Airbnb & Co

13. März 2015 06:01; Akt: 13.03.2015 06:01 Print

Untermiete boomt vor Baselworld – oft illegal

von Lukas Hausendorf - Die Uhren- und Schmuckmesse ist für viele Mieter ein gutes Geschäft. Immer mehr bieten ihre Wohnungen den Messegästen für viel Geld an. Nicht immer legal.

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Tobias K.* und seine drei Mitbewohner reiben sich die Hände. Während der Baselworld überlassen sie ihre Wohnung Messegästen. Für 1000 Franken pro Nacht. Dafür nimmt er gerne in Kauf, vorübergehend wieder bei Mama zu wohnen. Ihm tun es in Basel viele gleich. Auf Airbnb finden sich dutzende Wohnungen, die während der Uhren- und Schmuckmesse für horrende Preise vermietet werden. In der Stadt hat sich längst herumgesprochen, dass das Baselworld-Publikum solvent ist – und vor allem zahlungswillig. Eine Riehener Villeneigentümerin etwa stellt ihr Heim für stolze 2400 Franken pro Tag zur Verfügung.

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Haben Sie ihre Wohnung auch schon teuer untervermietet?
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Insgesamt 625 Teilnehmer

Beim Vermittlungsportal Airbnb stellt man einen regelrechten Boom fest. In Basel ist das Angebot innert eines Jahres um 160 Prozent gewachsen, wie Sprecher Julian Trautwein auf Anfrage mitteilt. Auch der Schweizer Konkurrent Untermietservice registriert immer mehr Anbieter. «In den letzten Jahren waren es noch gegen 50, jetzt haben wir schon weit über 100, die ihre Wohnung an der Baselworld untervermieten wollen», so Christian Beldner, Leiter Beratung und Vermittlung beim UMS.

Viele Anbieter ausserhalb der Legalität

Das schnelle Geld ist aber in vielen Fällen nicht redlich verdient. Artikel 262 des Schweizer Mietrechts verlangt im Falle einer Untervermietung die Zustimmung des Vermieters und verbietet missbräuchliche Bedingungen. Dazu gehört auch, eine Untermiete zu verlangen, die wesentlich über der Monatsmiete liegt. «Das ist bei unseren Mietverträgen eine Standardklausel», sagt Dieter Ruf, Direktor der Gribi Immobilienbewirtschaftung.

Bei Immobilien Basel-Stadt, dem grössten Vermieter im Kanton, ist die Lage eindeutig. «Wir erlauben kurzfristige Untermieten grundsätzlich nicht – gerade in Bezug auf Messen», so Mediensprecherin Barbara Neidhart. Das sei auch zum Schutz der anderen Bewohner einer Liegenschaft, erklärt sie.

Verbot ja, Kontrolle nein

Der Paragraph des Schweizer Mietrechts ist aber in der Praxis nicht viel mehr als ein Papiertiger. «Die Handhabe ist sehr schwer», meint Ruf. Denn Kontrollen gibt es grundsätzlich keine. Meistens erfahren die Vermieter von den lukrativen Geschäften ihrer Mieter gar nichts – wenn doch, dann durch Zufall. Sanktionen seien kaum möglich und für zivilrechtliche Forderungen liege der Streitwert unter dem Aufwand, sagt er.

Seitens der Vermittler wird diese Problematik unterschiedlich gehandhabt. Bei Airbnb vertraut nach man nach dem Gebot des Treu und Glauben via Allgemeine Geschäftsbedingungen darauf, dass sich die Nutzer an die lokalen Gesetzgebung halten. Dem UMS reicht das nicht. «Wir verlangen eine Bewilligung der Vermieters», sagt Christian Beldner. Sein Unternehmen kassiert höhere Provisionen als Airbnb, dafür gibt es auch mehr Rechtssicherheit.

Angebot übersteigt Nachfrage

Mit dem Boom könnte es allerdings bald zu Ende sein. Beldner stellt bereits einen deutlichen Angebotsüberhang fest. Von den über 100 Wohnungen, die während der Baselworld ausgeschrieben sind, seien nur etwa 40 Prozent vermittelt worden. Bei Airbnb wird laut Sprecher Julian Trautwein noch ein Zuwachs der Buchungen registriert – wie viele Wohnungen während der Messe aber leer bleiben, kann er nicht sagen.

Airbnb profitiert grundsätzlich davon, dass die Provisionen tiefer sind. Das spürt auch UMS, wo davon ausgegangen wird, dass etwa zehn Prozent der Buchenden zum Konkurrenten übergelaufen sind.


