Strafgericht BS

10. Mai 2019 18:56; Akt: 10.05.2019 18:56 Print

Stalker wird verurteilt und dreht vor Gericht durch

Ein 33-Jähriger wurde am Freitag verurteilt. Doch auch vor Gericht hatte er sich nicht unter Kontrolle.

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Das Basler Strafgericht verurteilte am Freitag, 10. Mai einen 33-jährigen Schweizer zu dreieinhalb Jahren Freiheitsentzug mit begleitender Psychotherapie. Der Mann, der laut eigenen Angaben im Alter von sechs Jahren das erste Mal klaute, wurde unter anderem wegen einfacher Körperverletzung, einfacher Brandstiftung und versuchter Erpressung schuldig gesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte im Vorfeld viereinhalb Jahre Freiheitsentzug gefordert, die Verteidigung einen Freispruch.

Während der Urteilsverkündung machte der Verurteilte immer wieder mit Zwischenrufen auf sich aufmerksam: «Unschuldig verurteilt wegen dieser Hunde!», rief er und zeigte auf anwesende Polizeibeamte, die ihn zum Gericht begleitet hatten. Er trieb es so weit, dass der Gerichtspräsident gar drohte, die Verkündung abzubrechen.

«Von meinem Herzen gesendet»

Der chronische Delinquent hatte im November 2017 juristische Hilfe bei einer Rheinfelder Anwaltskanzlei gesucht. Das Beratungsgespräch führte eine junge Juristin, in die sich der 33-Jährige laut der Staatsanwaltschaft verliebte. Nachdem er mehrmals versucht hatte, die Juristin per E-Mail und am Wohnort ihrer Eltern zu kontaktieren und ihr anonym eine Rose ins Büro geschickt hatte, liess sie ihm mitteilen, dass sie keinen Kontakt zu ihm wünsche.

Dennoch schrieb er ihr praktisch täglich E-Mails, in denen er ihr seine Liebe gestand. «Von meinem Herzen gesendet», schrieb er am 17. März 2018. Gleichentags folgte noch ein Heiratsantrag. Als sie nichts erwiderte, folgten wütende Mails, dann Entschuldigungen. Am 9. April wurde es ihr zu viel, sie stellte Strafantrag.

Am gleichen Tag tauchte er in der Anwaltskanzlei auf. Er forderte von der Mitarbeiterin des Empfangs die Rückzahlung eines Kostenvorschusses von 2600 Franken in bar. Alternativ würde er auch die Handynummer seiner Angebeteten als «Bezahlung» annehmen, soll er gesagt haben. Wenige Stunden später rief er in der Kanzlei an und bedrohte eine Mitarbeiterin. Infolgedessen wurde er verhaftet.

«Wie kann sie nur so kalt sein?»

Am 7. Mai wurde der 33-Jährige erneut verhaftet, nachdem er ein Kontakt- und Annäherungsverbot zur Familie der jungen Frau konsequent ignoriert hatte.

Auch in der Untersuchungshaft liess ihn die Juristin nicht los. «Andere Häftlinge haben mir Botschaften von ihr übermittelt, die ich für echt hielt. Erst als ich die Anklageschrift gelesen habe, habe ich verstanden, dass ich die Frau mit meinem Verhalten verängstigt habe», sagte er am Donnerstag vor Gericht. Trotzdem hielt er fest: «Ich habe so viel für sie gemacht. Ich dachte, dass sie die Anzeige zurückzieht. Wie kann sie nur so kalt sein?»

Aus Frust Zelle angezündet

Am 19. Oktober 2018 warf er nachts in seiner Zelle Zeitungen, ein Duvet und seine Boxershorts auf einen Haufen und zündete ihn an. Daraufhin mussten die Häftlinge evakuiert werden. Er selbst und ein Mithäftling landeten im Spital.

Die Verurteilung wegen Körperverletzung erfolgte, weil er im März 2018 einen Mann in den Rücken getreten hatte. Laut der Staatsanwaltschaft war es Rache dafür, dass ihn das Opfer angezeigt hatte.

«Noch viel zu lernen»

«Ihre Reaktionen zeigen, dass wir mit unserem Urteil richtig liegen und Sie noch viel zu lernen haben», schloss der Gerichtspräsident. Der Verurteilte muss zusätzlich zu seiner Freiheitsstrafe eine Busse sowie Genugtuung an verschiedene Opfer entrichten. Weiter werden ihm die Verfahrenskosten von 17’000 Franken sowie eine Urteilsgebühr von 7000 Franken belastet.

(kom)