Hoffen auf Regen

11. November 2015 07:32; Akt: 11.11.2015 11:43 Print

Viele Basler Wirte leiden unter schönem Wetter

Das anhaltend gute Wetter treibt die Menschen nach draussen. Doch wer eine schattige oder gar keine Gartenterrasse besitzt, hat nichts vom Geschäft – im Gegenteil.

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«Es ist kein gutes Jahr für viele Basler Gastronomen», sagt Wirteverband-Sprecher Maurus Ebneter. Trotz heissem Sommer und frühlingshaftem Herbst sind lange nicht alle Gastronomie-Betriebe glücklich. «Vom guten Wetter profitieren nur Betriebe mit einem grossen Aussenbereich.»

Dem Gros der Basler Gastro-Betriebe sei dies aber nicht vergönnt. «Bei den heissen Sommertemperaturen gingen die Leute lieber ins Gartenbad als in die Stadt», so Ebneter. Die Gäste, die ins Restaurant kamen, hätten mehrheitlich Getränke konsumiert und leichte Kost gegessen.

Und wer in diesen Tagen keine sonnigen Aussenplätze zur Verfügung stellen kann, hat es ebenfalls schwer. «Wir haben keine Terrasse, das macht das Geschäft nicht einfach», sagt Gerardo Rosamilia vom Restaurant Rebstock. Laut Ebneter setzten sich die Menschen ab 14 Grad nach draussen. Doch bei diesen Temperaturen müsse es auch Sonne haben. So blieben Terrassen im Schatten meist ebenfalls leer.

«Ich hoffe auf Regen»

Die Herbstmesse 2015 war für die Bahnen- und Standbetreiber sehr erfolgreich. Die milden Temperaturen trieben Hunderttausende auf die Veranstaltungsplätze. Auf der Strecke blieben dabei die umliegenden Restaurants, die sonst während dieser Zeit viele Gäste haben. «Viele Messebesucher verpflegten sich direkt draussen an den Marktständen und verzichtete auf den Restaurantbesuch», so Ebneter. Es sei zu warm gewesen. Am besten sei, wenn es zwar schön, aber kalt sei.

Carlo Reuss ist Inhaber und Geschäftsführer des Restaurants Altes Warteck, das nur unweit des Basler Messplatzes entfernt liegt, bestätigt dies. Sein Geschäft konnte während der Herbstmesse nur durch die Gäste der Herbstwarenmesse gerettet werden. «Da es viele Leute waren, die viel getrunken haben, glich sich die Rechnung einigermassen aus.» Nun aber hofft er auf kühlere Temperaturen. «Ich schaue jeden Tag zum Himmel und hoffe auf Regen.»

Die meisten Restaurants im Kleinbasel seien Kaltwetterbetriebe und verfügten über wenige bis keine Aussenplätze. Nun hoffen sie auf einen Wetterumschwung. An der gesellschaftlichen Tendenz, auf der Terrasse zu sitzen, wird sich aber auch in den nächsten Jahren nichts ändern.

Leute sitzen gerne draussen

Die Gewohnheit, bei Gelegenheit draussen zu sitzen, sei erst in den letzten 30 Jahren aufgekommen, sagt Maurus Ebneter. «Früher sass man durchschnittlich 100 Tage im Jahr draussen, heute ist es das Doppelte.» Das habe mit dem Lebenswandel der Gesellschaft und einer spürbaren Mediterranisierung zu tun. Deshalb seien Gastro-Betriebe stark auf attraktive Aussenplätze angewiesen.

Die meisten Gastronomiebetriebe in den Boulevard-Zonen in der Steinenvorstadt und der Rheingasse besitzen eine Ganzjahresbewilligung für die Allmendnutzung. Dass das ganze Jahr über draussen bewirtschaftet wird, scheint aber noch nicht lukrativ. Denn laut dem Tiefbauamt sind Wärmelampen im Winter in Basel aus energetischen Gründen verboten.

(mak)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kari am 11.11.2015 08:01 Report Diesen Beitrag melden

    Leiden

    Die Wirte leiden unter gutem Wetter, sie leiden unter schlechtem Wetter, sie leiden unter der Eurokrise, sie leiden unter dem Tourismus... ja leider leiden die Leiden immer ein wenig.

  • Markus Trummer am 11.11.2015 08:05 Report Diesen Beitrag melden

    Jammer Jammer

    Nun ist das schöne Wetter schuld, nächstes Jahr regnet es dann zuviel, so dass die Leute nicht aus dem Haus gehen übernächstes Jahr sind die Ferien zu lange, und und und

  • Sommermensch am 11.11.2015 08:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jammern

    Immer nur jammern. Bei Regen sind's dann die mit Terrasse...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Franz Müller am 14.11.2015 21:05 Report Diesen Beitrag melden

    Es "tötelet+ halt in vielen Beizen..

    Die Zeiten, als ich auch gerne und lange in Beizen sass, ist vorbei. Es gibt nicht einen Grund, aber viele. Vermisse die Originale, die mit träfen Sprüchen, Witz und Humor die halbe Beiz unterhalten konnten. Selbst in meiner Stammbeiz im Brune Mutz am Barfi, "tötelet" es oft, nicht nur tagsüber. Viele glotzen nur starr ins Bier, sagen keinen Ton, machen ein mürrisches, finsteres Gesicht. Die anderen "fingerlen" endlos am Handy rum. Deshalb lade ich gerne gute Freunde ein, wir reden über Gott und die Welt. Macht Spass, und ist erst noch viel billiger. Wir teilen die Kosten.

  • Manuel am 12.11.2015 10:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Schweizer Preise sind zu hoch

    Ich war selber Wirt und denke, dass das problem nicht am Wetter liegt sonder wir wohnen zu nahe an de und fr sogar eine Tram linie die unsere Bürger bequem über die Grenze fahren wo alles viel günstiger ist. In Basel ist es viel zu teuer alles drumherum. Alles wird in Deutschland konsumiert Rest, Supermarkt, Coiffeur, Hallenbad etc Schweizer Wirtschaft geht kaputt

  • vladimir am 11.11.2015 23:17 Report Diesen Beitrag melden

    Eindruck

    Als ich damals in die Schweiz kam, wunderte ich mich, wieso die Schweizer so gern indoors weilen. Bei wunderschönem Wetter, niemand in den schönen Gärten, wo sind die Leute? Jetzt sehe ich, dieser Eindruck war ganz falsch.

  • Dominique am 11.11.2015 20:38 Report Diesen Beitrag melden

    Viele Gäste leider auch

    ...und die Gäste leiden vor allem unter den überteuerten Preisen. Über 5.- für eine Tasse heisses Wasser mit einem Teebeutel dazu, 30.- aufwärts für ein Schnitzel, und und und...

  • Pauli am 11.11.2015 18:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer jammert so spät

    In der Schweiz gibt es einen Wettkampf im jammern! Zur Zeit liegen die Wirte in Führung sie sind aber hart bedrängt von den Landwirten. Wahrscheinlich liegt es am Wortstamm "Wirt"