ÖV-Debakel in Basel

13. Juni 2019 18:25; Akt: 13.06.2019 18:37 Print

Angestellte mussten 37 Jahre Überstunden leisten

Das Personal der Basler Verkehrsbetriebe (BVB) ist überlastet. Allein in diesem Jahr sind schon 500 Fahrplanstunden ausgefallen. Die Führung schiebt die Verantwortung auf die Vorgänger.

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Bei den BVB fielen im laufenden Jahr schon 500 Fahrplanstunden aus – also 500 Stunden, in denen ein Tram oder ein Bus hätte fahren sollen und dies nicht tat. Der Grund dafür sind Personalprobleme.

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Die Ausfälle sind damit markant gestiegen. Im gesamten Vorjahr waren lediglich knapp 50 Fahrplanstunden ausgefallen. Zum Vergleich: Auf Anfrage geben die Verantwortlichen von Bernmobil an, dass bei ihnen in den ersten vier Monaten des Jahres gerade mal 13,5 Fahrplanstunden ausgefallen seien.

37 Jahre Überstunden

«Wir haben aktuell 50 Fahrangestellte zu wenig», führte Bruno Stehrenberger, Leiter der Abteilung Verkehr der BVB, am Donnerstag, 13. Juni vor den Medien aus.

Diesen Umstand habe er kurz nach seinem Amtsantritt im Herbst 2018 festgestellt. Seinem Vorgänger gegenüber habe die Bereichsleitung stets gesagt, dass alles in Ordnung sei. «Ich schätze, dass dieser Missstand seit zwei bis drei Jahren besteht», so Stehrenberger.

Eine Folge davon: Die rund 620 Mitarbeitenden mussten im grossen Stil Überstunden machen. Sage und schreibe 37 Arbeitsjahre haben sich bisher insgesamt an nicht kompensierten Überstunden angehäuft.

«Arbeitsbedingungen verglichen mit Flixbus gut»

Die BVB-Leitung arbeite daran, das fehlende Personal zu rekrutieren. «Wir brauchen bis Ende Jahr, um den Karren aus dem Schlamm zu ziehen», so Stehrenberger.

Ende 2018 veröffentlichten die BVB die Ergebnisse einer Mitarbeiterbefragung. Von 100 möglichen Zufriedenheitspunkten erreichten die BVB gerade einmal 61. Diese Werte bedeuteten einen neuen Tiefpunkt der Stimmung, die seit Jahren schlecht ist. Trotzdem sind die BVB nach wie vor überzeugt davon, ein guter Arbeitgeber zu sein. «Verglichen mit etwa Flixbus haben wir gute Arbeitsbedingungen», sagte Stehrenberger.

Dass die Direktion der BVB erst im Herbst 2018 Kenntnis vom massiven Personal-Unterbestand haben konnte, zweifelt VPOD-Gewerkschaftssekretärin Toya Krummenacher an: «Der VPOD hat BVB-Direktor Erich Lagler spätestens im Februar 2017 und bei weiteren Gelegenheiten persönlich darauf hingewiesen», sagt sie.

«Der Personal-Unterbestand bei der BVB ist für die Mitarbeitenden verheerend», so Krummenachers Fazit. Aus Sicht der Gewerkschaft hätte das Problem früher erkannt und entsprechend gehandelt werden können.

Angestellte verlieren das Vertrauen

Die jetzige Geschäftsleitung will mit mehr Transparenz und Nähe zu allen Mitarbeitenden die Situation entspannen. «Durch die neue personelle Zusammensetzung des Gremiums hat sich schon einiges verbessert» so Stehrenberger.

Ein Insider der BVB hat davon nichts bemerkt: «Niemand glaubt mehr an die leeren Versprechungen. Das wird sich auch mit Wechseln in der Chefetage nicht ändern.» Diese Aussage deckt sich mit der Mitarbeiterbefragung der BVB: Nur neun Prozent der Mitarbeitenden stimmten der Aussage, dass die Geschäftsleitung die Anliegen und Bedürfnisse der Mitarbeitenden ernst nimmt, voll zu.

(kom)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Yannick95 am 13.06.2019 19:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    katastrophe

    wenn man sich als schweizer unternehmen selbst mit flixbus vergleicht, dann müssen die arbeitsbedingungen ja richtig mies sein..

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  • ÖVneindanke am 13.06.2019 19:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur mal so

    Vergleicht doch mal mit Postbus oder einem anderen Verein von hier, da sieht es dann wahrscheinlich erbärmlicher aus.

