Basel

05. November 2019 04:49; Akt: 05.11.2019 04:49 Print

«Viele überleben den Sprung schwer verletzt»

Ein Grossrat fordert die schnellstmögliche Sicherung der Basler Pfalz. Jedes Jahr versuchen Leute hier, sich mit einem Sprung in die Tiefe das Leben zu nehmen.

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Fünf bis sechs Personen springen Jahr für Jahr von der Pfalz beim Basler Münster die 18 Meter in die Tiefe, um ihr Leben zu beenden. Doch nicht für alle endet der Sprung mit dem Tod, weiss der Basler Arzt und LDP-Grossrat Felix Eymann. «Zum grössten Teil überleben diese Leute mit Querschnittslähmungen oder anderen Verletzungen, welche zu einer lebenslangen Behinderung führen», schreibt er in einer Interpellation.

Der LDP-Mann fordert die Politik auf, aktiv zu werden. Konkret macht er sich dafür stark, dass die Pfalz mit «Sicherheitseinrichtungen» versehen wird und zwar «zeitnah». Jeder Tote sei einer zu viel. Zudem gelte es auch die Personen, die sich unter der Pfalz aufhalten, zu schützen.

Forderungen wurden bereits gestellt

Die Thematik und Forderungen sind keineswegs neu. Nachdem 2009 vier Personen ihr Leben mit einem Sturz von der Pfalz beenden wollten, waren Massnahmen im Gespräch. Die Behörden seien dann jedoch zum Schluss gekommen, dass man nicht jede Stelle in der Stadt, an der ein Suizid theoretisch möglich wäre, mit baulichen Massnahmen absichern könne, so die «bz basel».

Passiert ist in den letzten zehn Jahren nichts. Bis heute ist der geschichtsträchtige, touristische Ort ungeschützt: Das Geländer vor der viel besuchten Brüstung, von der man auf den Rhein schauen kann, ist gefährlich nieder.

Möglichkeiten für Suizid-Präventionen gebe es eine Handvoll. Beispielsweise Sicherheitsnetze oder Nottelefone, wie sie teils auf Brücken zur Verfügung stehen.

«Nach Behandlung bereuen Betroffene Suizidversuch»

Eymann ist sich sicher: «Nach einer psychiatrischen Betreuung bereuen viele Betroffene später, was sie getan haben. Seine Interpellation hat den Stein ins rollen gebracht: Das Bau- und Verkehrsdepartement will nun handeln.

Vor den Sommerferien wurde eine externe Expertenanalyse in Auftrag gegeben, beantwortete der Regierungsrat Eymanns Interpellation Anfang November. Diese habe zum Ziel,
eine Übersicht möglicher Massnahmen zu erstellen, die Sprünge in die Tiefe von der Pfalz «be- oder verhindern». «Bei der Evaluation allfälliger Massnahmen werden insbesondere auch historische und touristische sowie denkmalpflegerische Aspekte berücksichtigt.» Ziel sei es 2020 die erforderlichen Schritte einzuleiten, um die Situation an der Pfalzmauer zu entschärfen.

Eymann äusserst sich gegenüber 20 Minuten erstmals zu den Antworten der Regierung. Er sei erfreut, dass etwas gehe, wundere sich jedoch, dass das Ganze so viel Zeit in Anspruch nehme, sagt er.

(jd)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • tt am 05.11.2019 05:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kranke welt

    Es ist eine wunderbare Aussicht da oben, nun soll sie vermutlich vergittert werden. Schade, den die, die ihr Leben beenden wollen tun es, danach irgendwo anders.

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  • Dryg am 05.11.2019 07:00 Report Diesen Beitrag melden

    eigentliches Problem

    Das nennt sich Symptombekämpfung.

  • C.H. am 05.11.2019 07:13 Report Diesen Beitrag melden

    Wirklich nötig?

    Ausnahmsweise haben die Behörden recht, wenn sie sagen, man kann nicht jede Stelle sichern. Es gibt auch sowas wie Eigenverantwortung.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Weber Thomas am 05.11.2019 17:39 Report Diesen Beitrag melden

    Nützt doch nichts

    Und Ihr glaubt ja nicht wirklich das sich mit solchen Massnahmen ein Suizid verhindern lässt oder? Das Problem hat sich ja nur verschoben, wenn sich jemand das Leben nehmen will geht er halt wo anders hin. Zug, Autobahn, Berg. Oder Hochhaus

  • Bebbi1 am 05.11.2019 16:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Am Ziel vorbei

    Völlig am Ziel vorbei. Ich empfinde das als Symtom- und nicht als Ursachenbehandlung. Nicht die Sicherung der Pfalz ist das Problem! Eher der Umgang unter der Menschen. Wenn es dem eigenen Vorteil dient, handeln alle sozial. Oder. Dem Gesunden fehlt viel, dem Kranken nur eins.

  • Swen Goldpreis am 05.11.2019 15:08 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte keine Netze

    Jeder Tote ist einer zuviel. Das ist richtig. Aber ob nun jemand von der Pfalz springt oder sich vor einen Zug wirft, spielt nun wirklich keine Rolle. Besser wäre es, Strukturen zu schaffen, die jemanden gar nicht erst in den Selbstmord treiben. Jahrelang war ich stolz darauf, dass es in Basel nicht so hässlich ausschaut wie zum Beispiel in Bern.

  • Depressiver Mensch am 05.11.2019 15:01 Report Diesen Beitrag melden

    Den Leuten helfen wäre besser

    Ich kann die Leute gut verstehen die Selbstmord begehen. Nach einem Militärschaden hatte ich eine körperliche Behinderung, musste eine Umschulung machen. Durch diese bekam ich noch eine Depression. Die IV, MV, usw. wollen nicht helfen, schikanieren einem noch oder besser wollen nicht zahlen, man wird an die Sozialhilfe abgeschoben. Dann kommen noch Ärzte dazu, die über die Patienten bestimmen wollen, obwohl sie dies nicht dürfen. Diese machen dann noch mehr kaputt als eh schon kaputt ist und dann wollen sie ja nie Schuld sein daran. Und man wird zum Teil noch als Simulant abgestempelt.

  • Petruschka am 05.11.2019 14:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wozu?

    In Bern haben sie nicht nur die Münsterplattform gesichert, auch die Brücken. Bei der Schiffenenstauseemauer wird ein hohes Geländer montiert. Das Seeelsorgetelefon allein reicht anscheinend nicht. Es gibt aber kaum oder nicht gesicherte Bahngeleise, Auto(bahn)viadukte und andere Möglichkeiten sich umzubringen. Wer es will, findet einen Weg.