Vergewaltigung in Basel

12. Februar 2020 19:08; Akt: 12.02.2020 19:23 Print

Mutmasslicher Täter (31) will sich der Polizei stellen

Die Vergewaltigung an der Elsässerstrasse am 1. Februar sollen zwei Portugiesen im Alter von 31 und 17 Jahren begangen haben. Der Ältere will sich der Polizei stellen.

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Am 1. Februar vergewaltigten zwei Männer im Morgengrauen in der Elässerstrasse eine Frau – praktisch auf offener Strasse. Die Täter hatten das Opfer zuvor im Tram angesprochen und waren mit ihr am Voltaplatz ausgestiegen.

Bei den Tätern soll es sich gemäss Zeugenaufruf der Basler Staatsanwaltschaft um Portugiesen handeln. Zwei Tage nach der Tat meldete eine Person aus dem Umfeld der Familie die Tatverdächtigen bei der Polizei. Da waren sie aber bereits unterwegs nach Portugal.

Bei den mutmasslichen Tätern handelt es sich um zwei Männer im Alter von 31 und 17 Jahren. Die beiden sind nicht miteinander verwandt, aber befreundet und stammen aus Paços de Ferreira in Portugal. Während der jüngere offenbar von seinen Eltern beschützt wird, hat der 31-Jährige die Absicht geäussert, sich der Polizei in der Schweiz zu stellen, wie 20 Minuten von zwei voneinander unabhängigen Quellen erfahren hat. Auch eine Anwältin sei bereits organisiert worden.

Bis jetzt hat der geschiedene Familienvater dieses Versprechen aber noch nicht in die Tat umgesetzt. Die mutmassliche Täterschaft sei noch nicht in Gewahrsam genommen worden, hiess es bei der Staatsanwaltschaft. Eine Festnahme würde die Strafverfolgungsbehörde zudem aktiv kommunizieren.

Wird mit internationalem Haftbefehl zugewartet?

Sollte sich der mutmassliche Täter bei der Behörde gemeldet haben, ist es nicht ausgeschlossen, dass es bereits zu einem Deal zwischen der Staatsanwaltschaft und ihm kam. «In solchen Fällen kann man den Tatverdächtigen eine Frist setzen», sagt der ehemalige Basler Kriminalkommissär Markus Melzl. «Dann wartet man mit der Ausstellung eines internationalen Haftbefehls.» Der mutmassliche Täter könne dann unbehelligt einreisen und werde festgenommen, sobald er bei der Polizei vorstellig werde.

Ob ein solcher ausgestellt wurde, ist nicht bekannt. Die Basler Staatsanwaltschaft machte dazu auf Anfrage keine Angaben. Unklar ist auch, ob bei den portugiesischen Behörden ein Rechtshilfegesuch eingegangen ist. Eine Anfrage von 20 Minuten ist bei der zuständigen Stelle seit über einer Woche hängig.

Ein internationaler Haftbefehl kann aber nicht einfach so erlassen werden: «Es braucht dazu schon ein wenig Fleisch am Knochen», sagt Melzl. Wie viel belastendes Material die Basler Ermittler haben, ist allerdings ihr Geheimnis. Ausser ihnen weiss niemand, was auf den Aufzeichnungen der Überwachungkameras des Trams und eines indischen Quartierladens nahe des Tatorts zu sehen ist. Unklar ist auch, wie belastend die Aussagen des Opfers sind.

Keine Auslieferung aus Portugal

20 Minuten weiss, dass der tatverdächtige Portugiese, der zuletzt in Saint-Louis (F) lebte, den Vergewaltigungsvorwurf gegenüber Personen aus seinem Umfeld bestritten hat.

Klar ist: Portugal würde die Tatverdächtigen nicht ausliefern, sondern das Strafverfahren im Rahmen einer Strafübernahme selbst führen. Das heisst, der Beschuligte würde im Falle einer Verurteilung seine Strafe auch in Portugal verbüssen. Zur Auslieferung in die Schweiz käme es erst, wenn der mutmassliche Täter ausserhalb seines Heimatlandes, etwa in Spanien oder Frankreich, verhaftet würde.

(lha)