Riehen BS

10. Januar 2019 17:31; Akt: 15.01.2019 10:32 Print

Vorbestrafter Pfarrer soll neue Stelle bekommen

Er massierte mehreren Jungen über Jahre hinweg die Füsse und wurde wegen sexueller Handlungen an einem Kind verurteilt. Nun soll der Pfarrer erneut seinen Beruf ausüben können.

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Riehen soll einen neuen Pfarrer bekommen. Dafür schlug die Pfarrwahlkommission der Pfarrei St. Franziskus Stefan K.* vor. Auch Felix Gmür, Bischof von Basel, stimmte der Wahl zu. Damit wären die Voraussetzungen für die stille Wahl zum Pfarrer eigentlich gegeben, hätten sich nicht 132 Bürger mit ihrer Unterschrift gegen K. als neuen Pfarrer gewehrt.

Denn dieser ist vorbestraft. In Aadorf TG war er im Jahr 2012 wegen sexueller Handlungen mit einem Jungen verurteilt worden, berichtet die «Aargauer Zeitung». Er soll mehreren Schülern seiner Religionsklassen die Füsse massiert haben. Als dies auskam, wurde er sofort dispensiert und kündigte kurze Zeit später seine Stelle.

«Ich kann die Zukunft nicht voraussehen»

Im Strafbefehl hiess es, zwischen K. und seinen Schülern sei es zwischen den Jahren 1999 und 2010 immer wieder zu körperlichem Kontakt gekommen und einmal sei dabei «die Grenze zur Strafbarkeit» überschritten worden. Der Pfarrer legte dagegen keinen Rekurs ein. Während dieser Zeit war der Gottesmann nebst in Aadorf auch in Döttingen AG tätig.

Drei Jahre lang war er auf Bewährung, danach begann K. ab und zu, als Aushilfspfarrer in Riehen zu arbeiten. Nun schlug ihn die Pfarrwahlkommission schliesslich als Pfarrer vor. Da sich aber mehr als 100 Bürger via Unterschrift gegen seine Wahl gewehrt haben, kommt es nicht zur stillen, sondern zu einer Urnenwahl.

Bischof Gmür verteidigt den Entscheid des Wahlkommission: «Zum konkreten Fall liegen mir vier Gutachten vor. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Mann erneut einen Übergriff begeht, befinde sich auf einer Skala von 1 bis 9 bei 1, heisst es da. Aber natürlich: Ich kann die Zukunft nicht voraussehen.»

* Name der Redaktion bekannt

(doz)