Baselbieter Wahlen

27. März 2011 14:48; Akt: 27.03.2011 22:22 Print

Verluste der FDP - Grüne neu in der Regierung

Im Kanton Basel-Land schafft der bisherige SVP-Regierungsrat Jörg Krähenbühl die Wiederwahl überraschend nicht. Im Landrat hingegen gewinnt die SVP Sitze.

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Der neue Grüne Regierungsrat Isaac Reber bekommt Applaus. Mit ihm zieht die Partei erstmals in die Exekutive des Kantons ein. (Bild: Keystone)

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Im Kanton Basel-Landschaft kommt es zu einer Überraschung. Bei den Regierungsratswahlen erreicht der grüne Kampfkandidat Isaak Reber das viertbeste Resultat, noch vor zwei bisherigen Exekutivmitgliedern. Dem bisherige FDP-Finanzdirektor Adrian Ballmer reicht es noch für einen Sitz in der Regierung. Der bisherige SVP-Baudirektor Jörg Krähenbühl wird hingegen unerwartet abgewählt. Mit der Wahl Rebers ziehen die Grünen erstmals in die Baselbieter Regierung ein, während die SVP als stärkste Partei des Kantons nicht mehr in der Exekutive vertreten ist.

Bei der Sitzverteilung im Landrat, dem kantonalen Parlament, konnten die Grünen jedoch nicht markant zu legen. Sie stellen neu 12 Sitze (+1). Da die SP jedoch einen Sitz verlor (neu 21 Sitze), ergibt sich total keinen Gewinn für das linke Lager. Bei den Bürgerlichen musste die FDP eine herbe Niederlage einstecken. Sie verlor 6 Sitze und stellt neu noch 14 Parlamentarier. Die CVP verlor 3 Sitze (neu 8). Zulegen konnten hingegen die SVP (+3, neu 24), die neu stärkste Fraktion ist, sowie die BDP, die auf Anhieb 4 Sitze errang. Die Grünliberale Partei, die im Kanton ebenfalls zum ersten Mal antrat, kommt auf 3 Sitze. Die EVP hält unverändert 4 Sitze, die SD verliert ihren einen Sitz.

Kein Atom-Effekt

Die Ergebnisse im Landrat deuten darauf hin, dass die Wahlen nicht von der Atomdebatte geprägt waren. Das gilt vermutlich auch für den Sieg Rebers. Der neu gewählte Regierungsrat hat den Ruf eines pragmatischen Politikers, der bis ins bürgerliche Lager hinein akzeptiert ist. Er hat einen sehr frühen und aktiven Wahlkampf geführt, während die bisherigen Regierungsmitglieder kaum präsent waren. 2007 kandidierte Reber bereits einmal für ein Sitz in der fünfköpfigen Exekutive, erreichte damals aber nur gut 20 000 Stimmen, 9000 weniger als Krähenbühl, der damals als fünftplatzierter gewählt wurde. Seither war Reber jedoch politisch sehr präsent.

Krähenbühl hat mit seiner Arbeit in der Bau- und Umweltschutzdirektion Kritikern kaum Angriffsfläche geboten. Vielmehr gab es in Basel-Landschaft eine allgemeine Verdrossenheit über die bisherigen Regierungsräte. Zudem hat der FDP-Finanzdirektor Ballmer mit schlechten Kantonsfinanzen zu kämpfen, was sein schlechtes Abschneiden erklären dürfte. Die Abwahl Krähenbühls ist kein Votum gegen die SVP. Diese dürfte gemäss vorläufigen Resultaten einige Sitze zulegen und wahrscheinlich künftig die Stärkste Fraktion im Landrat stellen.

Keine Chance für SP-Kampfkandidatin

Das beste Resultat erzielte FDP-Sicherheitsdirektorin Sabine Pegoraro (31'148 Stimmen), vor SP-Bildungs- und Kulturdirektor Urs Wüthrich (30'138) und CVP-Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektor Peter Zwick (29'829). Der Grüne Reber (28'444) liegt auch noch vor FDP-Finanzdirektor Adrian Ballmer (27'028).

Hinter diesen fünf Gewählten folgt Krähenbühl (25'946) mit über tausend Stimmen Abstand. SP-Kampfkandidatin Pia Fankhauser (24'398) folgt als letzte offizielle Kandidatin. Das absolute Mehr von 21'908 Stimmen haben auch sie übertroffen; gewählt sind jedoch jeweils nur die fünf Bestplatzierten.

Auffällig sind neben einer tiefen Wahlbeteiligung von rund einem Drittel und die mit rund zehn Prozent recht zahlreichen Protest-Stimmen für «Diverse», die nicht offiziell kandidierten.

