Tierquälerei in Reinach BL

16. Mai 2019 05:04; Akt: 16.05.2019 05:04 Print

«Manche Serienmörder haben an Tieren geübt»

Ein toter Igel und zwei schwer misshandelte Katzen. Ein Tierquäler verbreitet in Reinach Angst und Schrecken. Forensiker Thomas Knecht, weiss was in den Köpfen der Täter abgeht.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Am Sonntag, 12. April fanden die Besitzer ihren einjährigen Kater Gringo schwer verletzt in ihrer Wohnung in Reinach BL. Das Tier hatte sich trotz seiner Wunden nach Hause geschleppt, nachdem es offenbar in die Fänge eines Tierquälers geraten war.

Ein ähnliches Schicksal ereilte am Freitag davor die sechsjährige Katzendame Häxli im gleichen Quartier der Gemeinde. Auf Facebook verbreiteten sich die Posts der Katzenbesitzer wie ein Lauffeuer. «Wer tut unserer Katze sowas an?», fragt sich die entsetzte Besitzerin von Häxli. Der forensische Psychiater Thomas Knecht weiss, was in den Köpfen der Tierquäler vorgeht.

Aggression und Sadismus

«Zu vermuten ist zunächst einmal ein Aggressionsstau», sagt Knecht über das mögliche Motiv des Täters. Zusätzlich könne ein sadistischer Charakter oder sogar eine spezifische Feindseligkeit gegenüber Katzen vermutet werden. «Dann wird das schwächere Wesen quasi als Ventil für dieses grausame und zerstörerische Potential missbraucht», sagt er.

Im Vergleich zum ebenfalls in Reinach getöteten Igel sagt Knecht, dass das «triebhaft-aggressive Element» dasselbe sein dürfte. Zusätzlich könne der Täter bei einer Katze aber «das Vertrauensverhältnis zwischen Mensch und Tier ausnützen». Noch ist nicht klar, ob es sich bei den drei Fällen um die gleiche Täterschaft handelt. Zumindest bei den Katzen ist es aber wahrscheinlich, da Tatzeit und Tatort sehr nah beineinander liegen.

Droht eine Eskalation der Gewalt?

Seit Jahrzehnten versuchen Wissenschaftler herauszufinden, ob sich Tierquäler früher oder später Menschen als Opfer aussuchen. Der deutsche Kriminologe Volker Mariak stellt in seinem 2017 erschienen Buch «Die Spirale der Gewaltkriminalität» fest, dass viele Gewalttäter tatsächlich zunächst Tiere misshandelten oder töteten. Er bemängelt in seinem Werk auch, dass im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten in Europa bei Ermittlungen wenig Wert auf dieses Merkmal gelegt werde.

In einer Studie aus dem Jahr 2011 konnte auch der bekannte Zürcher Kriminonologe Martin Killias nachweisen, dass von jungen Tätern verübte Tierquälerei das Risiko für spätere Wutverbrechen,wie Vandalismus oder Gewalt gegen Menschen, erhöhten. Auch Thomas Knecht bestätigt: «Es sind etliche Fälle aus der Kriminalgeschichte bekannt, wo spätere Serienmörder an Tieren gleichsam ‹geübt› haben».

Die Polizei gehe zur Zeit nicht von einer Gefahr für Menschen aus, sagt Sprecher Roland Walter. Betroffene Tierhalter sollten im Verdachtsfall aber unbedingt Anzeige erstatten. «Wir sind auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen», sagt er. Bei einer Häufung von Fällen könne dann ein Einsatzdispositiv mobilisiert werden.

Gringo ist über den Berg

Gringo wurde derweil am Mittwoch erfolgreich operiert, wie seine Besitzer auf Facebook mitteilten. Trotz eines Schädel-Hirn-Traumas und Knochenbrüchen sei die Prognose gut. Die hohen Kosten sind für das junge Paar aber eine Herausforderung, weshalb sie einen Spendenaufruf auf Facebook publizierten.

Innert Stunden haben etliche ihre Unterstützung zugesagt. Gringos «Mami» überwältigt: «Es macht mich richtig happy zu sehen, dass es noch gute Menschen und Zusammenhalt gibt.»

(las)