Auflagen für Katzenpapi

13. November 2019 04:49; Akt: 13.11.2019 04:49 Print

«Darf Katzen nur noch 30 Minuten am Tag füttern»

Sascha von Sawilski musste sich um seine Futterstelle für verwilderte Katzen sorgen. Statt eines Verbots macht das Tiefbaumant dem Katzenpapi jetzt Auflagen.

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Über 10'000 Menschen haben eine Petition unterzeichnet, die sich für die Futter- und Schlafstelle für Strassenkatzen von Sascha von Sawilski einsetzt. Die Basler Behörden verfügten im September, dass der mittlerweile stadtbekannte Katzenpapi seine Futterstelle räumen muss. Das Veterinäramt fürchtete ein weiteres Ansteigen der Streunerpopulation und dass die Futterstelle andere Schädlinge wie Ratten oder Krähen anlocken würde.

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Von Sawilski war mit dieser Einschätzung gar nicht einverstanden. Mit der Schützenhilfe der Schweizerischne Hunde- und Katzenrettung, die die Online-Petition lancierte, hat der Katzenpapi den Behördenentscheid nun gekippt.

Gleichzeitig wurde er aber mit für ihn schwierigen Auflagen belegt. «Seit dem Entscheid darf ich die Katzen nur noch während 20 bis 30 Minuten täglich füttern», sagt von Sawilski. Unter den Katzen gebe es Rangunterschiede. «Ich schaue aber dafür, dass auch die Schwächeren etwas zu essen kriegen», sagt er.

Krankheiten protokollieren

In der kurzen Zeit soll er gemäss Entscheid auch den Bestand und die Krankheiten der Tiere protokollieren. Er, der zu einigen der verwilderten Katzen eine Beziehung hat, brauche für derartige Beobachtungen aber schon zwei bis drei Stunden. «Ich bin doch kein Mitarbeiter von denen», sagt von Sawilski. Und: «Mit Befehlston kommt man bei mir aber nicht weit.» Sein Groll richtet sich gegen das Veterinäramt Basel-Stadt, das sich unweit der Futterstelle befindet.

Olivier Bieli von der Schweizerischen Hunde- und Katzenrettung (SHKR) tadelt ebenfalls die Argumentation der Kantonstierärzte: «Die Angst vor Seuchen oder dass andere Tiere wie Mäuse vom Katzenfutter angelockt werden, ist zweifelhaft», sagt Bieli. Ohne von Sawilskis Arbeit würden die Katzen von Krankheiten dahingerafft. Er halte die Tiere aber gesund und fit und verhindere so unnötige Leiden.

Von Sawilski sorgt täglich dafür, dass die Katzen richtiges Futter und sauberes Wasser erhalten. «Viele Menschen deponieren einfach ihre Essensreste und meinen sie tun den Katzen etwas Gutes», sagt er. Das verderbe ziemlich rasch. Er sammele es stets ein, um es zu entsorgen.«Schweinefleisch kann zum Beispiel gar tödlich sein für Katzen», fügt er an.

Veterinäramt will nicht Spielverderber sein

Das Veterinäramt ist nicht einverstanden mit der Rolle des Spielverderbers. «Für die Bewilligung ist das Tiefbauamt zuständig», so der Amtsleiter Michel Laszlo. Ausserdem sei sein Amt in diesem Fall nur beratend tätig gewesen. «Wir haben nicht Auflagen erlassen, sondern geben Vorschläge, wie die Fütterungen von Sascha von Sawilski hygienisch vonstatten gehen.»

Ferner habe das Veterinäramt nichts gegen die Futterabgabe von Herr von Sawilski. «Aber es muss sicher und kontrolliert sein.» Einzig damit nicht andere Wildtiere angelockt werden, dürfe von Sawilski das Katzenfutter nicht stehen lassen, so Laszlo.


Sascha van Sawilski liebt Katzen, darf die wilden Tiere aber nur noch 30 Minuten am Tag füttern. (Video: las)

(obr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • J. J. am 13.11.2019 07:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    katzenelend

    Und immer noch begreift die liebe Schweiz nicht, das bei uns ein riesen Katzenleid herrscht. Gäbe es eine Kastrations & Chip Pflicht, müsste der gute Herr nicht füttern, die Tierheime & Pflegeplätze wären nicht mehr so überfüllt & die Katzen müssten nicht mehr leiden. aber hey, Katzenleid in der Schweiz lässt sich mit verschlossenen Augen ja gut verdrängen...

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  • Alyeska95 am 13.11.2019 07:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Etwas zu "fit"

    Hoffentlich werden diese Katzen alle kastriert, damit die Population nicht noch weiter ansteigt...

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  • mindknocker am 13.11.2019 06:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weiter so!

    Bravo für soviel Eigeninitiative! Weiter so!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ann-Tina Talist am 13.11.2019 17:55 Report Diesen Beitrag melden

    Super, würde die Katzen auch füttern

    Wir sollten dafür sorgen, dass es weniger Wildwuchs unter den Menschen hier gibt. Katzenpopulationen regulieren sich von selbst. Menschenpopulationen wachsen nur. Völlig unnötig. Den Menschen jeweils dann ein Zäckli aus dem Ohr zu schneiden, damit man weiss, dass die jetzt harmlos sind, wäre auch gut umsetzbar.

  • Kori Kusa Katzenfutter am 13.11.2019 16:48 Report Diesen Beitrag melden

    Katzen und Schweinefleisch

    Nur zur Klarstellung, weil der Herr eben auch nicht sehr viel Ahnung von Katzenernährung hat. Es gibt die Aujeszky-Krankheit, welche über infiziertes Schweinefleisch übetragen wird und für Katzen tödlich ist, richtig! Nur hat es seit 30 Jahren keinen einzigen bekannten Todesfall in der Schweiz gegeben! Erhitzt man das Fleisch ist es so oder so unbedenklich. Aber solche Mythen halten sich hartnäckig ...

  • Karin am 13.11.2019 16:47 Report Diesen Beitrag melden

    Kastrationspflicht wäre das einzige richtige

    So lange es keine Kastrationspflicht gibt in der Schweiz oder auch in anderen Ländern hört das Elend nie auf mit den verwilderten Katzen :-(

  • Monica Kohler am 13.11.2019 16:05 Report Diesen Beitrag melden

    Gutes tun bedeutet oft behindert zu werden

    Da ist ein guter Mensch der viel für Dtreunerkatzen macht. Viele dieser Katzen waren einmal Haustiere bis sich ihre Halter nicht mehr um sie gekümmert haben. Sascha übernimmt die Verantwortung die eigentlich von anderen getragen werdrn sollte. Warum wird diesem Mann so viele Hindernisse hingestellt? Er tut Gutes und tut keinem etwas. Warum werden immer solchen Menschen behindert? Basler Behörden: Unterstützt ihn, es würde euch gut anstehen. M. Kohler

  • N.S. am 13.11.2019 15:10 Report Diesen Beitrag melden

    Empathie

    Ich hoffe, dass endlich eine Kastrationspflicht gesetzlich eingeführt wird (und ja auch für die Katzen der ach so tierliebenden Bauern!!) denn viele sind ja der Ansicht, dass das Streunerproblem nur im Ausland vorkommt. Dazu wäre ich auch für eine Chippflicht und Registrierung wie es schon bei den Hunden gesetzlich vorgeschrieben ist. Auch damit würde sich so manches Leid verringern lassen. Einem Menschen, der sich um diese Tiere kümmert, Steine und Auflagen in den Weg zu legen zeugt nur einmal mehr von der Gleichgültigkeit und Empathielosigkeit gewisser Gruppen der Spezies Mensch.