Wurz in Basel

20. April 2011 16:47; Akt: 21.04.2011 13:21 Print

Warten auf den Penis der Titanen

Sie ist riesig, sie stinkt nach Leichen und sie ist eine Sensation: In Basel blüht erstmals seit 75 Jahren eine Titanwurz. Der Ansturm ist riesig.

Bildstrecke im Grossformat »
Die Titanwurz im Botanischen Garten der Uni Basel soll am Karfreitag 2011 blühen. Auf dem Foto ist sie 193 cm hoch und steht kurz vor der Blüte. Letztmals blühte eine Pflanze dieser Art in der Schweiz vor 75 Jahren. Allerdings ist nicht ganz sicher, ob es sich tatsächlich um eine Titanwurz handelte oder eine Schwesterart (folgen in der Bildstrecke). Die Knolle der Basler Titanwurz erreichte im Sommer 2010 die 20-Kilo-Schwelle, welche für eine Blüte nötig ist. Im Januar 2011 begann die Blüte zu wachsen - hier ein Bild vom 29. März 2010. Die Pflanze ist sehr heikel: Sie benötigt feuchtwarmes Klima mit Temperaturen von mindestens 23 Grad, ideal sind 33. Bereits am siebten April hatte sie eine stattliche Höhe von 65 Zentimeter. Acht Tage später war sie bereits 152 Zentimeter hoch. Selbst mit den 185 Zentimeter bei der Blüte blieb das Basler Exemplar kleiner als dasjenige im Botanischen Garten von Bonn. Dort erreichte eine Titanwurz rund drei Meter. Bis die Pflanze wieder blüht dauert es drei bis vier Jahre. Die Titanenwurz (Amorphophallus titanum; aus griech. ) gehört zu den Aronstabgewächsen. Sie ist die grösste Blume der Welt. Um Insekten zur Bestäubung anzulocken, sondern die Blütenstände Aasgeruch ab. Verantwortlich dafür sind schwefelhaltige Verbindungen wie Dimethyldisulfid, Putrescin und Cadaverin. Der Gefleckte Aronstab (Arum maculatum) gehört ebenfalls zu den Aronstabgewächsen. Er verbreitet – nur am Abend – einen Harngeruch, der winzige Schmetterlingsmücken anlockt. Ebenfalls ein Aronstabgewächs: die Gemeine Drachenwurz (Dracunculus vulgaris) oder Schlangenwurz. Sie lockt – nur bei der Blüte – einige Tage lang mit intensivem Aasgeruch Insekten an, die ihr zur Bestäubung dienen. Der Muskatellersalbei (Salvia sclarea) heisst auch Römischer Salbei oder Scharlei. Der Geruch erinnert stark an das Bouquet von Achselschweiss. Früher wurde die Pflanze verwendet, um faden Wein zu aromatisieren. Der in Nordamerika beheimatete Stink-Sumach (Rhus tribolata) wird dort auch Skunkbush (Stinktierbusch) genannt. Verdient hat sich das Gewächs die Bezeichnung mit seinen stark riechenden Blättern. Der Attich oder Zwerg-Holunder (Sambucus ebulus) gehört zur Gattung der Holunder. Die Pflanze verströmt nicht nur einen strengen, unangenehmen Geruch – sie ist auch in allen Teilen giftig. Der Stinkende Pippau (Crepis foetida; lat. ) verrät sich bereits in seinem Namen. Er soll nach Opium riechen. Auch der Stinkasant (Ferula assa-foetida), auch Teufelsdreck genannt, verkündet im Namen seinen Geruch. Aus dem abgeschnittenen Stengel tritt übelriechendes Harz aus, das früher getrocknet als Würzmittel verwendet wurde. Nomen est omen auch hier: Die Schwarznessel (Ballota nigra) wird auch Stink-Andorn oder Schwarzer Gottvergess genannt. Stängel und Laubblätter riechen widerlich. Die Blüten der Wildrose (Rosa foetida) entwickeln einen starken Duft, der oft als unangenehm empfunden wird. Der Geruch soll an einen nassen Fuchs erinnern... Die Stinkende Nieswurz (Helleborus foetidus) aus der Familie der Hahnenfuss-Gewächse verdankt ihren Namen dem Geruch ihrer Blüten. Die giftige Pflanze wurde früher als Heilmittel gebraucht. Der Sadebaum (Juniperus sabina) heisst auch Stink-Wacholder, wohl wegen seiner Blätter, die zerrieben unangenehm riechen. Die in allen Teilen giftige Pflanze spielte früher eine wichtige Rolle in der Volksmedizin. Das Ruprechtskraut (Geranium robertianum), auch Stinkender Storchschnabel genannt, ist eine unangenehm riechende, halbmeterhohe Pflanze. Der Ginkgo oder Ginko (Ginkgo biloba) bildet in seiner weiblichen Form Samen, die gereift unangenehm nach Buttersäure riechen. Aus diesem Grund werden in Europa vor allem männliche Ginkgobäume aus Stecklingen angepflanzt. Die Tagetes (Tagetes), auch Studentenblume oder Totenblume genannt, hat bei den älteren Sorten Blätter mit einem strengen Geruch, der oft als unangenehm empfunden wird. Neueren Sorten ist der Geruch weggezüchtet. Thymus comosus ist eine Pflanzenart aus der Familie der Lippenblütler. Das Gewächs soll nach Terpentin riechen. Das Dreiblatt (Trillium erectum) ist eine niedrige Staude, die bei feuchter Witterung so riechen soll wie ein nasser Hund. Die Blüten der Gewöhnlichen Berberitze (Berberis vulgaris) riechen intensiv. Verantwortlich dafür ist Trimethylamin, das sich auch in sich zersetzendem Sperma, Vaginalsekret und verdorbenem Fisch bildet. Mit dem für menschliche Begriffe üblen Duft lockt die Pflanze Insekten für die Bestäubung an. Der Stinkende Gänsefuss (Chenopodium vulvaria; lat. ) macht seinem Name alle Ehre; sein ebenfalls von Trimethylamin verursachter Geruch erinnert an jenen von faulem Fisch.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Botanische Garten Basel liegt mit einer blühenden Sensation in den Wehen: «Es kann jeden Moment losgehen», sagt Kurator Heinz Schneider. Die Rede ist vom bevorstehenden Aufblühen der Titanwurz. Die Regenwaldpflanze stammt aus Sumatra und gilt als die grösste Blume in der Pflanzenwelt. Das Basler Exemplar ist in den vergangenen vier Monaten auf sagenhafte 185 Zentimeter gewachsen. Und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Die Pflanze wachse «überraschenderweise weiter», schreibt Schneider in einer Mitteilung vom Donnerstag. Der Blühtermin sei wohl eher am Freitag, «ganz sicher sind wir nicht und mehr wissen wir selbst auch nicht», heisst es weiter. Am Mittwoch noch gab es Anzeichen, der Wurz könnte jeden Moment seine Pracht entfalten