(mdr/lha/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Claudia am 27.03.2011 16:57 Report Diesen Beitrag melden

    Schilderwald: Hab es satt.

    Vielleicht hatten gewisse einfach genug weil sie monatelang in einem vollkommen übertriebenen Masse mit Wahlplakaten und Transparenten zugemüllt wurden. Allschwil zb. sah grauenhaft aus mit diesem Schilderwald. Man hat sich als Einwohner bloss noch genervt. Da muss man sich auch nicht mehr wundern wenn die Leute es satt haben und nicht zu den Wahlen gehen.

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  • Jakob Studer am 27.03.2011 19:13 Report Diesen Beitrag melden

    Weg aus der Exekutive? Macht nix.

    Das die Angstpartei in der Exekutive nicht mehr vertreten ist, ist irrelevant! Mit schaudert vor den zukünftigen Debatten im Parlament, wo die Angstpartei wohl weiterhin beitragen kann, dass das politische Niveau weiterhin sinken wird.

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  • Kl. M. am 27.03.2011 20:32 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich Richtungswahlen 2011

    Die Atomkatastrophe in Japan hat nicht den Ausschlag für die längst fällige Erneuerung in BL gegeben. Das ist ganz einfach ehrliche Politik im Interesse der Sache und nicht von Parteien und Interessengruppen. Schade, dass FDP & CVP und SVP im Landtag nicht mehr zur Kasse gebeten worden sind. Dass hierzulande erst nach dem Gau in Japan eine eigentliche Energiedebatte stattfinden kann, ist das eigentlich Schlimme. Wir brauchen den Wandel und die Erneuerung für unsere aller Zukunft und im Interesse einer nachhaltigen Sachpolitik. Weiter so.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hans Muster am 28.03.2011 12:36 Report Diesen Beitrag melden

    Japan-Effekt

    Dass der Japan-Effekt dem Herrn Reber nicht geholfen hat ist wohl unvorstellbar. Trotzdem darf man als SVPler nicht heulen. Die SVP hat bei der Minarett-Initiative auch von der Geiselnahme in Libyen profitiert. Nun profitieren die Grünen von einer Atom-Katastrophe bei einer Wahl. Des einen Leid des anderen Freud... Schlussendlich gilt auch zu sagen, dass Wahlen wesentlich weniger wichtig sind in unserem Land als Abstimmungen, da das Volk der Souverän ist. Dies kann man auch mit der tiefen Stimmbeteiliung bei Wahlen deuten.

    • dora mince am 28.03.2011 18:27 Report Diesen Beitrag melden

      Jürg Krähenbühl nicht die SVP

      Jürg Krähenbühl hat eine höchstpersönliche Quittung bekommen und hat nichts mit der SVP zu tun.

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  • Patty am 28.03.2011 11:35 Report Diesen Beitrag melden

    Falscher Zeitpunkt

    Die Wahlen fanden zum falschen Zeitpunkt statt. Wäre die Atomkatastrophe die darauf ausbrechende Angst vor Atomenergie nicht ausgebrochen, wären die Grünen nicht so erfolgreich gewesen. Schade, dass wir es für nötig halten das Leiden der Menschen in Japan für politische Zwecke zu missbrauchen... damit geht es den Menschen dort nicht besser!

  • realist am 28.03.2011 10:54 Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Medien ...

    Ich gratuliere euch zu Euren Politikern eurer Wahl!! Bei eurer Panikmache musste es ja überall so kommen! Problem ist nur: in 6 Monaten spricht niemand mehr von Japan, aber diese Politiker haben wir jetzt 4 Jahre im Amt.

  • JimJim am 28.03.2011 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Grüner Kommunismus

    Ich freue mich jetzt schon auf die Unternehmen welche von Baden-Württemberg in die Schweiz wechseln weil es massive Steuererhöhungen gibt, der Strom nicht mehr zu bezahlen ist und die Gesetze so einschränkend wirken dass die Unternehmen auf Knien zu uns kommen!

  • Silver am 28.03.2011 10:27 Report Diesen Beitrag melden

    Abwarten und Tee trinken

    Der grüne Hype wird vergehen, wenn die Bevölkerung in Sachen Strom persönlich zur Kasse gebeten wird. Und erst recht, wenn stromintensive Unternehmen vielleicht die Produktion in günstigere Länder auslagern. Oder noch schlimmer: noch mehr über die Privathaushälte subventioniert werden, was heute schon der Fall ist. Nichts desto trotz ist es richtig über die Sache objektiv nachzudenken. Aber wehret den Anfängen und lasst den in Scharen auftretenden Schmarotzern und Trittbrettfahrern keine Chance/Subventionen.