Sammeln lohnt sich

23. April 2014 15:06; Akt: 23.04.2014 16:37 Print

Unterwäsche als Forschungsobjekt

Ein Gemeinschaftsprojekt der Uni Basel, der Hochschule für Gestaltung und Kunst (FHNW) und dem Kanton Baselland, beleuchtet das Textilarchiv des Unternehmens Hanro in Liestal.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Wäsche aus über 100 Jahren, Design und Markengeschichte werden in diesem dreijährigen Projekt in der Sammlung des Textilherstellers Hanro in Liestal erforscht. Der Schweizerische Nationalfonds unterstützt das Vorhaben mit 414'000 Franken.

Die Marke ist weltbekannt: Ab 1884 stellte Hanro in Liestal vor allem modische Unterbekleidung her. 1991 übernahm die vorarlbergische Huber Tricot das Unternehmen, Sammlung und Archiv von Hanro blieben aber in Liestal auf dem ehemaligen Firmenareal. Nun werden sie Stoff für die Wissenschaft, wie an einer Medienkonferenz vom Mittwoch zu erfahren war.

Archiv ist Rohdiamant

Die Hanro-Sammlung umfasst rund 20'000 Musterstücke aus der Produktion von 1884 bis heute. Hinzu kommen Entwurfszeichnungen, Stoffproben, Kataloge, Werbematerial und das Verwaltungsarchiv der Firma. Der Baselbieter Kantonsarchäologe Reto Marti sprach von einem «Rohdiamanten», der nun im Rahmen eines interdisziplinären Projekts erforscht werden soll.

Dafür zusammengetan haben sich das Seminar für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie der Universität Basel, das Institut Design- und Kunstforschung der Hochschule für Gestaltung und Kunst (FHNW) Basel sowie die Hauptabteilung Archäologie und Museum Baselland im Baselbieter Amt für Kultur.

Die Unaussprechlichen und ein Hauch von Nichts

Erforscht werden die Entstehung und Entwicklung der Marke «Hanro of Switzerland» und der Entwurfsprozess industrieller Textilien, deren Designer, anders als in der Haute Couture, anonym bleiben. «Zudem wird die kulturelle Bedeutung von Wäsche für Alltag und Initimität – früher wurden Unterhosen die Unaussprechlichen genannt – bis zum modernen Hauch von Nichts untersucht», so Ulrike Langbein vom Seminar für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie.

Bereits seit 2013 ist die Hanro-Sammlung auch Grundlage eines von Uni Basel und Kanton Baselland gestarteten Studienschwerpunkts zur Kulturanthropologie der Kleidung. Im Gange ist zudem ihre Erschliessung und Inventarisierung. Diese soll bis Jahresende abgeschlossen sein, denn 2015 gelangt die Sammlung als Schenkung an den Kanton Baselland.

(mj/sda)