Sinkende Fallzahlen

17. November 2014 05:48; Akt: 17.11.2014 08:50 Print

Unispital Basel buhlt mit Luxus um Herzpatienten

von Benjamin Rosch - Die Klinik Hirslanden in Aarau zieht immer mehr Herzpatienten an – zum Leidwesen des Universitätsspitals Basel. Nun will das USB mit einer Charme-Offensive reagieren.

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Der Wettbewerb in der Herzchirurgie ist gross. (Bild: Keystone)

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Der Wettbewerb in der Schweizer Herzchirurgie ist hart. In den wenigen Herzzentren buhlen Fachkräfte um Patienten. Das Unispital Basel profitierte lange von einem grossen Einzugsgebiet, das sich bis in den Aargau erstreckt. Im letzten halben Jahr hat sich dies geändert: Seit dem 1. Mai arbeitet das Kantonsspital Aarau eng mit der Nobel-Klinik Hirslanden in Aarau zusammen – Patienten werden nicht mehr nach Basel, sondern in die Privatklinik vermittelt. «Die Base Rate in der Klinik Hirslanden ist tiefer – und die Behandlung damit günstiger», sagt Michele Genoni, Präsident der Fachgesellschaft Schweizer Herzchirurgen. Zudem arbeitet dort seit dem 1. Mai Thierry Carrel, der Star der Schweizer Herzchirurgen.

Direkte Auswirkungen

Für das Unispital hat dies direkte Auswirkungen bei der Zahl der herzchirurgischen Patienten: «Die Zahl der Austritte nach Originalfallsicht hat von Mai bis Oktober 2014 im Vergleich zur Vorjahresperiode um 12 Prozent abgenommen», sagt USB-Sprecher Martin Jordan auf Anfrage. Dies bedeutet ungefähr jeden dritten bis vierten Tag einen Patienten weniger, was gemäss Jordan «natürlich ökonomisch relevant ist». Genaue Zahlen veröffentlicht das USB hierzu nicht. Sicher sit dies aber ein schwerer Dämpfer, nachdem kürzlich mit Victor Valderrabano der Chefarzt der Orthopädie gehen musste, der ebenfalls viele Patienten ans Rheinknie lockte.

Ganz anders sieht es bei der Hirslanden-Klinik aus, wo das neue Angebot auf grosse Resonanz stiess : «In den Vorjahren hat die Herzchirurgie Aarau jeweils zwischen 150 und 200 Patienten operiert. Im ersten Jahr mit den neuen Kooperationen rechnen wir mit ungefähr 250 Patienten in der Herzchirurgie», sagt Sprecher Philipp Lenz. Es ist denkbar, dass ein Teil der zusätzlichen Patienten nicht nur aus dem Grossraum Basel, sondern auch aus den Regionen Bern und Zürich stammt.

Mehr Luxus, bessere Kommunikation

Das USB reagiert nun mit einer Charme-Offensive. So werden etwa die Spezial-Sprechstunden ausgebaut und auch im Komfort hat das Spital zugelegt: «Auf Wunsch erfolgt die Unterbringung von halbprivat versicherten herzchirurgischen Patienten in einem Einzelzimmer», so Friedrich Eckstein, Chefarzt der Herzchirurgie. Zudem soll die Öffentlichkeit besser über die Dienstleistungen des hiesigen Herzzentrums informiert werden, unter anderem mit einer neu gestalteten Website.

Bei Notfällen und komplexen Fällen sieht sich das USB weiterhin im Vorteil: «Privatkliniken mit Belegarztstruktur und ertragsorientierter Ausrichtung konkurrieren nicht aktiv mit einem Universitätsspital mit 24-Stunden-Betrieb um komplexe und Notfall-Patienten», so Jordan.