Auf die Blüte warten die Botaniker in Basel aber schon viel länger: 17 Jahre hat es gedauert, bis die Knolle der Pflanze vergangenen Sommer die magische 20-Kilo-Schwelle erreicht hat, welche zur Bildung einer Blüte nötig ist.

Nach einer Ruhepause begann im Januar die erste Titanwurz-Blüte seit 75 Jahren in der Schweiz zu wachsen. Seither stehen sich die Botanik-Fans im Botanischen Garten die Füsse in den Bauch. «In den vergangenen vier Tagen haben wir 2000 Gäste gehabt», sagt Schneider. Der wahre Ansturm wird aber erwartet, wenn sich die riesige Blüte öffnet.

«Der Leichengeruch wird die Besucher umhauen»

Die monströse Rarität wird sich allerdings nur zwei Tage halten und frühestens in drei Jahren wieder blühen, weshalb der Botanische Garten in den nächsten Tagen mit Warteschlangen von bis zu 300 Metern Länge rechnet. Die Zahl der Mitarbeiter wurde auf 40 verzehnfacht. Um die erwarteten 4000 Besucher einigermassen in den Griff zu kriegen, bleibt der Garten zudem während 24 Stunden für Besucher geöffnet. «Wer die Pflanze wirklich sehen will», sagt Schneider, «sollte dringend zwischen zwei und fünf Uhr in der Nacht kommen.» Die Öffnungszeiten seien kein Marketing-Gag, sondern der Versuch, den Ansturm zu bewältigen.

