergangenes Jahr an der Kreuzung Elsässerstrasse/Hüningerstrasse getestet worden. Der Piltoversuch verlief gemäss der Mitteilung erfolgreich.

Dieser Darstellung widerspricht der Automobil-Club der Schweiz. Der Pilotversuch habe kaum Wirkung gezeigt. «Unzählige Autos stehen nun 14 statt nur 10 Minuten im Stau und stossen mehr CO2 aus», wird ACS-Geschäftsführer Christian Greif zitiert. Er glaubt, dass mit den Dosierstellen zudem die Quartiere mit Mehrverkehr belastet werden, weil die Leute den Rotlichtern ausweichen würden.

Quartierstrassen entlasten

Genau das soll aber nicht passieren. Um die Wohnquartiere vom motorisierten Individualverkehr zu entlasten, sieht die Regierung neben den Dosieranlagen weitere Massnahmen vor. So soll mit einer optimierten Wegweisung, die auch in Navigationsgeräte aufgenommen wird, verhindert werden, dass Ortsunkundige mit dem Auto ungewollt in Quartieren landen. Mit neuen Abbiegeverboten oder Einbahnstrassen sollen Quartiere zusätzlich von Schleichverkehr entlastet werden.

Mit diesen geplanten Verkehrslenkungsmassnahmen steht Basel nicht allein da. Städte wie Bern und Zürich sowie im Ausland haben solche bereits eingeführt. Nach Angaben der Regierung sind die Erfahrungen dort gut und die Akzeptanz hoch.

(20 Minuten/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ueli am 04.04.2019 17:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    es ist ganz einfach...

    man bekommt was man wählt

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  • fatiyayo am 04.04.2019 19:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Agglobewohner

    Eine Frechheit, für die Leute, welche in der Agglo wohnen und z.T. garnicht in die Stadt fahren möchten. Das selbe läuft gerade in der Zürich-Agglo. Nervig.

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  • Stadt Luzerner am 04.04.2019 19:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überall das gleiche

    Das exerziert Luzern schon länger.... neue Dosierampeln in Ebikon und andere Agglomeration.... Stadt kann praktisch Verkehrsfrei sein, dennoch wird stumpfsinnig dosiert.... Passiert wenn Dogmaten das Sagen haben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Max/Mix am 04.04.2019 20:45 Report Diesen Beitrag melden

    Anfahren, sehr dreckig, rollen sauber

    Jede zusätzliche Stauminute erzeugt sehr viel Stickoxid, CO2, Feinstaub. Und dies alles für nichts. Beim anfahren gehen die NOX-Werte in schwindelerregende Höhen. Früher gab es die grüne Welle, welche ein vernünftiges durchkommen durch die Städte ermöglicht, und erst noch umweltfreundlich war, da sehr wenige angefahren werden musste. Aber eben, diese Zusammenhänge kennen die Personen, welche das Sagen haben nicht.

  • Peter Franz am 04.04.2019 20:43 Report Diesen Beitrag melden

    Stadt Zürich

    Das macht die Stadt Zürich schon seit Jahrzehnten, nur hat's, ausser den Insidern, keiner geschnallt.

  • Fährima am 04.04.2019 20:22 Report Diesen Beitrag melden

    Finde ich Ok

    Eine Strasse zeigt die Gellertstrasse im St. Alban. Erstens ist das eine 30er Zone mit diversen Schulhäuser und eine Spitalzone. Und in dieser besagten Spitalzone ist der Verkehr eigentlich nur für Anwohner und Zubringer gestattet. Genau so herrscht dort ein Lkw-Verbot. Trotzdem fahren dort täglich unzählige BL und AG durch ohne sich um die Geschwindigkeit und Rechtsvortritt zu kümmern! Ebenso die ganzen Fahrschulen aus BL. Sorry aber in einer Stadt zu fahren lernt man nicht in einer 30er Zone!

  • aussendienstler am 04.04.2019 20:00 Report Diesen Beitrag melden

    schänzli Tunnel

    Seit dem der Schänzli Tunnel ausgebaut wird, staut es durch komplett Muttenz viel häufiger. Ich bin schon Unzählige male durch komplett Muttenz stehend durch, manchmal Richtung Pratteln manchmal Richtung Basel. Entweder weil die Umfahrung der Autobahn über die Hauptstrasse geleitet wird oder weil diese genau alle umfahren. Lieber Autobahn ausbauen, aber auf die Wähler muss man ja nicht hören die braucht man ja nur für die Wahlen und da werden sie belogen.

  • Stef de Bale am 04.04.2019 19:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    BS Stressfrei

    Es erscheint mir logisch, dass die Pendler erst eingelassen werden, wenn Platz vorhanden ist. Das ist auch im Kino so. Der öffentliche Verkehr heisst aber alle willkommen, alle teilzunehmen