Menschenhandel

02. Februar 2016 17:33; Akt: 02.02.2016 17:33 Print

Thai-Prostituierte von Landsleuten ausgebeutet

Thailändische Prostituierte wurden von Landsleuten in die Schweiz geschleust und ausgebeutet. In Basel-Stadt und Solothurn kam es zu zehn Festnahmen wegen Menschenhandel.

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Thailändische Prostiuierte (hier in Bangkok) wurden von Landsleuten in die Schweiz geschleust, wo sie ausgebeutet wurden. (Symbolbild AFP/ Stephen Shaver)

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In einer koordinierten Aktion haben die Strafverfolgungsbehörden der Kantone Solothurn und Basel-Stadt insgesamt zehn Personen verhaftet, die thailändische Prostituierte ausgebeutet haben sollen. Gegen 19 Personen wurde allein in Solothurn ein Verfahren wegen Prostitution, Menschenhandels und Widerhandlung gegen das Betäubungmittelgesetz eröffnet.

Ausbeutung von Landsleuten hat System

Bei den Verhafteten in beiden Kantonen handelt es sich zum grossen Teil um Thailänderinnen und Thailänder. Die verhafteten Schweizerinnen in Basel haben ebenfalls Wurzeln in Thailand. Sie hatten ihre Opfer dort angeworben, damit diese in der Schweiz als Prostituierte arbeiten können. «Es kommt im Menschenhandel häufig vor, dass Frauen eine wichtige Funktion einnehmen. Das könnte auch mit dem Vertrauen zu tun haben. Es ist etwas anderes, von einer Frau angeworben zu werden», sagt Peter Gill, Sprecher der Basler Staatsanwaltschaft.

Diese Beobachtung machen auch Szenekenner. Der Zürcher Milieu-Anwalt Valentin Landmann sagt, das Phänomen treffe vor allem Landsleute aus Ländern, die in der Schweiz keine Arbeitsbewilligung erhalten würden. Oft hätten sie schon im Herkunftsland im Sexgewerbe gearbeitet. Als Drittstaatsangehörige haben Thais in der Schweiz kaum eine Chance, an eine solche zu gelangen, wenn sie nicht als hochqualifiziert gelten. «Sie können hier nur illegal arbeiten», sagt auch Susanne Seytter von der Beratungstelle für Frauenhandel FIZ.

Niemand weiss, wie viele Opfer es gibt

In den kantonalen Prostitutions-Statistiken tauchen Thais denn auch gar nicht auf. Niemand weiss, wie viele in diesem Gewerbe illegal tätig sind. Bei der FIZ werden pro Jahr bis zu 40 Fälle mit thailändischen Opfern behandelt. «Das sind aber nur die identifizierten Opfer», sagt Seytter. Sie stellt fest: «Überall dort, wo die Strafverfolgungsbehörden ihre Aktivitäten gegen Menschenhandel verstärken, steigen die Fallzahlen.»

Die Ausbeutung von thailändischen Frauen in der Sexarbeit findet vor allem im Verborgenen statt. Ein prominenter Fall, der 2012 in Bern vor Gericht kam, dokumentierte, wie die Opfer praktisch eingesperrt lebten. «Sie sollen möglichst wenig nach draussen», erklärt Seytter. Damit soll vermieden werden, dass sie in Kontrollen geraten. Im Wissen um ihren illegalen Status fühlen sich die Opfer oft ausgeliefert. Das nützen die Menschenhändler aus, die sie in die Schweiz brachten. Für Reise und Unterkunft werden überrissene Beträge geltend gemacht, die die Frauen dann abarbeiten müssen. «Oftmals sieben Tage pro Woche unter ausbeuterischen Bedingungen», so Seytter.

Funktionierende Netzwerke

Die auf mehrere Kantone verteilte Aktion der Staatsanwaltschaften lässt auf weit verzweigte Netzwerke schliessen. Valentin Landmann schliesst eine eigentliche Thai-Mafia zwar aus, sagt aber: «Es kann sein, dass es Frauen gibt, die schweizweit tätig sind.» Auch Seytter berichtet von gut funktionierenden Netzwerken.

(lha/miw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Farang am 02.02.2016 18:05 Report Diesen Beitrag melden

    Wie kommen diese Frauen in die Schweiz?

    Ich frage mich wie diese Frauen in die Schweiz kommen? Ich muss jedes Mal x Papiere (Einladungschreiben, Verpflichtungserklärung, Bankkontonachweise, bestätigte Flugtickets usw.) einreichen, damit meine Verlobte ein Schengen Visa für drei Monate erhält. Kann die Mafia Visa`s kaufen? Hab mir schon überlegt sie via Balkanroute mit dem Flüchtlingsstrom einreisen zu lassen, sie könnte dann länger als drei Monate bleiben und für Essen und Getränke wäre auch gesorgt :-)

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  • Kräuter Schnaps am 02.02.2016 18:07 Report Diesen Beitrag melden

    Schlimme Situation

    Und was denkt Ihr? Ausweisung der Menschenhändler.. Wahrscheinlich nicht weil sie irgendwelche Kinder oder Frauen/Männer haben die einen Schweizer Pass besitzen. Meines Erachtens raus mit solchen Sklavenhalter aber Schutz für die Opfer. Ich denke die Realität wird sich umgekehrt verhalten. Schutz der Straftäter und Ausweisung der Opfer. Mal schauen was rauskommt; schliesslich wissen es unsere Richter besser als wir einfachen Bürger.