* Name geändert

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • BaselZürichConection am 13.03.2015 06:41 Report Diesen Beitrag melden

    muss ich gleich Mutti sagen

    sie wohnt ja nur ein paar Minuten von der MUBA entfernt in einem Patrizierhaus im schönem Wettsteinquartier und mein Schlafzimmer steht ja leer da ich in ZH bin.

  • Hotelkritiker am 13.03.2015 07:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Angebot und Nachfrage

    Die Preise sind auf die Wohnfläche gemessen sogar billiger als die Suiten der 5 Sterne Hotels in Zürich. Warum dieser Aufschrei und von horrenden Preisen sprechen!? In Davos und Monaco wird die Untervermietung bei bestimmten Events auch praktiziert.

  • juerg Weber am 13.03.2015 07:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wef davos

    in davos während dem wef ist das schon seit jahren so. da haust die ganze Familie eine woche bei hotel Mama und die Wohnung wird für Viel Geld Untervermietet. hier dulden die meisten Vermieter das .....

Die neusten Leser-Kommentare

  • Thomad am 13.03.2015 16:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Untermieter

    Als Vermieter würde ich das nie akzeptieren,es sei den,es ist ein anonymes Haus,wo ein Kommen und ein Gehen ist.In einer Wohngemeinschaft würden das Mieter schon mal gar nicht akzeptieren!Auch hat ein Vermieter gegenüber dem Mieter Verpflichtungen.Dass heisst,wenn ich einem Interessenten eine ruhige Wohnung anbiete,habe ich die Pflicht,dies auch einzuhalten.Mit ständigem Wechsel ist dies nicht gewährleistet.Zudem muss sich jeder Mieter,der Untermieter hat,bewusst sein,dass ausstehende Mieten,Schäden etc.voll zu Lasten des Mieters gehen.

  • Toby Suter am 13.03.2015 15:51 Report Diesen Beitrag melden

    Interessant finde ich doch wie viel

    Mieter hier einen Abriss Ok finden. Geht es aber dann wieder um die eigene Miete wird gejammert und der Vermieter ist Geldgierig. Übrigens wer es dem Vermieter nicht sagt kann wenn es rauskommt rausfliegen. Dieselbigen kennen mittlerweile ja auch das Portal und die Fälle werden sich bald häufen.

  • HAN KAHN am 13.03.2015 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    JAJAJA WIE IMMER

    Ja alle Unternehmen sollen Ihren profit daraus machen aber nur nicht die Bewölkerung, da Sie ja für Arbeit gebraucht werden ;))

  • Rechtler am 13.03.2015 08:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsch

    die Angaben im Artikel sind schlicht falsch. Die Untermiete kann nur bei missbräuchlichen Bedingungen verboten werden, und unterliegt keiner Bewilling des Vermieters. Der Mieter muss den Vermmieter lediglich informieren. Anderslautende Vereinbarungen sind missbräuchlich. Der Mietzins darf bis zu 20% über dem Hauptmietzins liegen.

    • Vermieter am 13.03.2015 09:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Untermieter

      Rechtler:stimmt auch nicht ganz:Mieter darf kein Nutzen,dass heisst kein Gewinn daran erzielen was die Höhe des Mietzinses übersteigt.Zudem darf eine Wohnung nicht übervermietet werden.Das heisst,2Zimmer,2Personen,3Zimmer,3Personen etc. Bei Schäden vom Untermieter,wird der Mieter dafür haftbar gemacht.

    • Vermieter am 13.03.2015 10:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Illegal

      Rechtler:Nachtrag:Untermieter müssen übrigens bei der Gemeinde gemeldet werden,da sonst Gefahr besteht,dass Wohnungen an Illegale Einwanderer vermietet werden!

    • Jus Toaster am 13.03.2015 14:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Falsch

      Anmeldund an der Gemeinde erst am 3 Monaten bleibe!

    • Vermieter am 13.03.2015 15:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Anmeldung

      Jus Auch das ist nicht korrekt.Jeder Mieter und Untermieter muss innert 14Tage vom Vermieter gemeldet werden.Kann auch per Mail getätigt werden.Mittlerweile gibt es viele Schwarz -Untermieter.Gemeinden sind,was dieses Problem anbelangt,sehr sensibel.Weil halt in vielen Wohnungen Zuwanderer wohnen,die keine Aufenthaltsbewilligung haben.

    einklappen einklappen
  • josef am 13.03.2015 08:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unzermiete

    ich bin schön blöd. ich habe meine wohnung während auslandsemestern günstig untervermietet. verdienen war gar nicht drin da ich den vermieter informiert und den untermietervertrag vorlegen musste. beim ersten mal hatte ich anschliessend bettwanzen. das alleine hat mich schon 500.- gekostet. wenn ich noch mal untervermiete mache ich das ganz anders!