Basel

31. Januar 2019 05:44; Akt: 06.02.2019 11:21 Print

Vor diesem Blitzer ist nicht mal das Tram sicher

Im St. Alban-Graben in Basel steht zurzeit der fleissigste Blitzer der Schweiz. Neben fehlbaren Automobilisten blendet er allerdings auch im Akkord Tramchauffeure.

Im St. Alban-Graben gibt es jetzt sogar den Fotobeweis von verspäteten Trams – und von jedem pünktlichen natürlich auch. (Video: 20 Minuten/Leser-Reporter)
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17 Mal pro Stunde fährt tagsüber im Schnitt ein Tram vom Bankverein zum Basler Kunstmuseum. Und bei praktisch jeder Durchfahrt wird ein Fotobeweis elektronisch zur Polizei übermittelt: Die Radaranlage im St. Alban-Graben, die primär zur Durchsetzung des dort geltenden Fahrverbots aufgestellt wurde, unterscheidet nicht zwischen Auto und Tram.

Alles, was die Stelle mit mehr als 10 Stundenkilometern passiert, wird geblitzt. «Eine Unterscheidung zwischen verschiedenen Fahrzeugkategorien ist technisch nicht möglich», erklärt Polizeisprecher Toprak Yerguz. Die Basler Verkehrs-Betriebe wurden von der Polizei vorgewarnt. «Der Fahrdienst ist über die Leitstelle entsprechend informiert worden», erklärt BVB-Sprecher Benjamin Schmid auf Anfrage.

«Drämmli, Drämmli, Drämmli. Drämmli,
Drämmli, Drämmli, Drämmli, Drämmli,
Drämmli, Drämmli, Drämmli, Drämmli,
Jä – Drämmli di blitz y nämmli.»

Das Geblitze dürfte für das Fahrdienstpersonal ärgerlich sein, im Gegensatz zu betroffenen Autofahrern bleibt es aber ohne Folgen. Das Fahrverbot im St. Alban-Graben gilt wegen des Baus des Kunstmuseum-Parkings und der Umgestaltung der Kreuzung. Sobald die Baustelle Ende März in Vollbetrieb geht, fährt nicht einmal mehr das Tram durch.

«Fahren blind durch die Gegend»

Mindestens so oft wie das Drämmli werden an besagter Stelle nach wie vor Autos geblitzt. Deren Lenker haben, wenn sie von der Elisabethenstrasse her kommen, schon mindestens vier Fahrverbote ignoriert (20 Minuten berichtete). Das erstaunt Marco D'Amico, Präsident des Fahrlehrerverbands Basel, überhaupt nicht. «Wir fahren blind durch die Gegend», sagt er. «Gerade beim Lesen von Verbotsstafeln tun wir uns schwer.» Als Grund für diese Immunität gegen geänderte Verkehrsführungen vermutet D'Amico in erster Linie die Macht der Gewohnheit.

Der Blitzer im St. Alban-Graben ist kein Einzelfall. In Allschwil, wo die Baslerstrasse erneuert wird, werde die Signalisation ebenso missachtet. Tagsüber stehen dort vier Mitarbeiter eines Verkehrsdienstes und hätten alle Hände voll zu tun, berichtet D'Amico. «Es fahren ihnen ständig Leute entgegen, obwohl sie gar nicht dürften.»


Wie das Fahrverbot in der Elisabethenstrasse und im St. Alban-Graben systematisch missachtet wird, sehen Sie hier. (Video: 20 Minuten)


Was und wann in Basel 2019 gebaut wird, sehen Sie auf der interaktiven Karte.

(lha)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anton Parkplatz am 31.01.2019 08:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verkehr überdenken

    Man sollte etwas ändern und die Automobilisten nicht ständig gängeln. Viele Schweizer Städte in unserem Land sind darin Weltmeister. Einspurige Verkehrsführung, Rückbau von ehemals funktionirenden Verkehrsadern mit Steuergeldern. Aufheben von Parkplatzfächen, Barrieren um den Verkehrsfluss zu behindern usw. Also ist der Fahrer schon zu Fahrantritt gestresst. Hinter jedem Busch ist jemand der mein Geld will. Zumal nichts der Luftreinheit diehnt und der Stau unsere Luft verpestet.

    einklappen einklappen
  • Nobody am 31.01.2019 06:59 Report Diesen Beitrag melden

    Blechpolizei ersetzt Homosapiens

    Dachte ich es mir doch. Es ist ein Fahrverbotsblitzer und hat absolut nichts mit der 30er-Zone zu tun.

  • Knuzerich am 31.01.2019 07:56 Report Diesen Beitrag melden

    Basel = Verkehrsghetto

    Es wird so viel gebaut in Basel, aber die teilweise chaotische Verkehrsführung wird nicht besser, die Verkehrsteilnehmer sind oft völlig überfordert und folglich geht es manchmal wie im wilden Westen zu. Gefühlt mehr als woanders, wird man in Basel völlig willkürlich von links und rechts von Velos geschnitten, Schilder werden ignoriert, Leute latschen nachts in schwarzer Tarnkleidung quer über die Strasse. Die Trams passen teilweise nicht einmal mehr vor die Haltestellen, was regelmässig zu gefährlichen Situationen führt Ghetto! Andere Schweizer Städte haben das definitiv besser im Griff.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mätte am 31.01.2019 13:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade 

    Geldmacherei. Basel wird immer teurer und unbewohnbarer. Schade wird meine herzensstadt so kapput gemacht

  • Arthur Weisfeld am 31.01.2019 10:59 Report Diesen Beitrag melden

    Ist euch Basler langweilig?

    Trämli blitzen, so was gibts auch nur in Basel. Und wer sucht die falschen (Trämlifotos) von den echten aus? Und vor allem: Wer bezahlt das? Stellt diesen potthässlichen Anhänger mit Fotoapparat wieder weg.

  • Velofahrer am 31.01.2019 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    Tram-Raudis

    Wie ist das jetzt, müssen die Trams die Busse auch bezahlen, wegen zu schnellen fahren oder wie? Immer dieses Raudis mit ihren Trams!

  • Nanuk am 31.01.2019 10:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Widersprüchliche Signalisation!

    Mal davon davon abgesehen, das die meisten gar nicht erst bis zur Ampel fahren dürften, suggeriert die Ampel, dass man geradeausfahren darf. Und steht man zuvorderst an der Ampel ist das blaue Schild nicht zu sehen, weil es zu weit hinten ist!

  • Leser am 31.01.2019 10:20 Report Diesen Beitrag melden

    Überwachung

    Jeder über 10km/h wird geblitzt . Ist Systematisch. Glaube nicht, ob dies vor Gericht standhält wenn dies nicht der Staat ist um Bussgelder zu generieren. Bei Video/Foto-beweisen in Mordfällen, würden diese sicher nicht zugelassen.