Tragischer Unfall am Bözberg

29. November 2019 18:29; Akt: 29.11.2019 18:29 Print

Hunderte trauern um die drei Todesopfer der A3

Nach dem Horror-Crash auf der A3 am Mittwoch ist die Trauer im Umfeld der Opfer gross. Am Freitag nahm die alevitische Gemeinde Abschied. Die Frage nach dem Warum beschäftigt viele.

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Am Freitag verabschiedete sich die alevitische Gemeinde von den drei Opfern des tödlichen Verkehrsunfalls in Effingen AG. Das Ehepaar N.E.* (55) und E.E.* (64) sowie B.K.* (42) kamen ums Leben, als ihr Auto am Mittwoch auf der A3 vor dem Bözbergtunnel vom Porsche Cayenne des 45-jährigen S.B.* gerammt und gegen einen Lastwagen gedrückt wurde.

Die Trauerfeier fand in Riehen BS auf dem Friedhof Hörnli statt. Mehrere hundert Personen hatten sich nach 11 Uhr eingefunden, um den Getöteten die letzte Ehre zu erbieten. Sie werden am Wochenende in die Türkei geflogen, um bestattet zu werden.

Schmerzhafter Abschied

Unter düsterem Himmel versammelte sich die Trauergemeinde vor der Kapelle des Friedhofs. Drinnen waren die Särge der drei Opfer, draussen herrschte eine Stimmung bedrückter Anteilnahme. Ihrem Schmerz über den Verlust liessen die Angehörigen freien Lauf. Immer wieder hallten Klageschreie aus der Kapelle, mehrere Personen mussten beim Verlassen des Geländes gestützt werden.

Gemäss Informationen aus dem Umfeld der Opfer hinterlässt das Ehepaar E. zwei Söhne, eine Tochter und einen Enkel, K. eine Ehefrau und eine Tochter.

Gemeinschaft unterstützt Angehörige

Führende Angehörige der alevitischen Gemeinschaft fassten in Worte, was das zahlreiche Erscheinen der Mitglieder bereits still gesagt hatte: Sie sprachen ihnen Kraft zu und versicherten ihnen die Unterstützung der Community, wie Sprecher Hasan Kanber erklärt. Immer wieder legten die Anwesenden die Rechte Hand aufs Herz – laut Kanber eine wichtige Geste der Trauer und Anteilnahme.

Während die Sprecher gemäss Kanbers Übersetzung einerseits zu Ruhe und Geduld mahnten, betonten sie auch, dass die Hintergründe des schrecklichen Vorfalls aufgeklärt werden müssten.

Ein Künstler bestärkte die Aussagen, indem er auf einer anatolischen Langhalslaute (Saz) spielte und dazu sang. «Sie ist als Volksinstrument sehr wichtig und tief in unserer Kultur und Geschichte verwurzelt», sagt Kanber.

Viel Trauer, aber auch Unverständnis und Wut

«Es ist unglaublich», sagt eine Frau, die an der Hochzeit des getöteten Ehepaars anwesend war. Ihr gehe nicht aus dem Kopf, wieso der Unfallfahrer so schnell gefahren sei. Dann deutet sie auf eine Seniorin, die von Familienmitgliedern begleitet wird. «Das ist die Grossmutter des Ehemannes. Sie ist über 80. Wie hat sie das verdient?» fragt die Frau.

B. ist zur Zeit eine Blackbox

Während sich die Angehörigen der Opfer mit unbeantworteten Fragen konfrontiert sehen, befindet sich B. nach wie vor in psychiatrischer Behandlung. «Er ist noch immer nicht vernehmungsfähig», heisst es seitens der Aargauer Staatsanwaltschaft am Freitag. Der 45-Jährige müsse jedoch mindestens so lange in der Klinik bleiben, bis er einvernommen werden könne, also mindestens übers Wochenende.

Die Behörde hat seit dem Unfall ein Verfahren wegen vorsätzlicher oder fahrlässiger Tötung gegen B. eingeleitet. Ob eines und welches der Delikte schlussendlich zur Anklage gebracht wird, würden die Untersuchungen zeigen müssen. Der Unfallhergang sei noch Gegenstand von Ermittlungen.

*Namen der Redaktion bekannt

(las)