Betreuer entlassen

10. März 2019 17:15; Akt: 10.03.2019 17:16 Print

«Prekäre Bedingungen in Schweizer Kitas»

Die Kündigung eines Kita-Betreuers löste grosse Anteilnahme aus. Nun meldet sich auch die Gewerkschaft VPOD, um auf die Situation in der Branche aufmerksam zu machen.

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Die Geschichte eines jungen Vaters, der seine Stelle als Betreuer in einer Kita verlor (20 Minuten berichtete), weil er sich um sein krankes Baby kümmerte und selbst krank wurde, schlug vergangene Woche hohe Wellen.

Nach 30 Tagen Sperrfrist erreichte den 26-Jährigen die Kündigung. Besonders erschüttert zeigte sich der Betroffene über die Behandlung, welche er infolge seines ärztlich angeordneten Arbeitsausfalls erfahren hatte: So sei es in der Zeit während des Ausfalls trotz seiner Bemühungen nie zu einem klärenden Gespräch zwischen ihm und seinem Arbeitgeber gekommen.

Auch Samira Marti (25), SP-Nationalrätin und Präsidentin der Gewerkschaft VPOD Region Basel, war betroffen von der Geschichte und meldete sich bei 20 Minuten. Sie gibt an, dass die Kita-Branche in der Schweiz kein einfaches Pflaster ist: «Das Problem scheint auf den ersten Blick exemplarisch zu sein», sagt Marti in Bezug auf die Situation, in der sich der betroffene Vater wiederfand. «In der Schweiz herrschen prekäre Arbeitsbedingungen in Kitas. Das Personal ist schlecht bezahlt und oft strukturell zu knapp bemessen.» Darum seien viele Kitas nicht auf die Situation vorbereitet, dass jemand über einen längeren Zeitraum ausfalle.

«Arbeitgeber muss auf Notsituation Rücksicht nehmen»

Ob die Kündigung in diesem Fall missbräuchlich sei, lasse sich ohne Einblick in die Unterlagen und die ganze Vorgeschichte nicht beurteilen. Jedoch sei der Arbeitgeber dazu angehalten, in Situationen wie diesen Verständnis zu zeigen: «Grundsätzlich muss der Arbeitgeber auf solche Notsituationen Rücksicht nehmen, das ist Teil seiner Fürsorgepflicht.»

Weiter bemerkt Marti, dass es durchaus so sei, dass die Formulierung «aus betrieblichen Gründen» bei Kündigungen oftmals anderen Gründen vorgeschoben werde. Dies sei unter anderem aufgrund der Beschaffenheit des Arbeitsrechts in der Schweiz möglich: «Tatsache ist: Wir haben in der Schweiz ein liberales Arbeitsrecht mit einem schwachen Kündigungsschutz», so Marti.

Betroffene erhalten Unterstützung von Gewerkschaften

Hilfe könnten Betroffene etwa von Seiten der Gewerkschaft erwarten: «Wir als VPOD Region Basel bieten unseren Mitgliedern Hand für Rechtsberatung in solchen Fällen und unterstützen Betroffene.»

(jes)