Der Anblick der gigantischen Blüte wird weniger umwerfend als deren Geruch, verspricht Schneider. «Der Leichengeruch wird die Besucher reihenweise umhauen.» Die Blüte der Titanwurz stinkt stark nach Aas oder Fisch, was bestimmte Insekten als Bestäuber anlockt. Der Geruch der Pflanze ist dermassen gut erforscht, dass der Botanische Garten ihn als Parfum anbietet. Die wirklichen Fans der «Amorphophallus titanum» finden das bestimmt eine umwerfende Idee. Der wissenschaftliche Name könnte übrigens für einmal nicht passender sein. Er bedeutet Übersetzt: Unförmiger (amorph) Penis (phallus) der Titanen (das älteste Göttergeschlecht in der griechischen Mythologie). Was könnte passender sein für so einen seltenen Anblick wie die Titanwurz?

(amc)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • fex fex am 21.04.2011 21:18 Report Diesen Beitrag melden

    Gartenschlauch

    Ich bin auch gespannt, wie das am Schluss aussieht. Bemerkenswert finde ich bei den Bildern der Webcam aus der Vergangenheit aber auch den Hintergrund. Anfangs ein einziger Tschunel mit unaufgerolltem Gartenschlauch, am Schluss das Schild der Uni Basel (und der Schlauch ist weg). Jedenfalls (mit oder ohne Schild) ein ehrliches Kompliment dem botanischen Garten für all die Bemühungen, auch betreffend die weniger spektakulären Gewächse (den Gartenschlauch mal ausgenommen.).

  • Laredo am 20.04.2011 20:55 Report Diesen Beitrag melden

    Mutter Natur ist sie Schönste

    Da sieht man mal wieder, welche Schönheiten nur die Natur bieten kann. Alle menschliche Kunst (über die man sich immer wieder streiten kann) erlangt iemals die anmutende und natürliche Schönheit wie sie Mutter Natur präsentiert. Dieses Ereignis ist sicher nicht nur für Pflanzenfreunde und Botaniker eine tolle Sache, sondern für alle interessierten Menschen, die ein Faible für Natürlichkeiten haben.

    einklappen einklappen
  • 41izmitli54 am 21.04.2011 08:38 Report Diesen Beitrag melden

    Wunder

    Ich warte ungeduldig auf das Foto von Gruendonnerstag .

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hans am 22.04.2011 10:14 Report Diesen Beitrag melden

    Gross grösser am grössten !!!

    Typisch Mensch, phallus komplex !

  • Daniel am 21.04.2011 21:21 Report Diesen Beitrag melden

    Bleibt bei den Rosen

    Bleibt bei den Rosen. Die blühen jedes Jahr und duften wunderbar. Wer will denn da schon eine Titan betrachten.

  • fex fex am 21.04.2011 21:18 Report Diesen Beitrag melden

    Gartenschlauch

    Ich bin auch gespannt, wie das am Schluss aussieht. Bemerkenswert finde ich bei den Bildern der Webcam aus der Vergangenheit aber auch den Hintergrund. Anfangs ein einziger Tschunel mit unaufgerolltem Gartenschlauch, am Schluss das Schild der Uni Basel (und der Schlauch ist weg). Jedenfalls (mit oder ohne Schild) ein ehrliches Kompliment dem botanischen Garten für all die Bemühungen, auch betreffend die weniger spektakulären Gewächse (den Gartenschlauch mal ausgenommen.).

  • sara am 21.04.2011 16:40 Report Diesen Beitrag melden

    stinkt....

    Ich habe zu Hause eine kleiner sorte die Knolle hat nur ca.8cm durchmesser und ich sag euch schon die stinkt so extrem das die nicht in der Wohnung bleiben kann wen sie blüht. Aber trotzdem wunderschön

  • Köbi am 21.04.2011 12:41 Report Diesen Beitrag melden

    Pendant

    Wenn dies der Penis ist und nach 75 Jahren bereit ist sich vorzupflanzen, wann kommt dann das weibliche Pendant vorbei um sich begatten zu lassen? *g*