Basel

19. Mai 2019 15:22; Akt: 19.05.2019 16:42 Print

Tierschützer versenken das Ozeanium

Historische Niederlage für den Basler Zoo: Das Refendum von Tierschützern, Umweltverbänden und Grünen war erfolgreich: Die Basler versenkten das Ozeanium an der Urne.

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Bachab: So feiern die Gegner des Ozeaniums ihren Abstimmungserfolg. Zurück in die Schublade: So hätte das Ozeanium bei der Basler Heuwaage ausgesehen. Das Basler Stimmvolk machte dem Zoo aber am Sonntag, 19. Mai einen Strich durch die Rechnung. Über 54 Prozent der Stimmbevölkerung versenkten das Ozeanium an der Urne. «Man hat verstanden, dass es eine Abstimmung über Sinn und Unsinn eines solchen Projekts ist», sagt Vera Weber, Leiterin der Fondation Weber, die das Referendum ergriffen hatte. Die Fondation Franz Weber ergriff das Referendum gegen den Bebauungsplan, der dem Zoo den Bau des Ozeaniums ermöglicht hätte. «Ausserhalb der Mauern des Zoos hat die sachliche Argumentation von unserer Seite einfach nicht gereicht», so der enttäuschte Zoo-Direktor Olivier Pagan. Der Abstimmungskampf wurde emotional und teils auch aggressiv geführt. Zoo-Direktor Pagan kritisierte, dass die Gürtellinie teilweise unterschritten wurde. Das Ozeanium hätte das wichtigste Zentrum für Bildung und Forschung im Bereich Meeresbiologie werden sollen. Der Zoo rechnete mit bis zu 700'000 Besuchern pro Jahr. Das 100-Millionen-Projekt sollte durch Spenden finanziert werden. Bis vor der Abstimmung waren Spenden in der Höhe von 57 Millionen Franken zugesichert. Schon beim Transport der Fische würden zahlreiche Tiere ums Leben kommen, behauptete Vera Weber. Damit die Tiere ihren Plastikbeutel nicht vollkoten, würden sie vor dem Transport ausgehungert. Vier von fünf Fischen überlebten das Prozedere nicht. «Sie sterben entweder schon beim Transport oder dann innerhalb eines Jahres im Aquarium, weil sie derart geschwächt sind», so Weber. Dass einige der Tiere beim Transport für das Ozeanium sterben können, bestreitet der Zürcher Zoodirektor Alex Rübel nicht. «Das ist leider so. Aber nicht 80 Prozent, wie die Gegner behaupten», sagt er. Trotzdem sei ein schlechtes Gewissen beim Besuch eines Aquariums fehl am Platz. Rübel ist überzeugt, dass es gerechtfertigt ist, Tiere in Gefangenschaft zu halten, wenn dadurch auch nur ein Bruchteil der Besucher für den Tier- und Meeresschutz sensibilisiert werde. «Das macht mehr Sinn und ist umweltschonender, als wenn man für Tauchferien nach Afrika oder Asien fliegt», so Rübel. Dass man die benötigten Meerestiere oft nicht selber züchten könne, sondern in Korallenriffen einfangen müsse, sei ein notwendiges Übel, sagt Rübel. Gleichzeitig relativiert er: «Für das Ozeanium holt man dafür so viele Fische aus dem Meer, wie in der Stadt Basel an einem Mittag auf den Tellern der Restaurants landen.» «Dennoch werden Meeresfische der Natur entnommen.» Wenn es richtig und nachhaltig gemacht werde, sei dies jedoch unproblematisch, betont Tanja Dietrich, die Sprecherin des Basler Zoos. Der Zoo arbeite dazu mit professionellen Händlern zusammen, die er persönlich kenne, sagt Dietrich. «So stellen wir sicher, dass auf umweltschädigende Fangmethoden wie den Fang mit Gift verzichtet wird. Weiter fällt dadurch auch der oftmals kritisierte Zwischenhandel weg.» Durch diesen professionellen Umgang kämen auch beim Transport sehr wenige Tiere zu Schaden. «Die Behauptung, dass beim Ozeanium ein Grossteil der Tiere während des Transports sterbe, ist schlichtweg falsch», so Dietrich vom Zoo Basel.

