Vor Gastod gerettet

06. Juni 2014 05:55; Akt: 06.06.2014 05:55 Print

Tierschützerin rettet Hühner vor dem Vergasen

von Mirjam Rodehacke - Karin Braun will 5500 Hühner vor dem sicheren Gastod retten. Die engagierte Seewener Tierschützerin kämpft für das Leben von ausgedienten Nutztieren.

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Die Gründer der Stiftung für Tiere in Not – Animal Help (Stinah) kämpfen für die Rechte von Nutztieren. Da sie bei einem grossen Eierproduzenten Hühner vor der Vergasung bewahren wollen, fragten sie die engagierte Tierschützerin Karin Braun (44) aus Seewen SO an, ob sie mithelfen könne, Gnadenplätze für die Hühner zu organisieren. «Der Eierproduzent plant, 5500 Hühner zu vergasen, weil sie für drei bis sechs Wochen in der Mauser sind und dann keine Eier legen», so Braun. «Ich habe dann die Datenbank meines Stützvereins für Hunde in Not benutzt, um die Rundmail für die Gnadenplätze möglichst grossräumig zu verteilen», erzählt Braun.

Dadurch konnten mittlerweile rund 155 Plätze für Hühner gefunden werden, die am Samstag von Braun zu den neuen Besitzern gebracht werden. Dort müssen die Tiere artgerecht gehalten und dürfen keinesfalls geschlachtet werden. Auch muss ihnen genügend Auslauf zur Verfügung gestellt und sie dürfen nicht einzeln gehalten werden.

Die Krux: Braun kann nur so viele Hühner retten wie sie Plätze anbieten kann. Nach derzeitigem Stand kann sie also nur 155 Tiere vor der Vergasung retten. Braun freut sich über den Erfolg, bedauert aber den Umgang mit den Nutztieren: «Dahinter steckt ein typisch wirtschaftliches Denken. Nutziere sind nur noch Produktionsmaschinen, die bis zuletzt ausgenutzt und dann einfach getötet werden. Dabei haben sie doch auch ein Recht auf Leben.»

Männliche Küken haben keine Chance

Hans Ulrich Huber, Geschäftsführer des Schweizer Tierschutzes, hält viel von solchen Rettungsaktionen: «Bei der heutigen Wegwerfmentalität finde ich es einen sehr schönen symbolischen Akt. Jedoch darf man nicht vergessen, dass so ein Tier auch Verantwortung mit sich bringt und man sich mit der Haltung richtig auseinandersetzen muss.»

Im Allgemeinen sei die Situation für Hühner extrem. So seien sie auf eine übersteigerte Legeleistung konditioniert, so dass sie pro Tag ein Ei legen. In den rund 12 Monaten, die ein Huhn heute für den Produzent rentabel ist und leben darf, muss es also um die 300 Eier legen. Dann wird es mit Kohlendioxid vergast und anschliessend in Bioenergie umgewandelt, etwa um Strom zu liefern. Männliche Küken trifft es noch schlimmer: «Wenn sie nach dem Schlüpfen entdeckt werden, werden sie meist noch am ersten Lebenstag lebendig geschreddert oder vergast», weiss Braun.

Nutztiere haben weniger Sympathie als Katzen

Das grösste Problem, das zu dieser Praxis führt, ist laut Braun die grosse Nachfrage nach Billigprodukten. «Die einzige richtige Konsequenz wäre eigentlich, komplett vegan zu leben, wenn man Tierethik in seinem Leben gross schreiben will.»

Braun, die mit drei Hunden, einer Katze und bald mit einer Patenschaft für zwei Hühner in Seewen lebt, engagiert sich erst seit kurzem für Nutztiere. Vor einem Monat lernte sie die zwei Gründer der Stiftung für Tiere in Not - Animal Help kennen und war sofort beeindruckt von deren Engagement. Denn Nutztiere hätten es viel schwerer als Hunde und Katzen. «Bei den klassischen Haustieren stellt sich sofort ein Jöö-Effekt ein und jeder möchte helfen – Nutztiere erhalten da viel weniger Sympathie.»