Basel

16. August 2018 18:50; Akt: 16.08.2018 19:21 Print

«Der Knochen in den Haaren ist herablassend»

Die Logos der Clique Negro Rhygass und Mohrekopf-Gugge werden als rassistisch kritisiert. Die Basler Fasnächtler hingegen planen einen Solidaritäts-Marsch am Freitag.

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So kontern Basler Fasnächtler die Rassismus-Vorwürfe an die Clique Negro Rhygass und Mohrekopf-Gugge. Am Freitag Abend gehen sie auf die Strasse. Die Allmendverwaltung hat dafür eine Marschroute bewilligt, auf der die Fasnächtler aufspielen werden. Es wird quasi ein Mini-Cortège mit mehreren hundert Mitläufern. Werden hier die Grenzen des Tolerierbaren überschritten? Um den Auftritt und den Namen der Fasnachtsgesellschaften Mohrekopf-Gugge und Negro Rhygass ist eine Kontroverse entbrannt. Kein Verständnis für die Kritik: Dieser Vers, den ein Basler Fotograf aus Solidarität zur Negro Rhygass und Mohrekopf-Gugge gedichtet hat, wird auf Facebook geteilt wie verrückt. Auch Memes kursieren mitterweile, auf denen sich Fasnächtler mit den gebrandmarkten Cliquen solidarisieren. Auch diese Solidaritätsbekundung mit den Opfern der Facebook-Zensur wird auf Facebook eifrig herumgereicht. Am Dienstag wurden die Facebook-Seiten der Negro Rhygass und Mohrekopf-Gugge gesperrt. User hatten diese als rassistisch beanstandet, nachdem ein entsprechender Aufruf auf Instagram lanciert worden war. Auf Instagram kursierten Screenshots von deren Facebook-Seiten, die offensichtlich Anstoss erregten. Die Negro-Rhygass feierten am vergangenen Wochenende das «Negro-Fescht». Jetzt bezeichnen Kritiker Logo und Namen des Vereins als rassistisch. Bei Stopp Rassismus sind nach der Veranstaltung Meldungen eingegangen. «Es laufen jetzt Abklärungen, inwieweit da juristisch etwas zu machen ist», so Johann Göttl, Leiter der Beratungsstelle. Der Verein distanziert sich von Rassismus aller Art. Sieht jedoch keinen Handlungsbedarf, da sich Name und Emblem auf eine historische Begebenheit zurückführen lassen. Seit vielen Jahren sei der Verein Mitglied des Fasnachtscomites und des Dachverbandes der Gugge-IG. Der Name sei zuvor nie ein Thema gewesen. «Bitte überlegt euch einen zeitgemässen Auftritt und einen neuen Namen», fordert ein Kritiker auf Facebook.

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Aus Solidarität mit der Fasnachtsclique Negro Rhygass und der Guggenmusik Mohrekopf, deren Facebook-Seiten gesperrt wurden, stellen sich Fasnächtler nun solidarisch hinter die beiden Fasnachtsvereine. Auf Facebook wurde für Freitagabend zu einem Solidaritätsmarsch geladen. Gegen die Rassismus-Vorwürfe wolle man «ein Zeichen setzen», schreiben die Organisatoren. «Wir hoffen auf viele Fasnächtler.» Mehrere hundert Personen haben sich dafür auf Facebook schon angemeldet. Der Protest-Cortège wurde bewilligt und startet um 20 Uhr bei der Elisabethen-Anlage.

Die Aktion wird im Netz kontrovers diskutiert. Rapper Knackeboul etwa kann es gar nicht verstehen, dass es für eine Gugge, die für ihr rassistisches Logo kritisiert wird, auch noch Solidaritätsbekundungen gibt.


«Werden konstant auf unsere Hautfarbe reduziert»

Die Debatte wird im Netz sehr gehässig geführt, die Fronten scheinen verhärtet. «Ich finde die Debatte aber wichtig», sagt der Basler Veranstalter und Musiker Nic Plésel. Der 39-Jährige ist karibischer Abstammung und findet die Botschaft, die die Negro Rhygass und Mohrekopf-Gugge mit ihren Logos aussenden, rassistisch. «Der Knochen in den Haaren ist herablassend.» Das sei früher vielleicht anders gewesen. «Heute ist das aber nicht mehr zeitgemäss und Tradition entschuldigt nicht alles», so Plésel.

«Rassismus ist keine Frage der Intention, sondern tief in unseren Köpfen und Strukturen verankert», sagt eine Studentin, die anonym bleiben möchte. Sie fürchtet angesichts der «aggressiven Reaktionen» auf Social Media gar Gewalt, wenn sie sich exponieren würde. «Dunkelhäutige Menschen erleben hierzulande tagtäglich Rassismus», sagt sie. «Wir werden konstant auf unsere Hautfarbe reduziert und müssen uns tagtäglich damit auseinandersetzen.» Die Bernerin kann nicht nachvollziehen, wieso so viele Leute an etwas festhalten wollen, das für andere «zutiefst verletzend» sei.

«Beide Seiten sollten Zugeständnisse machen»

Georg Kreis, der Basler Historiker und ehemalige Präsident der eidgenössischen Kommission gegen Rassismus, ruft derweil zur Versöhung auf. «Ich finde, beide Seiten sollten aufeinander zugehen und möglicherweise auch Zugeständnisse machen», sagt er gegenüber dem «Regionaljournal» von Radio SRF. Beispielsweise könnte die Negro Rhygass auf den Knochen in ihrem Logo verzichten, schlägt er vor.

(lha)