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  • Heidi am 02.02.2016 18:30 Report Diesen Beitrag melden

    Würde der Frau

    Ein Blick auf die boomende Sexindustrie und es wird klar: Die Würde der Frau wird mit Füssen getreten. Frauenhandel, Zwangsprostitution, der gesamte Rotlicht Branchenerlös wird vom Bundesamt für Polizei auf jährlich 3,2 Milliarden Franken geschätzt. Gäbe es keine Nachfrage - gäbe es auch kein Angebot.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martin Meister am 03.02.2016 09:31 Report Diesen Beitrag melden

    hier gehts plötzlich

    Interesssant, hier machen Staat und Polizei was. Ebenso mit den L-Bewilligungen für Cabaret-Tänzerinnen. Auf der anderen Seite lassen wir aber tausende von illegalen Migranten unbehelligt in unser Land...

  • ttog am 03.02.2016 07:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Härteklausel

    wie viele werden mit Härteklausel weil ihre Kinder auch hier sind nicht Ausgewiesen?

  • Von der Heide am 03.02.2016 06:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Thais Zurich

    Restaurants und Foodshops, der Mann arbeitet im shop, die Frauen im Sexgewerbe, das bringt enorm Geld.

    • Eveline am 03.02.2016 07:50 Report Diesen Beitrag melden

      Bitte nicht immer alles in denselben Top

      @Von der Heide wie willst gerade du das wissen. Das Wort Thai und alle werden in den gleichen Topf geschmissen. Bedenke, es gibt auch viele Schweizerinnen die zu Hause in ihrer ganz normalen Wohnung und Wohngegend noch so einiges dazu verdienen. Was sagst du denn zu denen.

    • sägun am 03.02.2016 08:48 Report Diesen Beitrag melden

      @eveline

      Wer sich ein wenig auskennt, der weiss wie es funktioniert! Es läuft jetzt halt so, da bringt auch die Leier mit "alle im gleichen Topf" nichts!!

    • vom Hinterdorf am 03.02.2016 09:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Von der Heide

      keiner ist wie du, rede nicht vom Essen

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  • Reto Derungs am 03.02.2016 01:10 Report Diesen Beitrag melden

    Aus langjähriger Erfahrung:

    Der Schweizer Junkie erhält für eine in Thailand ausgestellte und anschliessend in der Schweiz registrierte Heiratsurkunde einen zweistelligen Tausender. Die thailändische Ehefrau verliert er nach der Einreise rasch aus den Augen, wenn er sie überhaupt einmal gesehen hat. Die Thai hat das Einreisevisum gestützt auf die Abklärung einer Thai-Firma erhalten, an welche die Visa-Abteilung des EDA die Befragungen ausgelagert hat. Jeder möge sich den Rest denken.

    • sawadi am 03.02.2016 09:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Reto Derungs

      Die wenigsten Thais wollen ins Switzerland weil es da immer nur um eins geht schaffen für Geld, die sind in ihrer Heimat glücklicher

    • Peter am 03.02.2016 09:57 Report Diesen Beitrag melden

      @Reto

      Dann machen Sie doch entlich einen Entzug, dann müssen Sie sich auch nicht auf solche Machenschaften einlassen.

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  • §§§ am 02.02.2016 23:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Südostasiatischer Personenfreizügigkeit

    Tatsächlich sind die gut organisierten Netzwerke in der thailändischen Prostitutionszene in der Schweiz seit Jahrzehnten bekannt und laufen auch immer nach nach änlichen Mustern ab. Dahinter stehen thailändische Familienstrukturen aus alten weit verzweigten chinesische Tekaden, und so lange Thais ohne biometrische Erkennungsdaten reisen dürfen, wird sich daran auch nicht so schnell etwas ändern. Den nirgends auf der Welt, als im südostasiatischen Raum werden Personendaten öffter, billiger und einfacher gefälscht.

    • Farang am 03.02.2016 09:04 Report Diesen Beitrag melden

      Falsch

      Zur Einreise in den Schengenraum müssen Thais ihre Fingerabdrücke beim TLS Contact Center in BKK hinterlassen.

    • §§§ am 03.02.2016 10:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Farang

      "TLScontact" ist etwa gleichviel wert wie wenn alle Thai Kathoeys welche von Thailand aus, in die grosse weite Welt reisen, die DNA ihrer Mitgeführten Jabba-Pillen deklarieren müssten das mann noch weniger eindeutig feststellen kann woher sie Stammen.

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