Schiesserei in Basel

10. September 2018 12:02; Akt: 10.09.2018 12:02 Print

Angeklagter dreimal nach Albanien abgeschoben

Nur ein mutmasslicher Täter konnte nach der tödlichen Schiesserei im Café 56 angeklagt werden. Der zweite Mann ist bis heute auf freiem Fuss. Die Anklage steht jedoch auf wackligen Beinen.

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Am 10. Dezember 2018 startet die auf vier Tage angelegte Verhandlung um einen der mutmasslichen Täter. Der zweite konnte bis heute nicht ermittelt werden. Der Angeklagte ist Albaner und heute 42 Jahre alt. Auf diesem Foto sind die beiden Todesopfer der Schiesserei, der 28-jährige Mirjan B. (Zweiter von links) und der 39-jährige Orges S. (ganz rechts), zu sehen. Festim D. (24, ganz links) wurde verletzt. Ermal K. (Zweiter von rechts) sass am Tatabend mit seinen drei Freunden zusammen. Er wurde als Einziger nicht getroffen. Dieses Bild entstand wenige Tage vor der Schiesserei im Café 56. Ein Bekannter von Mirjan B. sagt: «Seine Familie hat mich am Freitagmorgen angerufen. Sie alle waren schrecklich aufgelöst und haben geweint. Ihnen war bereits von anderen Personen mitgeteilt worden, dass Mirjan eines der Opfer ist, jedoch wussten sie nicht, ob er tot oder schwerverletzt ist.» Der Angeklagte stellte sich damals einen Tag nach der Tat selbst bei der Polizei, nur um seine Aussage kurz darauf zu ändern: Er sei bei der Schiesserei gar nicht dabei gewesen und habe sich nur belastet, um einem Freund die Flucht zu ermöglichen. Dass er sich zumindest wenige Stunden vorher in der Erlenstrasse aufhielt, beweisen Bilder einer Überwachungskamera. Polizeieinsatz nach der Tat: Strassensperren und viele Scheinwerfer im Kleinbasel. (9. März 2017) Das Forensikteam von Basel untersucht die Einschusslöcher in den Scheiben des Café 56. (9. März 2017) Auch im Innern der Bar wird nach Spuren gesucht. (9. März 2017) Der Tatort wird von der Polizei abgesperrt. (9. März 2017) Auf Spurensuche: Ein Forensikteam der Basler Behörden untersucht den Tatort. (9. März 2017) Verschont geblieben: Die Bar direkt neben dem Café 56 war zum Zeitpunkt der Schiesserei offen. (9. März 2017) Die Situation um das Café 56 wenige Stunden nach der Schiesserei. (9. März 2017) In grelles Licht getaucht: Die Polizei beleuchtet den Tatort mit einem Scheinwerfer. (9. März 2017) Die Basler Polizei sucht nach Zeugen. (9. März 2017)

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Im Fall der Schiesserei im Café 56 in der Basler Erlenstrasse im März 2017 steht der Gerichtsprozess in den Startlöchern. Damals wurden zwei Männer erschossen, ein drittes Opfer überlebte. Am 10. Dezember startet die auf vier Tage angelegte Verhandlung um einen der mutmasslichen Täter. Der zweite konnte bis heute nicht ermittelt werden.

Wie die «bz Basel» berichtet, hat die Basler Staatsanwaltschaft Anklage wegen zweifachen Mordes gegen einen Albaner erhoben. Der heute 42-Jährige hatte sich einen Tag nach der Tat selbst bei der Polizei gestellt, nur um seine Aussage kurz darauf zu ändern: Er sei bei der Schiesserei gar nicht dabei gewesen und habe sich nur belastet, um einem Freund die Flucht zu ermöglichen.

Dass er sich zumindest wenige Stunden vorher in der Erlenstrasse aufhielt, beweisen aber Bilder einer Überwachungskamera.

Schwierige Beweislage

Problematisch stellt sich die Tatsache dar, dass sowohl die Opfer als auch die Zeugen Angst haben und den Behörden misstrauen. Sie alle stammen aus dem Drogenmilieu. Auch der Angeklagte fürchtet laut Haftentscheid um die Sicherheit seiner albanischen Familie, so die Zeitung. Das mache die Beweislage schwierig.

Zudem konnte die Staatsanwaltschaft bis heute weder eine Tatwaffe sicherstellen noch nachweisen, wer von den Männern geschossen hat. Sie stellt daher Eventualanträge: Entweder hat der 42-Jährige geschossen und der Mittäter die übrigen Gäste kontrolliert, oder umgekehrt. Die Tat soll insgesamt 20 Sekunden gedauert haben; die Männer hätten das Lokal danach ohne Hast verlassen.

Angeklagter drei Mal nach Albanien abgeschoben

Bei der Sachlage vermutet die «bz», dass die Tat wohl nie aufgeklärt werden würde. Staatsanwalt Markus Hofer spreche in der Anklageschrift von offenen Rechnungen und Machtdemonstrationen. Alle Beteiligten seien zudem bereits öfter mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Ein Insider sagte gegnüber 20 Minuten, dass der Bluttat der Diebstahl von zwei Kilogramm Heroin vorausgegangen sei.

Der angeklagte Albaner verliess sein Elternhaus in Tirana mit 14 Jahren und folgte zunächst seinem Vater nach Italien. Später stellte er unter falschem Namen ein Asylgesuch in Deutschland und überfiel ein Lokal in Niedersachsens Hauptstadt Hannover. Er sass unter anderem wegen Kokainhandels mehrere Jahre in Haft. Bereits dreimal schob man ihn nach Albanien ab. Der bekannte Milieu-Anwalt Valentin Landmann ist sein Wahlverteidiger.

Auch die Opfer aus dem Drogen-Milieu

Der erschossene 28-jährige Albaner war wegen Drogenhandels und Körperverletzungen merhfach vorbestraft. Italien und Frankreich erliessen deswegen Einreisesperren. Der zweite Erschossene, ein 39-jähriger Albaner, war in Italien wegen Hehlerei zur Fahndung ausgeschrieben und durfte nicht mehr nach Belgien einreisen.

Gegen das dritte Opfer (heute 25), das die Schiesserei mit einer Hüftverletzung überlebte, bestand eine Einreisesperre in die Schweiz. Er wurde zuvor im Baselbiet wegen Einbruchs verurteilt. Mittlerweile wurde er ausgeschafft.

(sis)