Wegen Befangenheit

10. Juli 2016 14:28; Akt: 10.07.2016 14:28 Print

Unispital Basel muss Tote extern obduzieren lassen

Todesfälle von Patienten im Universitätsspital müssen künftig ausserhalb des Kantons untersucht werden. Das hat das Bundesgericht entschieden.

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Bundesgerichtliches Machtwort: Das baselstädtische Institut für Rechtsmedizin von Eva Scheurer (r.) darf nicht mehr Todesfälle des Unispitals rechtskräftig begutachten. (Bild: Juri Weiss/bs.ch)

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Bisher wurden Patienten, die im Unispital Basel verstarben und bei denen die Todesursache geklärt werden musste, vom Basler Institut für Rechtsmedizin obduziert. Das hat nun ein Ende, wie die «Schweiz am Sonntag» schreibt: In einem Urteil vom 17. Juni habe das Bundesgericht die Bemühungen der Basler Staatsanwaltschaft, diese Praxis fortzuführen, abgeschmettert. Der Grund dafür ist die Nähe des staatlichen Instituts zur Universität Basel. So verfüge dessen Chefärztin für forensische Medizin, Kathrin Gerlach, aufgrund der Verbindungen ihres Instituts zum Universitätsspital Basel-Stadt «nicht über die erforderliche Unabhängigkeit».

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Gerlach und Institutsleiterin Eva Scheurer dozieren beide an der Uni. Wegen dieser Verbindung besteht laut einem vorangehenden Urteil des Appellationsgerichts, über das das die «BZ Basel» im Februar berichtet hatte, «zumindest der Anschein einer Befangenheit». So könne Gerlach «beim Schreiben von Gutachten Rücksicht auf hierarchisch höhergestellte Personen ihrer Fakultät nehmen», schreibt die «Schweiz am Sonntag».

Widerstand in Basel

Die Basler Staatsanwaltschaft gab sich mit dem Urteil des Appellationsgerichts aber nicht zufrieden. Sie kämpfte weiter für diese in der Schweiz einzigartige Sonderlösung und zog vor die nächste Instanz. Das Bundesgericht sprach jetzt ein Machtwort: Das Unispital muss Todesfälle extern obduzieren lassen, wie es auch in allen anderen Kantonen der Fall ist.

Dabei habe das Bundesgericht schon 2011 externe Obduktionen in Basel verfügt, als die Witwe eines verstorbenen Patienten gegen das Universitätsspital geklagt hatte. Gerlach aber habe sich dem Auftrag nicht gefügt, da ihrer Meinung nach nichts dafür gesprochen habe, dass «die Regeln der ärztlichen Kunst» verletzt worden seien.

Urteil rechtskräftig

Durch das Urteil des Bundesgerichts wird die Basler Staatsanwaltschaft nun verpflichtet, für einen Todesfall aus dem Jahr 2012 eine Strafuntersuchung zu eröffnen. Zu diesem müsse auch ein externes Gutachten für die Untersuchung einer Herzklappen-Operation eingeholt werden, so die Zeitung.

Zwar dürften in den angeprangerten Fällen aus den Jahren 2011 und 2012 kaum neue Erkenntnisse ans Tageslicht gelangen, heisst es. Jedoch hätten die Kläger erreicht, dass das Universitätsspital seine Todesfälle nicht mehr von seinen gewissermassen eigenen Leuten rechtskräftig begutachten lassen könne.

(las)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sandra am 11.07.2016 06:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Deutsche Ärztin setzt sich über Gericht hinweg

    Verstehe ich nicht: Wieso kann sich die Ärztin A. Gerlach, die laut FMH-Verzeichnis "my doctor" 2004 in Deutschland Ärztin wurde und Ihren Facharzttitel in Rechtsmedizin schon 2008 gemacht hat, einem Gerichtsentscheid einfach so entziehen? Keine Sanktionen? Sagt viel über die deutsche Ärztin und auch unsere Verantwortlichen....

  • Emil Bumann am 10.07.2016 16:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Autopsien

    Also die klinischen Autopsien dienen zur Feststellung der Todesursache und der Qualitätssicherung. Bei aussergewöhnlich en Todesfällen wird das IRM mit der Autopsie beauftragt. Also wenn man den Basler-Pathologen und Rechtsmediziner nicht vertraut, frage ich was ist dann mit Operationsmaterial welches vom Pathologen beurteilt werden muss. von den Umständen, Angehörige und den Kosten, will ich erst gar nichts sagen. E. B. Path. Präparator Eidg. FA

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  • Markus T am 10.07.2016 17:14 Report Diesen Beitrag melden

    Problem bei der Herzchirurgie

    Die Problematik lieg primär bei den niedrigen Operationszahlen insbesondere für Herzchirurgie in Basel. Basel kann keine Herzchirurgie auf international vergleichbar hohem Niveau bieten, da einfach zu wenige Herzen operiert werden. Der Kantönligeist und die Geldgier obsiegen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • marta am 11.07.2016 19:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das klingt doch netter

    hmm.. ist jetzt Befangenheit das neue wort für verdunkelungs gefahr? intressante auslegung, diese neuen formulierungen

  • E. Bier am 11.07.2016 07:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die haben Ärzte die schreiben nie Berichte

    Nennen sich Chefarzt schreiben keine Berichte und sind die Stars aus Deutschland. Kritisieren in der Puls Sendung andere Ärzte. So ein Professor Titel ist halt auch nur Papier.

  • Sandra am 11.07.2016 06:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Deutsche Ärztin setzt sich über Gericht hinweg

    Verstehe ich nicht: Wieso kann sich die Ärztin A. Gerlach, die laut FMH-Verzeichnis "my doctor" 2004 in Deutschland Ärztin wurde und Ihren Facharzttitel in Rechtsmedizin schon 2008 gemacht hat, einem Gerichtsentscheid einfach so entziehen? Keine Sanktionen? Sagt viel über die deutsche Ärztin und auch unsere Verantwortlichen....

  • huwi am 10.07.2016 20:01 Report Diesen Beitrag melden

    Vertuschen = altes Handwerk

    Wenn ein Maurer einen Pfusch baut, deckt er den Fehler mit Pflaster zu. - - Wenn ein Arzt Pfusch baut, deckt er sein "Ergebnis" mit Erde zu. -> Und Schwamm drüber, hat's ja niemand gemerkt...

  • Markus T am 10.07.2016 17:14 Report Diesen Beitrag melden

    Problem bei der Herzchirurgie

    Die Problematik lieg primär bei den niedrigen Operationszahlen insbesondere für Herzchirurgie in Basel. Basel kann keine Herzchirurgie auf international vergleichbar hohem Niveau bieten, da einfach zu wenige Herzen operiert werden. Der Kantönligeist und die Geldgier obsiegen.