Basel

24. Juli 2018 08:20; Akt: 25.07.2018 16:51 Print

Statt Lohn bekam sie vom Laden Hausverbot

Die erwerbslose gelernte Detailhandelsfachfrau U.N. arbeitete für eine Stelle zwei Tage in einem Laden Probe. Dann stellte man sie ohne Lohn vor die Tür und erteilte ihr Hausverbot.

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U.N. (53) arbeitete zwei Tage in einem Basler Kleiderladen. Statt bezahlt zu werden bekam sie dort Hausverbot, als sie ihren Lohn einforderte. (Bild: 20 Minuten/las)

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Sie hatte sich gefreut, eine Stelle gefunden zu haben. Die Detailhandelsfachfrau U.N.* (53) fing Anfang Juli zunächst probehalber als Verkäuferin in einem Basler Kleiderladen an. «Sie waren nach dem ersten Tag sehr zufrieden mit mir», erinnert sie sich. Da ahnte sie noch nicht, dass der nächste Tag der letzte dieses Arbeitsverhältnisses sein würde.

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«Zuerst sagten sie mir, es würde noch jemand anders auf Probe kommen. Dann hiess es, sie würden anrufen. Schliesslich bekam ich eine Absage per SMS», so N. enttäuscht. Als sie die Geschäftsführerin persönlich zur Rede stellen wollte, habe diese die Polizei gerufen. Polizeisprecher Toprak Yerguz bestätigt den Einsatz auf Anfrage.

Einige Tage später bekam N. einen eingeschriebenen Brief, mit dem sie über ein Hausverbot informiert wurde. Noch heute kann sie es nicht fassen, wie mit ihr umgesprungen wurde: «Ich ging davon aus, dass ein Arbeitsverhältnis zustande kommt. Ich gehe doch nicht gratis arbeiten», sagt N. empört. Sie kündete an, sich an die Schlichtungsstelle zu wenden.

Kein Einzelfall

Auch M.R.* (62) widerfuhr dasselbe. Die Verkäuferin wurde nach eigenen Angaben vom RAV an einen Schuhladen in Basel vermittelt. «Wenn man nicht geht, werden einem die Leistungen gekürzt», sagt sie. Doch auch sie erlebte Unerhörtes: «Statt zu verkaufen musste ich den Laden putzen und Kisten stapeln. Sie haben einfach eine Dumme gesucht», so R. Auch sie bekam nach ihrem Probetag eine Absage und sah keinen Rappen.

«Es kommt alle zwei bis drei Monate eine Person mit diesem Problem zu uns», sagt Michael Mauerhofer von der Geschäftsführung des Amts für Wirtschaft und Arbeit (AWA). Seine Stelle könne aber nur Auskunft über Betroffene geben, die sich dort rechtlich beraten liessen. «Über die Dunkelziffer können wir keine Angaben machen», sagt er.

Laut Mauerhofer ist die Rechtslage klar: «Ab Arbeitsantritt ist Lohn geschuldet. Das ist so im Obligationenrecht verankert.» Deshalb verweise das AWA die Personen an das Zivilgericht, wo sie ihre Forderungen geltend machen können.

Vorsicht: Schnuppern oder Arbeiten

«Man muss zwischen Schnuppern und Probearbeit unterscheiden», erklärt Leena Schmitter von der Gewerkschaft Unia. Beim Schnuppern sei man vor Ort und sehe den Betrieb an, arbeite aber nicht. Dies sei oft unentgeltlich. Bei Probearbeit werde aber eine Arbeitsleistung erbracht. «Diese muss orts- und branchenüblich entlöhnt werden», sagt sie.

Arbeitnehmern rät Schmitter, den Lohn auch bei Probearbeit bereits im Voraus zu klären. Denn laut Gesetz bedürfe ein Arbeitsvertrag keiner besonderen Form und sei deshalb auch mündlich rechtskräftig. So könnten Unklarheiten bereits im Vorfeld ausgeräumt werden.

Laden bestreitet Vorwürfe

Die Ladeninhaberin bestreitet, dass N. eine Arbeitsleistung vollbracht hat. Man habe sie lediglich zum Schnuppern eingeladen. Die Polizei sei gerufen worden, weil sich N. im Laden ungebührlich verhalten habe.

*Namen der Redaktion bekannt.

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(las)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Iniesta am 24.07.2018 08:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Welcher Laden?

    Ich würde gerne wissen, um welchen Kleiderladen es sich handelt.

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  • A. Kuster am 24.07.2018 08:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Super ! Jeden 3 Tag eine neue Mitarbeiterin zur Probe. So kann man eine Stelle kostenlos besetzen. Gutes Geschäftsmodel. ( Ironie off )

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  • Badener am 24.07.2018 08:25 Report Diesen Beitrag melden

    Machtspielchen

    "Deshalb verweise das AWA die Personen an das Zivilgericht, wo sie ihre Forderungen geltend machen können." - Genau, wenn man die Erwerbslosen zwingen kann etwas zu tun wird das getan, wenn sie jedoch Unterstützung bräuchten sollen sie sich doch gefälligst selbst darum kümmern...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ex-Arbeitnehmerin am 24.07.2018 19:30 Report Diesen Beitrag melden

    Gibt's das immer noch? Ja keine Naivität

    Es gibt resp. es gab nicht nur Kleiderläden die sich auf die billige Tour Arbeitskräfte "suchen." Vor Jahren bewarb ich mich bei einem Studio für Gehörtherapie. Da wollte man mir kalt lächelnd, als Alleinerziehende 1000.-- brutto! "offerieren!" Dass eine solche Stelle für mich nicht in Frage kam lag wohl klar auf der Hand! Ganz junge, unerfahrene Leute fallen offenbar immer noch auf solche Missbräuche herein.

  • Barbara am 24.07.2018 19:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig

    Es gibt nur eine Möglichkeit, diesen Mist abschaffen! Schnupper- und Probetage sind genauso überflüssig wie die sogenannten Motivationsschreiben unnötige Schikane und man fragt sich ob Lebenslauf und Arbeitszeugnisse überhaupt noch gewichten. Offenbar nicht.......

  • A.D. am 24.07.2018 19:21 Report Diesen Beitrag melden

    Nie wieder

    Genau das ist meinem Schwiegersohn in Zug auch passiert. Er durfte Probearbeiten um zu sehen, ob er sich als Hörakustiker eignen würde. Nach 1 Woche arbeiten (selbständig Waren verkaufen) wurde ihm mitgeteilt, dass sie jemand anderen bevorzugen. Entschädigung: 0 Fr. Reine Abzocke

  • PROLLTRASH am 24.07.2018 19:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    simpel

    ich hätts durchgezogen und einsatz gezeigt. wenn ich dann bewiesen habe dass ich das nicht so interessante zeug auch anpacke und durchziehe klappts in der regel ohne probleme. wenn man schon bei sowas den bettel hinwirft bekommt man die stelle natürlich nicht. nicht spannende und schnöde sachen muss man in jedem beruf tätigen. merkt euch das!

  • Bea am 24.07.2018 19:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm

    Sag ja schon lange, in der Schweiz müssen endlich die Arbeitgeber in die Schranken gewiesen werden. Dann hätten wir auch das traurige Dilemma mit ü 45 nicht.Geht nicht mehr lange trifft es diese Pseudochefs auch, denn auch die werden nicht jünger. Viel Glück den Arbeitsuchenden