Basel

04. Januar 2020 19:00; Akt: 04.01.2020 19:00 Print

Horror-Vater soll einen Landesverweis kassieren

Nachdem ihm und seiner Frau die Tochter entzogen wurde, terrorisierte ein 33-jähriger Kurde Basler Ämter und die Pflegefamilie. Jetzt soll er ausgeschafft werden.

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Ein 33-jähriger türkischer Staatsangehöriger soll die Behörden terrorisiert haben, nachdem ihm die Obhut über seine Tochter entzogen wurde. Am 20. Januar muss er sich deswegen vor dem Basler Strafgericht verantworten. Dabei muss man wissen: Die Frau des Beschuldigten war bereits verbeiständet. Vier Tage nachdem die gemeinsame Tochter am 25. Januar 2019 zur Welt kam, wurde ihr bereits das Aufenthaltsbestimmungsrecht über das Kind entzogen. Die Gründe dafür gehen nicht aus der Anklageschrift hervor, für die Kindesschutzbehörde war aber offensichtlich klar, dass die Mutter nicht in der Lage sein würde, für ihre Tochter zu sorgen und bestellte ab Geburt eine Beiständin. Am 13. August musste die Polizei wegen dem aggressiven Vater zum Kinder- und Jugenddiensta ausrücken, wo er Angestellte anbrüllte und bedrohte. Nur Tage zuvor kletterte er trotz Hausverbot auf das Grundstück der Pflegefamilie seiner Tochter. Auch hier wurde die Polizei gerufen. Seiner Frau, die bei ihrem Beistand die Scheidung vom gewalttätigen Ehemann einleiten wollte, passte er beim Amt für Beistandschaften ab und drohte ihr und ihrem Bruder mit dem Tod. Eine geplante Anhörung bei der Kesb am 21. August eskalierte dann vollends. Insgesamt acht Polizisten waren am Ende aufgeboten worden, um den aggressiven Mann zu bändigen und festzunehmen. Seither befindet sich der renitente Kurde im Untersuchungsgefängnis Waaghof. Ein zweites Verfahren gegen den Mann läuft auch wegen Delikten zum Nachteil seiner Ehefrau. Die Staatsanwaltschaft beantragt eine unbedingt auszusprechende Haftstrafe über elfeinhalb Monate und einen dreijährigen Landesverweis. «Das öffentliche Interesse überwiegt gegenüber den privaten Interessen des Beschuldigten am Verbleib in der Schweiz», argumentiert die Staatsanwaltschaft. Die Beziehung zu seiner Frau sei problembehaftet, ebenso diejenige zu seinem Kind.

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«Die Beziehung zu seiner Frau ist problembehaftet, ebenso diejenige zu seinem Kind. Zu diesem hat er derzeit gar keinen Kontakt. Das öffentliche Interesse überwiegt gegenüber den privaten Interessen des Beschuldigten am Verbleib in der Schweiz.» Damit schliesst die Anklageschrift der Basler Staatsanwaltschaft gegen den 33-jährigen Kurden.

Der Mann muss sich Mitte Januar vor dem Basler Strafgericht wegen Drohung, Gewalt gegen Behörden und Beamte, Hausfriedensbruch und weitere Tatbestände verantworten. Der Beschuldigte terrorisierte das Basler Amt für Beistandschaften und Erwachsenenschutz (Abes) sowie die Basler Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb), nachdem ihm und seiner Frau die Obhut über die gemeinsame Tochter entzogen wurde.

Dabei muss man wissen: Die Frau des Beschuldigten war bereits verbeiständet, als er sie kennenlernte und im September 2018 heiratete. Vier Tage nachdem die gemeinsame Tochter am 25. Januar zur Welt kam, wurde ihr bereits das Aufenthaltsbestimmungsrecht über das Kind entzogen. Die Gründe dafür gehen nicht aus der Anklageschrift hervor, für die Kindesschutzbehörde war aber offensichtlich klar, dass die Mutter nicht in der Lage sein würde, für ihre Tochter zu sorgen und bestellte ab Geburt eine Beiständin.

Pflegefamilie und Ämter terrorisiert

Der Ehemann, der erst 2016 in die Schweiz kam und hier ein Asylgesuch stellte, war offenbar gewalttätig. Ein Verfahren wegen Delikte zum Nachteil seiner Frau wird separat geführt. Sie wollte im April 2019 die Scheidung einleiten und suchte deshalb ihren Beistand auf. Ab diesem Zeitpunkt begann ihr noch Gatte seinen Feldzug gegen die Behörden. Die Anklage der Staatsanwaltschaft zeichnet das Bild eines aggressiven Mannes, dem jegliche Impulskontrolle abgeht.

Nachdem die Tochter in einer Pflegefamilie platziert wurde, begann er dieser nachzustellen, bis ein Haus- und Kontaktverbot erfolgte. Davon unbeeindruckt stieg er am 6. August 2019 über das Gartenzauntor auf deren Grundstück in Reinach, polterte gegen die Türe und verlangte die Herausgabe seiner Tochter. Als eine Nachbarin auf das Geschehen aufmerksam wurde, flüchtete er, ehe die ebenfalls alarmierte Polizei eintraf. Die Tochter wurde danach umplatziert.

Am 13. August musste die Polizei wegen dem aggressiven Vater wieder ausrücken. Diesmal zum Kinder- und Jugenddienst. Dort verlangte er nach der Beiständin seiner Tochter. Er beleidigte alle Behörden und beschuldigte sie, ihn ungerecht zu behandeln. Ein Gesprächsangebot quittierte er aber sehr deutlich: «Ich stecke es euch in eure Fotze. Ich seid alle ehrenlos», soll er gesagt haben. Die Polizei konnte ihn schliesslich beruhigen.

Anhörung bei Kesb unter Polizeischutz

Eine geplante Anhörung bei der Kesb am 21. August eskalierte dann vollends. Dabei war man dort schon auf die fehlende Impulskontrolle des Klienten vorbereitet und hatte neben einem Sicherheitsdienst-Mitarbeiter vier uniformierte Polizisten aufgeboten. Das hielt ihn aber nicht davon ab, alle anwesenden Personen zu beschimpfen. Er werde morgen wiederkommen, dann könne die Polizei die Mitarbeitenden nicht mehr beschützen und dann werde er das Gebäude mit Benzin in Brand setzen, soll er gedroht haben.

Die Polizei forderte weitere Verstärkung an, weil das Aggressionspotential des Beschuldigten so hoch war. Als ihm dann, wenig überraschend, eröffnet wurde, dass er sein Kind auch weiterhin nicht sehen dürfe, sprang er auf und versuchte eine Kesb-Mitarbeiterin anzugreifen. Die Polizei konnte ihn gerade noch zurückhalten und nahm ihn dann unter heftiger Gegenwehr fest.

Notorisch delinquent

Die Staatsanwaltschaft beantragt eine unbedingt auszusprechende Haftstrafe über elfeinhalb Monate und einen dreijährigen Landesverweis. Der Beschuldigte habe innert kurzer Zeit verschiedene Delikte begangen und auch hängige Strafverfahren konnten ihn nicht davon abhalten, weiter zu delinquieren. «Ihm kann daher kein gute Prognose gestellt werden», hält die fallführende Staatsanwältin fest. Der Beschuldigte befindet sich seit dem 21. August in Untersuchungshaft.

(lha)