Basel

21. März 2020 16:17; Akt: 21.03.2020 16:17 Print

Vor einem Jahr wurde Ilias (7) kaltblütig ermordet

Am 21. März 2019 erschütterte die kaltblütige Ermordung des siebenjährigen Schülers auf offener Strasse die ganze Schweiz. Heute ist der Fall juristisch beinahe aufgearbeitet.

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Bis zum heutigen Tag schmücken Blumen und Karten den Tatort am St. Galler-Ring, wo Ilias (7) am 21. März 2019 kaltblütig erstochen wurde. Der Bub war auf dem Nachhauseweg vom Gotthelfschulhaus, als er von A.F. hinterrücks mit einem Messer angegrriffen wurde. ein Jahr danach steht die auch die strafrechtliche Aufarbeitung der Tat kurz bevor. Am 1. April beginnt die Hauptverhandlung vor dem Basler Strafgericht, das auch während der Corona-Krise weiterhin tagt. Die Pandemie hat das öffentliche Leben weitgehend stillegelegt in der Schweiz, nicht aber den Rechtstaat. Für die Eltern, wahrscheinlich aber genauso für sein ehemaligen Klassenkameraden, Freunde und die Öffentlichkeit im Allgemeinen, die am Schicksal des Buben Anteil genommen hat, ist dies für die Verarbeitung der Tat wichtig. Die Anteilnahme der Bevölkerung nach der Bluttat war riesig. An einem Trauermarsch zwei Tage nach der Tat haben weit über 1000 Menschen teilgenommen, die ein Meer von Blumen und Kerzen niederlegten. Der Bub wurde später im Kosovo beigesetzt. In Basel verabschiedeten sich Hunderte im Rahmen eines Trauermarsches. Im Januar 2020 lag die Anklageschrift gegen die geständige Täterin A.F. vor. Die Frau wird wegen Mordes angeklagt. Die Staatsanwaltschaft beantragt eine Verwahrung. F. lag jahrzehnte im Streit mit den Behörden und fühlte sich ungerecht behandelt. Sie sprach von einer «Justizkorruptionsaffäre». In ihren Schreiben kündigte sie wiederholt eine Gewalttat an, um sich Gehör zu verschaffen. Ihr Opfer habe sie laut der Staatsanwaltschaft zufällig ausgesucht. Seit dem Tag der Tat befindet sie sich in Untersuchungshaft. Im April wird sie sich wegen Mordes vor dem Strafgericht des Kantons Basel-Stadt verantworten müssen.

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Am 21. März 2019 wurde der kleine Ilias (7) auf dem Nachhauseweg von der Schule am St. Galler-Ring in Basel jäh aus dem Leben gerissen. Am Samstag jährt sich die Bluttat. Und ein Jahr danach steht die auch die strafrechtliche Aufarbeitung der Tat kurz bevor. Am 1. April beginnt die Hauptverhandlung vor dem Basler Strafgericht, das auch während der Corona-Krise weiterhin tagt. Die Pandemie hat das öffentliche Leben weitgehend stillegelegt in der Schweiz, nicht aber den Rechtstaat.

Für die Eltern, wahrscheinlich aber genauso für sein ehemaligen Klassenkameraden, Freunde und die Öffentlichkeit im Allgemeinen, die am Schicksal des Buben Anteil genommen hat, ist dies für die Verarbeitung der Tat wichtig. Bis zum heutigen Tag schmücken Blumen und Karten den Tatort. Wird Ilias Mörderin A.F.* Reue zeigen?

Jahrzehntelanger Streit mit Behörden

Das ist unwahrscheinlich. A.F. sieht sich als Opfer der Behörden, die Tötung des Kindes erachtete sie als «legitimes Mittel», um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Die 76-jährige, so viel gibt die Anklageschrift preis, leidet an einer chronischen, wahnhaften Persönlichkeitsstörung, die sie über Jahrzehnte entwickelte. Seit 1977 befand sich die Frau in einem andauernden Clinch mit den Behörden.

Sie und ihr 1999 verstorbener Lebenspartner R.R.* sahen sich als Opfer einer korrupten Justiz, die sie für alles verantwortlich machten, was ihnen widerfuhr. Eine eigene Mitschuld an den Konflikten mit Vermietern, Gläubigern oder Behörden zogen sie allerdings nie in Betracht. Das zeigen mehrere hundert Seiten Korrespondenz, die zur «Justizkorruptionsaffäre» im Bundesarchiv in Bern lagern. Von Behörden bis zum Nationalratspräsidenten verlangten sie mit pseudo-juristischen Einschreiben unermüdlich Rehabilitation. Immer wieder drohten sie, notfalls zu Waffengewalt zu greifen. Wozu es bis am 21. März 2019 aber nie kam.

Geständnis Tage im Voraus formuliert

Die Tötung von Ilias soll sie kaltblütig geplant haben. Schon Tage vor der Bluttat formulierte sie ein entsprechendes Geständnis auf ihrem Handy, das sie aber wieder gelöscht hatte. Die Gegend um das Gotthelfschulhaus hatte sie tagelang ausgekundschaftet. Am Mittag des 21. März habe sie sich dich dann mit «heimtückischer und direkter Tötungsabsicht» Ilias von hinten mit dem Messer in der Hand genähert und dem «wehr- und völlig ahnungslosen» Bub gezielt von hinten in den Hals gestochen. Er habe sich noch umgedreht, worauf F. ihm «kaltblütig» einen weiteren Stich versetzt haben soll.

Nach der Tat versandte sie ein SMS an ihr Umfeld. «Hoi ihr Lieben. Habe ein Kind getötet.» Dann stellte sie sich der Staatsanwaltschaft und legte ein Geständnis ab. In den Einvernahmen wollte sie zunächst eine Affekthandlung geltend machen. Dies konnte ihr die Staatsanwaltschaft, nicht zuletzt aufgrund der Auswertung ihres Handys widerlegen. Aufgrund ihrer schwerwiegenden psychischen Erkrankung ist A.F. aber schuldunfähig. Gegen ihre Abkklärung und die Verlängerung der Untersuchungshaft kämpfte sie erfolglos bis vor Bundesgericht.

Die Staatsanwaltschaft beantragt ihre Verwahrung.

*Name der Redaktion bekannt

(lha)