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  • Name am 13.06.2019 18:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Titel

    Wenn ich mit 42 offiziellen Arbeitsstunde pro Woche und 4 Wochen Ferien rechne (keine Feiertage, kein Militär, keine Krankheiten, keine Weiterbildungen, nichts anderes) rechne, dann ergeben diese Zahlen 120 Überstunden pro Mitarbeiter. Ja, das ist viel. Aber hört sich viel weniger an als 37 Jahren.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martin B. am 14.06.2019 18:22 Report Diesen Beitrag melden

    BVB in schlechtem Zustand

    Die BVB hat sich allgemein in den letzten Monaten nach meinem Gefühl verschlechtert. - gerade wartete ich über eine Stunde auf ein Team - und es kam einfach keins. Obwohl die Anzeige die Trams angezeigt hat. - auf die Anzeige ist sowieso kein Verlass mehr, da die Trams auch früher abfahren. -ich verpasse regelmässig den Anschluss, da sich die Trams verspäten. Teilweise müssen auf einer Linie bis zu dreimal mit reduzierter Geschwindigkeit fahren. Das war früher immer eine Ausnahme! Wird das jetzt so weiter gehen? Ich bin entäuscht. Ich wünsche mir, dass die Linien neu ausgeschrieben

    • Kaa73 am 14.06.2019 21:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Martin B.

      Im 8 Minutentakt kommt Mittlerweilen am Tage ein Tram. Und Sie ärgern sich über Verspätungen? Also das nenn ich nun echt verwöhnt.

    • Martin B. am 15.06.2019 10:22 Report Diesen Beitrag melden

      Gleichgültigkeit

      Musste über eine Stunde warten und es kam auch dann noch kein Tram. Mich stört nicht in erster Linie das kein Tram kommt sondern die Gleichgültigkeit der BVB in ihrer Monopolstellung.

    • Per Zimmerli am 15.06.2019 16:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Martin B.

      Am 14.06. war einmal nicht die BVB schuld, dass sie über eine Stunde warten mussten....

    • Kaa73 am 15.06.2019 21:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Martin B.

      Klar, das wiederum versteh ich ;-)

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  • paku am 14.06.2019 18:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    BVB hat mehrere heftige Probleme

    Die BVB hat definiv ein heftiges Problem!!!! Nicht nur der Mangel an Personal, sondern auch bei lang vorher angekündigten Streiken, bringt es die BVB nicht auf die Reihe, reibungslos und rechtzeitig klare Informationen über eine Umleitung die Kundschaft zu informieren. Bedenklich!!!

    • Martin B. am 14.06.2019 19:07 Report Diesen Beitrag melden

      Das war heute schlecht

      Aus meiner Sicht hat die BVB nichts unternommen und nicht richtig informiert. Früher konnte die BVB das sehr gut und auch bei grösseren Anlässen (Fasnacht) Bin sehr enttäuscht Was denken wohl die vielen Art Touristen?

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  • Thomas von Wal am 14.06.2019 17:42 Report Diesen Beitrag melden

    Führungsproblem

    Klassisches Führungsproblem. Und ich wette, dieselbe Führung führt am kommenden Montag wieder wie gewohnt.

    • Ab Taucher am 15.06.2019 16:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Thomas von Wal

      Nö, die weilen wahrscheinlich in den Ferien, während dem sich das Fahrpersonal zu Tode schuftet. Oder warum nimmt den der Herr Direktor keine Stellung dazu? Und das schon seit Tagen nicht!

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  • Thomas Basler am 14.06.2019 17:39 Report Diesen Beitrag melden

    Viel, viel Überzeit :-)

    Das Problem hat sich wohl über die vergangenen drei Jahre angebahnt. Tatsächlich haben die BVB gemäss Webseite über 1200 Mitarbeitende. Somit rund 20 Minuten Überzeit pro Woche pro Mitarbeiter. Die armen Kerle und Kerlinnen dieses Staatsbetriebes müssen förmlich abgerackert und müde sein. Stellt Euch vor, sie arbeiten in einem privaten Unternehmen - dort hätten sie Null Überzeit...!

  • Bahnfahrer am 14.06.2019 15:56 Report Diesen Beitrag melden

    Miesester ÖV-Betrieb

    Also für mich sind die Basler vetterliwirtschafts Betriebe BVB das schlechteste ÖV-unternehmen der ganzen CH. Man hört undliest vieles gerade erst die ausserordentliche Baustelle am Bankverein, jetzt diese Geschichte mit den Überstunden. Immer wird gespart und gewurstelt auf dem Buckel der Mittarbeiter. Die Chefetage gehört endlich komplett ausgemistet damit das Betriebsklima verbesset werden kann.