Strafgericht BS

10. Mai 2019 04:59; Akt: 10.05.2019 08:27 Print

Ihre Handynummer war ihm 2600 Franken wert

Ein Kleinkrimineller verliebt sich in eine Juristin. Am Ende brennt seine Gefängniszelle. Jetzt muss sich der 33-Jährige vor dem Basler Strafgericht verantworten.

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«Brandstiftung, versuchte Erpressung, Nötigung, Drohung, Sachbeschädigung, Beschimpfung, Einfache Körperverletzung, Missbrauch einer Fernmeldeanlage, Ungehorsam gegen amtliche Verfügungen und Verstoss gegen das Betäubungsmittelgesetz.» Die Liste der Delikte, für die der 33-jährige Schweizer sich am Donnerstag vor dem Basler Strafgericht zu verantworten hatte, ist lang.

Der chronische Delinquent stürzte sich ins Unglück, als er im November 2017 juristische Hilfe bei einer Rheinfelder Anwaltskanzlei suchte. Grund dafür waren mehrere Strassenverkehrsdelikte und eine Sachbeschädigung.

Das Beratungsgespräch führte eine junge Juristin, in die sich der Beschuldigte laut Staatsanwaltschaft umgehend verliebte. Diese Gefühle beruhten aber nicht auf Gegenseitigkeit. Nachdem er mehrmals versucht hatte, die Juristin per E-Mail und am Wohnort ihrer Eltern zu kontaktieren und ihr anonym eine Rose ins Büro schickte, liess sie ihm mitteilen, dass sie keinen Kontakt zu ihm wünsche.

«Von meinem Herzen gesendet»

Davon liess sich der Beschuldigte nicht beirren. Er schrieb ihr praktisch täglich E-Mails, in denen er ihr seine Liebe gestand. «Von meinem Herzen gesendet» schrieb er am 17. März 2018. Gleichentags folgte noch ein Heiratsantrag. Als sie nichts erwiderte, folgten wütende Mails, dann wieder Entschuldigungen. Am 9. April wurde es ihr zu bunt und sie stellte Strafantrag.

Am gleichen Tag tauchte er in der Anwaltskanzlei auf. Er forderte von der Mitarbeiterin des Empfangs die Rückzahlung eines Kostenvorschusses von 2600 Franken, den er gezahlt hatte, in bar.

Alternativ würde er auch die Handynummer seiner Angebeteten als «Bezahlung» annehmen. Als darauf nicht eingegangen wurde, ging er wieder. Wenige Stunden später rief er in der Kanzlei an und bedrohte eine Mitarbeiterin. Infolgedessen wurde der Beschuldigte verhaftet, kam am nächsten Tag aber wieder auf freien Fuss.

«Wie kann sie nur so kalt sein?»

Aber nicht für lange Zeit. Am 7. Mai wurde der 33-Jährige erneut verhaftet, nachdem er ein Kontakt- und Annäherungsverbot zur Familie der jungen Frau konsequent ignoriert hatte.

Auch in der Untersuchungshaft liess ihn die Juristin nicht los. «Andere Häftlinge haben mir Botschaften von ihr übermittelt, die ich für echt hielt. Erst als ich die Anklageschrift gelesen habe, habe ich verstanden, dass ich die Frau mit meinem Verhalten verängstigt habe», sagte er am Donnerstag vor Gericht. Trotzdem hielt er fest: «Ich habe soviel für sie gemacht. Ich dachte, dass sie die Anzeige zurückzieht. Wie kann sie nur so kalt sein?»

Aus Frust Zelle angezündet

Die Untersuchungshaft setzte ihm arg zu. Ein seiner Meinung nach falsches Gutachten bringt das Fass zum überlaufen. Am 19. Oktober 2018 wirft er nachts in seiner Zelle Zeitungen, ein Duvet und seine Boxershorts auf einen Haufen und zündet ihn an. Daraufhin müssen die Häftlinge evakuiert werden. Er selbst und ein Mithäftling müssen ins Spital gebracht werden.

Die Staatsanwaltschaft fordert viereinhalb Jahre Gefängnis, die Verteidigung sofortige Freilassung. Das Urteil wird am Freitag gesprochen.

(kom)