Strafgericht BS

16. August 2019 21:55; Akt: 16.08.2019 21:55 Print

Messerstechender Dealer (30) wird ausgeschafft

Die Fünferkammer des Basler Strafgerichts verurteilte den Mann zu einer Freiheitsstrafe von über fünf Jahren und einem achtjährigen Landesverweis.

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Ein 30-jähriger brasilianisch-deutscher Doppelbürger wurde am Freitag wegen versuchter vorsätzlicher Tötung und gewerbsmässigen Verbrechens gegen das Betäubungsmittelgesetz zu fünf Jahren, fünf Monaten und 15 Tagen Freiheitsstrafe verurteilt sowie für acht Jahre des Landes verwiesen.

Der Mann hatte am 25. September 2018 einem angeblichen Einbrecher zehn Messerwunden am Rücken zugefügt. In der Folge war auch seine Tätigkeit als Drogendealer aufgeflogen.

Verteidigung wollte Ausschaffung verhindern

Die Staatsanwaltschaft hatte am Dienstag eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und vier Monaten sowie einen Landesverweis von zehn Jahren beantragt. Sie ging von gewerbsmässigem Drogenhandel und versuchter Tötung im Eventualvorsatz aus – beides Katalogdelikte, die eine Ausschaffung nach sich ziehen.

Die Verteidigung hatte hingegen argumentiert, der Beschuldigte habe sich lediglich «gegen einen Kriminellen gewehrt» und keinen Profit aus dem Drogenhandel geschlagen, sondern nur seinen Eigenkonsum gedeckt. Sie plädierte auf Notwehr und Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, zu bestrafen mit 18 Monaten bedingt. Auf einen Landesverweis sei zu verzichten.

Selbstjustiz ist keine Notwehr

Das Gericht nahm dem Beschuldigten die angebliche Notwehrsituation aber nicht ab. «Sie hielten das Opfer für die Täterschaft, die schon einmal bei Ihnen eingebrochen war, und wollten sie dingfest machen», sagte die Gerichtspräsidentin bei der Urteilsbegründung am Freitag. «Und jeder einzelne Stich hätte den Tod herbeiführen können, geschweige denn zehn.»

Weiter tadelte das Gericht die Argumentation der Verteidigung: «Bei Ihnen klingt das so, als wäre in der Schweiz jegliche Form von Selbstjustiz erlaubt. Nein. Selbstjustiz ist verboten», hiess es.

Den Drogenhandel hatte der Beschuldigte weitestgehend eingestanden, der Verteidiger bestritt aber die Gewerbsmässigkeit des Delikts. Doch auch hier gab es einen Schuldspruch. Das Gericht schloss sich der Meinung der Staatsanwaltschaft an, dass ein behaupteter Eigenkonsum von 300 Gramm Marihuana im Monat «völlig absurd» sei. Da der Beschuldigte über keine nennenswerten legalen Einkünfte verfüge, müsse er seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Drogen finanziert haben.

(las)