«Scholarch»

17. August 2018 12:10; Akt: 17.08.2018 12:10 Print

Auch umgestellt heisst es «Arschloch», sagt Richter

Weil er «Scholarch» auf seine Einzahlungsscheine geschrieben hatte, wurde ein 48-Jähriger wegen Beleidigung angeklagt. Anders gestellt ergeben die Buchstaben nämlich das Wort «Arschloch».

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Der Angeklagte stand am Donnerstag im Strafjustizzentrum Muttenz vor Gericht. (Bild: Tom Bisig)

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Ein 48-jähriger Garagist aus dem Oberbaselbiet versah neun Einzahlungsscheine mit je einem einzelnen Buchstaben. Zusammen ergeben sie das Wort: S-C-H-O-L-A-R-C-H. Der Empfänger stellte daraufhin Strafanzeige wegen Beleidigung, wie die «bz Basel» berichtete. Denn anders zusammengesetzt ergeben die einzelnen Buchstaben das Wort A-R-S-C-H-L-O-C-H.

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«Das ist keine individuelle gedankliche Konstruktion des Empfängers. In diesem Kontext kann mit diesen Buchstaben nur ein Wort gemeint sein», wird Einzelrichter Daniel Ivanov von der Zeitung zitiert. Am Donnerstag bestätigte Ivanov im Strafgericht Muttenz daher den Strafbefehl. Die Buchstaben in der Mitteilungsspalte der Einzahlungsscheine seien klar als Beschimpfung zu werten.

Einzelner Einzahlungsschein langweilig

Die Einzahlungsscheine des Angeklagten gingen an einen Lieferanten, an den er letztes Jahr eine Zahlung von 1957 Franken zu leisten hatte. Weil er diese zunächst verweigerte, kam die Sache vor Gericht, bis er im April 2017 vom Zivilgericht schliesslich zu der Zahlung verdonnert wurde.

Statt alles auf einmal zu überweisen, splittete er den Betrag aber in neun einzelene Einzahlungsscheine auf. In das Mitteilungsfeld schrieb er jeweils einen Buchstaben, zusammen ergaben sie das Wort «Scholarch».

«Wenn man das erledigen will, zahlt man es doch einfach, und zwar mit einem einzigen Einzahlungsschein», wird der Gerichtspräsident von der «bz Basel» zitiert. «Ja, aber das wäre ja langweilig gewesen. Ich hätte hundert schreiben können, aber ich habe bei neun aufgehört», erklärte der Angeklagte seine Aktion.

Staatsanwaltschaft setzt Anagramm-Spezialisten ein

Sein Verteidiger argumentierte, dass die Beschimpfung erst in dem Moment entstanden sei, als der Privatkläger aus einer losen Buchstabenfolge ein Wort gebildet hätte. Es sei aber nicht seinem Mandanten zuzurechnen, was der Privatkläger in seinem Kopf mache, so der Jurist. Daneben gäbe es noch andere Zusammensetzungen des Wortes «Scholarch», wie zum Beispiel das Comité Laicité République, kurz CLR. Weil dieses sich mit der Shoa befasse, könne daher auch Schoa CLR gemeint sein.

Die Anagramm-Spezialisten der Baselbieter Staatsanwaltschaft sahen das jedoch anders. Nur ein einiziges sinnvolles Wort könne mit der Buchstabenfolge «Scholarch »gebildet werden.

Der angeklagte 48-Jährige muss nun mehrere Hundert Franken an Gerichtsgebühren sowie seinen Verteidiger bezahlen. Die vom Beschimpften geforderte Zahlung von 200 Franken als Genugtuung wies Ivanov ab.

(sis)