Unter Wärmelampe

18. August 2008 07:50; Akt: 18.08.2008 21:07 Print

Tödlicher Hitzetest: Baby starb mit 43,5 Grad im Spital

von Denise Dollinger - Tödlicher Test im Kinderspital: Bei einem Schweisstest starb ein Baby qualvoll. Die angeklagten Ärzte fühlen sich unschuldig.

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Der tragische Tod des fünf Monate alten Knaben ereignete sich vor rund vier Jahren. Die Mutter brachte den untergewichtigen Buben mit 39 Grad Fieber ins Basler Kinderspital. Um herauszufinden, ob er an der Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose leidet, welche Wachstumsstörungen verursachen kann, wurde nach
einer Untersuchung ein Schweisstest angeordnet. Ein solcher war früher schon durchgeführt worden, jedoch abgebrochen. Offenbar konnte der Bub wegen einer vererbten Diabeteserkrankung nicht schwitzen.

Trotzdem wurde er erneut in eine Art Skianzug gesteckt. Im Bettchen unter der Wärmelampe schrie der Kleine laut, schwitzte jedoch nicht. Nach zwei Stunden wurde ein zusätzlicher Wärmeofen installiert. Dann überstürzten sich die Ereignisse. Der Bub atmete schnell, die Mutter schlug Alarm. Sein Körper mass 43,5 Grad. Trotz sofort eingeleiteter Notmassnahmen starb.

Das Kinderspital bedauert den Vorfall sehr, doch: «Es handelt sich um ein Einzelschicksal. Unsere Mitarbeiter kümmern sich gut um die Kinder», sagt Pressesprecherin Barbara Peterli. Für Margrit Kessler vom SPO Patientenschutz steht fest: «Fehler passieren, und auch Ärzte sind davor nicht gefeit. Wichtig ist, dass sie analysiert werden, damit es keine Wiederholung gibt.» Wie der «Tages-Anzeiger» gestern berichtete, stehen der ärztliche Leiter des Spitals sowie ein Oberarzt wegen fahrlässiger Tötung ab September vor Gericht. Sie bestreiten die Vorwürfe.