Basel/Frankreich

28. Januar 2019 05:44; Akt: 28.01.2019 10:54 Print

Niemand fühlte sich für sterbende Katze zuständig

Als eine Katze im Grenzgebiet zwischen Basel und Frankreich angefahren wurde, fühlte sich keine Behörde dafür zuständig. Schliesslich starb das Büsi.

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«Rest in Peace, kleiner Schatz», schreibt eine Userin auf Facebook. Der Kommentar unter dem Post des Tierschutzbundes Basel gilt einer Katze, die am Abend vom 18. Januar auf der Schnellstrasse beim Casino Basel in Richtung Euro-Airport Basel jäh aus dem Leben gerissen wurde. Die Person, die die noch lebende Katze auf der grenznahen Strasse zu Frankreich gefunden hat, alarmierte die Polizei, doch leider ohne Erfolg.

«Als sie die Polizei verständigte, sagte man ihr, dass sowohl bei der Basler als auch bei der französischen Polizei niemand für einen solchen Fall zuständig sei», erzählt Mahena Haizmann, Geschäftsführerin des Tierschutzbundes Basel und Leiterin der Tierambulanz. Da die Katze nicht gechipt war, konnte der Besitzer bislang nicht gefunden werden.

Wohl der Katze wurde vergessen

Denn schliesslich wandte sich die Finderin an die Tierambulanz des Tierschutzbunds Basel. Diese rückte sogleich aus, doch für das schwarz-weisse Tier kam jede Hilfe zu spät. «Mich hat dieser Vorfall sehr schockiert. Das Wohl der Katze stand nicht im Vordergrund – die Behörden diskutierten lediglich über die Zuständigkeitsfrage», stellt Haizmann fest.

Da sich der Unfall direkt an der Landesgrenze zu Frankreich ereignete, liege die Verantwortung nicht in den Händen der Basler Polizei, bestätigt Toprak Yerguz, Sprecher des Basler Justiz- und Sicherheitsdepartements: «Die Basler Polizei ist ausschliesslich für Fälle zuständig, die sich auch auf unserem Kantonsgebiet ereignet haben.» Bei einem Grenzfall wie diesem rät er, von Beginn an die ausländischen Behörden zu kontaktieren.

Doch auch der Kontakt zur französischen Polizei blieb für die Finderin ohne Erfolg. «Dort sagte man der Person, man sei für so einen Fall nicht genügend ausgerüstet und man solle sich an die Feuerwehr von Colmar wenden», so Haizmann.

Niemand zuständig in Grenzgebiet?

Das Schicksal der angefahrenen Katze im Grenzgebiet ist kein Einzelfall. Schon im März des vergangenen Jahres war es zu einem tragischen Vorfall mit einer Katze gekommen. Damals wurde im französischen Saint-Louis eine lebende Katze aus einem fahrenden Auto geworfen. Das Tier starb schliesslich qualvoll.

Schon damals beschäftigten sich die Behörden ausschliesslich mit der Zuständigkeitsfrage. Die Basler Polizei rückte aufgrund derselben Begründung nicht aus, die französischen Behörden schwiegen über den Vorfall.

Für Haizmann sind solche Antworten von Seiten der Behörden höchst unbefriedigend: «In erster Linie sollte es doch darum gehen, der Katze zu helfen, und nicht auf welchem Grund und Boden sich der Unfall ereignet hat.» Die Basler Polizei sei nicht vor Ort gewesen und konnte somit auch nicht vollkommen sicher sein, dass der Unfall tatsächlich jenseits der Grenze passierte, findet sie weiter.

«Gegebenenfalls selber zum Tierarzt bringen»

Wen soll man nun kontaktieren, wenn man ein verletztes oder totes Haustier auf der Strasse findet? Da es oftmals auf stark befahrenen Strassen zu Unfällen mit Tieren komme, sei in der Regel immer die Polizei die richtige Anlaufstelle, so Haizmann.

Fühle die sich aber nicht zuständig, solle man gleich direkt die Tierambulanz kontaktieren. «Wenn für einen selber keine Gefahr besteht, kann man das Tier auch selber zum Tierarzt bringen», so Haizmann.

(mis)