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Das Basler Stimmvolk hat den Bebauungsplan für das Ozeanium am Sonntag an der Urne abgelehnt, und zwar deutlich. 54,56 Prozent der Stimmbevölkerung das 100-Millionen-Projekt des Basler Zoos versenkt. Das Thema mobilisierte die Stimmbevölkerung. Die Stimmbeteiligung lag bei 55,5 Prozent. Es ist eine historische Niederlage für den Zolli, der noch nie einen Abstimmungskampf führen musste.

Vor 30 Jahren wäre das Ozeanium wohl auf begeisterte Zustimmung gestossen, heute ist der Zeitgeist ein anderer. Ökologie und Tierschutz sind im Windschatten der Klima-Debatte zu Mainstream-Themen geworden und die Gesellschaft als Ganzes kritischer. Das wussten die Gegner des Ozeaniums geschickt für sich zu nutzen.

«Ergebnis mit starker Symbolkraft»

«Man hat verstanden, dass es eine Abstimmung über Sinn und Unsinn eines solchen Projekts ist», sagt Vera Weber, Leiterin der Fondation Weber, die das Referendum ergriffen hatte. Die Tierschutz-Aktivistin ist sich sicher: «Das Ergebnis hat eine starke Symbolkraft, die über Basel hinaus reicht.»

Dem Zoo ist es im sehr emotionalen und intensiven Abstimmungkampf nicht gelungen, seine Argumente dem Stimmvolk zu vermitteln. «Ausserhalb der Mauern des Zoos hat die sachliche Argumentation von unserer Seite einfach nicht gereicht», kommt Olivier Pagan zum Schluss. Der Zoo-Direktor war schwer enttäuscht: «Ein ganzer Mitarbeiterstab hat zehn Jahre lang alles für das Ozeanium gegeben.»

Private Spender standen bereit

Die nächsten Schritte des Zoos sind noch unklar. Der Bau des Grossaquariums hätte 100 Millionen Franken gekostet, die der Zolli aus privaten Spenden auftreiben wollte. Dabei hatte er bereits Zusagen über mehr als 50 Millionen Franken.

Das Ozeanium hätte ein neuer Leuchturm für den Basler Zoo werden und rund eine halbe Million Besucher pro Jahr anziehen sollen.



(lha/jes)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dx am 19.05.2019 15:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade!!!

    Glaube kaum, dass die Tiere mehr gelitten hätten als in der "Natur" voller Abfall und Plastiksäcke...

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  • Roger am 19.05.2019 15:46 Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Seit rot/grün in Basel das sagen hat geht es immer mehr bachab schade

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  • Giussi am 19.05.2019 15:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Basler Zoo

    Der Basler Zoo war früher ein guter Zoo wo ich oft hinging. Leider hat er massiv an Attraktivität gegenüber Zürich verloren. wegen den Ozeanium wäre ich jedoch sicher auch mal wieder nach Basel gegangen. so bleibt Zürich das Mads aller Zoos.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Christian am 26.05.2019 08:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Provinz

    Aus Basel wundert mich nichts mehr. Rot-Grün ist auf dem besten Weg aus Basel tiefste Provinz zu machen.

  • Art. am 23.05.2019 14:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gegenvorschlag

    An gewissen Orten dieser Welt, kann ICH in einen Käfig steigen, um mich gesund dem Lieblingstier zu nähern.

  • Rösli Tell dazu am 22.05.2019 19:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nun geht's weiter mit Vernunft

    Unserer Jugend aufzeigen, wie intolerante Mitmenschen uns die Möglichkeit nehmen will, mit Tieren den Lebensraum zu teilen.

    • Art. am 23.05.2019 14:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rösli Tell dazu

      Sie leben dank Luft, Ozeantiere dank Wasser, mit wem möchten Sie den selben Lebensraum teilen? Ein Ansporn mehr, die Wasserwelt zu schützen, wenn ich nicht um die Ecke kann, um mir zwei Std lang diese Tiere anzuschauen, kommt evtl. dann das Bedürfnis, diese Lebensorte zu schützen, damit ich sie mir je mal live ansehen könnte.

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  • Patrick am 21.05.2019 20:31 Report Diesen Beitrag melden

    Geht nach Lausanne

    In Lausanne steht das grösste Süsswasseraquarium Europas. Ist echt ein Besuch wert.

    • Fragender am 21.05.2019 23:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Patrick

      Wieso wurde das eigentlich nicht von Tierschützern und Umweltschützern verhindert?? Haben Süsswasserfische weniger Rechte als Meerwasserfische? Ist das Aquatis Nachhaltig?

