«Überfall» in Dornach

18. Juni 2015 05:55; Akt: 18.06.2015 09:41 Print

Taxifahrer schoss sich selber in die Brust

von Matthias Kempf - Nach einem vermeintlichen Überfall hatte ein Taxifahrer in Dornach ein Notsignal abgesetzt. Nun stellte sich heraus, dass er sich selber anschoss.

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Der rätselhafte Überfall auf einen Taxifahrer im März nimmt eine tragische Wendung. Der Fahrer hatte sich selber angeschossen. (Bild: mak)

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Ein Taxifahrer hatte am 17. März um 5.15 Uhr ein Notfallsignal gesendet. Die Einsatzkräfte fanden abseits der Gempenstrasse in Dornach ein Minicab-Taxi mit einem schwer verletzten Fahrer. Alles deutete auf einen gewaltsamen Überfall hin. Doch nun ist klar – der Fahrer hatte sich die Verletzung selber zugefügt. Der Staatsanwaltschaft Solothurn liegen keine Hinweise auf eine Dritteinwirkung vor.

Ein Anwohner berichtete damals, dass das Taxi nach einer Kurve beim Dorfausgang Dornach rund 20 Meter in eine Wiese gefahren sei, was auch die Reifenspuren bestätigten. Hatte sich der Fahrer womöglich während der Fahrt selber angeschossen?

Fahrer will wieder Taxi fahren

Die Staatsanwaltschaft Solothurn wollte zum Tathergang keine detaillierteren Angaben machen. Fest steht, dass der türkische Fahrer grosses Glück hatte. Kurt Schaufelberger von der Taxizentrale in Basel bestätigt: «Der Schuss verfehlte das Herz nur knapp, durchbohrte aber die Lunge.» Nach dem Spitalaufenthalt wurde der Familienvater laut Schaufelberger in psychiatrische Obhut übergeben. Im Moment sei er in der Türkei bei seiner Frau und seinen Kindern.

Schaufelberger ist bestürzt über die Nachricht. Er war von einem bewaffneten Überfall auf einen seiner Angestellten ausgegangen, der keine Anzeichen von Verzweiflung gezeigt habe. «Ich habe ihn in die Reha nach Thun gefahren. Er ist ein feiner Kerl. In den fünfeinhalb Jahren, in denen er bei uns arbeitet, hatten wir nie Probleme oder Reklamationen wegen ihm.»

Der Fahrer möchte unbedingt wieder hinters Taxi-Lenkrad. «Er ist ein Kämpfer», sagt Schaufelberger. Der Umstand, dass der Mann sich die Verletzung selbst zugefügt hat, ändert nichts an Schaufelbergers Einstellung: «Wenn er wieder fit ist, kann er auch wieder fahren. Er verliert nicht seinen Job deswegen.»

Tatauto wieder im Einsatz

Der Zwischenfall hatte im März ein Grossaufgebot der Blaulicht-Organisationen ausgelöst. Die Gempenstrasse von Dornach auf den Gempen blieb während mehreren Stunden gesperrt.

Wieder auf den Strassen ist mittlerweile das Minicab-Taxi, in dem sich der Mann anschoss. Zwei Wochen war dieses bei der Spurensicherung, bis es die Taxizentrale zurückerhielt. Bis jetzt habe keiner seiner Angestellten Bedenken geäussert, mit dem «Unfall-Cab» zu arbeiten, sagt Schaufelberger.