    • Friedo am 21.05.2019 23:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Patrick

      Wieso werden kritische Fragen zu den Betreibern vom Aquatis und den Gründen, weshalb es da keinen Widerstand vom Tierschützern gab nicht aufgedchalten?

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  • Roli am 21.05.2019 18:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vogelfrei

    Meine Arbeitskollegin hat gegen das Ozeanium gestimmt mit der Begründung das fische ihre Freiheit im Meer brauchen, hält aber seit Jahren zwei Wellensittiche und einen Ara Papagei in Käfigen in ihrer Wohnung. Sie meint das sei etwas anderes.

    • Art. am 21.05.2019 20:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Roli

      Hat ihre Kollegin die Papageien direkt aus dem Urwald geholt? Denn nur solche Tiere sind ohne Menschen überlebungsfähig.

    • .trA@ am 21.05.2019 23:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Art.

      Wieso haben dann die Tierschützer unter anderem mit illustrationen von Anemonenfischen in winzigen Aquarien, welche ohne schwierigkeiten zu hunderten (selbst von Hobbyaquarianer) nachgezüchtet werden, gegen das Ozeanium protestiert? Die wären ja, nach ihrer Aussage prädestiniert zur Haltung in Grossaquarien....

    • Art. am 22.05.2019 01:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @.trA@

      ...im Ozeanium wären nur nachgezüchtete Tiere gewesen? Wie Sie schon bemerkt haben, sind viele Menschen bereits selbst Besitzer dieser Fische, und deshalb bezweifle ich, dass das Ozeanium für "Einfach-Nachzuzüchtendes" geöffnet werden wollte.

    • .trA@ am 22.05.2019 09:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Art.

      Nein, natürlich nicht! Aber es waren unter andererem auch Korallenbecken geplant und nicht nur Becken für pelagische Fische. Was ich Ihnen damit aufzeigen wollte ist folgendes: Wieso ist es für Papageien in Ordnung, nur weil sie gezüchtet sind und für Fische nicht?? Hat ein nachgezüchteter Papagei kein Recht auf viel Platz und Bewegung??

    • Art. am 22.05.2019 10:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @.trA@

      Woher entnehmen Sie, dass diese Papageien nur in Käfigen gehalten werden? Wir beide können wenig Wissen über diesen Papagei, aus dem Kommentar, entnehmen. Ja, ein Papagei der nie von seinen Artgenossen gesehen hat, wie man als Papagei in der Wildnis überlebt, der wird das auch sein Leben lang nicht können. Wissen Sie, wie gross ein Ozean ist? Dieser grobe Platzmangel vom Ozeanium, das Unterstützen von gewissenlose Geschäft mit Wildtieren, das falsche Abbild der Tierwelt für die nächsten Generationen, ect. haben mir augezeigt, dass ein Ozeanium nicht nur sinnlos sondern auch schädigend für Tier/Unweltschutz-Fortschritte ist.

    • .trA@ am 22.05.2019 23:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Art.

      Es gibt unzählige Arten welche auch im Ozean territorial und nicht pelagisch leben. Nicht jede Fischart braucht Milliarden Kubikmeter Wasser um sich wohl zu fühlen. Gerade in einem Korallenriff sind die Tiere oftmals in unmittelbarer Nähe zum Substrat (Korallen, Steilwände, Seegras)...Ich würde auch gerne Wissen wieso ein Aquatis nicht so penetrant verhindert wurde mit halbwissen...

    • Art. am 23.05.2019 14:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @.trA@

      Ich verstehe was Sie meinen. Ich verstehe auch, dass diese Tiere begeistern, und sich viele solche Bilder mit eigenen Augen gewünscht hätten. Ich bezweifle einfach sehr, dass Korallen das Ozeanium gefüllt hätten. Ich glaube, dass auch Tiere darin zusehen gewesen wären, die in keiner Weise darin artgerecht gehalten werden können. Das Auswildern von "Geretteten" ist deshalb nicht geeignet als Schutzlösung, weil das Gerettete dann auch nicht mehr wild ist, um die Wildnis (Naturkette) zu retten. Es hätte schlicht nur der menschlicher Unterhaltung gedient, und wenn dadurch nur ein einziges Lebewesen leiden müsste, könnte das mein Gewissen nicht ertragen.

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