Mysteriöse Tatorte

08. Oktober 2019 15:23; Akt: 08.10.2019 15:49 Print

«Hier könnte eine Frau vergewaltigt worden sein»

In Liestal hindert ein Absperrband Passanten davor, den Ort eines Verbrechens zu betreten. In Delsberg deutet eine Kreidezeichnung auf einen Gewaltakt hin. Was steckt hinter den Aktionen?

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«Ich habe am Montag etwas sehr interessantes in Liestal gesehen», schreibt eine Leser-Reporterin. Die Aktion will auf Gewalt an Frauen aufmerksam machen. Am Bahnhof in Delémont fotografierte ein Leser-Reporter eine ähnliche Szene. An diesem Ort soll eine Frau übel zugerichtet worden sein, steht auf einem Aushang: «Hier wurde eine 24-jährige Frau wurde von einer Gruppe von Männern geschlagen. Sie war mit ihren Freunden ausgegangen und tanzte mit einem der Männer in der Gruppe. Dieser Mann wollte sie nach Hause bringen, was sie ablehnte. Seine Freunde kamen, um sie zu überzeugen. Sie verprügelten sie und liessen sie auf dem Boden liegen.» Bei den «Orten der Gewalt» handelt es sich um eine Aktion der Juso. Sie will das Thema «Gewalt an Frauen» sichtbar machen. Zehn Tatorte in der ganzen Schweiz wurden inszeniert. Dieses Bild entstand in Basel. Berner Aktivisten führten im Juni 2019 bereits eine ähnliche Aktion durch. Auch sie machten Tatorte sichtbar, an denen Frauen Opfer von Gewalttaten wurden. 22. August 2018, Altenbergsteg, Sexuelle Belästigung durch Zagreb-Fans. 13. Juli 2018, Kleine Schanze, körperliche Angriffe auf fünf Frauen. 4. März 2017, Rathausgasse und Zibelegässli, Sexuelle Belästigung. 7. Januar 2017 Grosse Schanze, Vergewaltigung. 3. April 2017, Monbijoupark, Vergewaltigung. 9. Juli 2016, Reitschule, sexuelle Gewalt. 21. Februar 2015, Länggassequartier, sexueller Missbrauch. 23. Mai 2014, Altenbergsteg, Sexuelle Belästigung. 16. Juli 2013, Busshaltestelle Markuskirche, Mord. 31. Dezember 2010, Bolligenstrasse, versuchte Vergewaltigung. 05. September 2010, Lorrainestrasse, Frau begrapscht. 3. März 2009, Münstergasse, sexuelle Belästigung. 25. April 2008, Jurastrasse, sexuelle Belästigung. 22. Januar 2008, Rathausgasse, Vergewaltigung. 20. Oktober 2007, Schwanengasse, sexuelle Attacke.

Zum Thema
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In der Fussgängerzone im Liestaler Stedtli ist eine kleine Fläche mit rot-weissem Band abgesperrt. Eine Leser-Reporterin machte am Montagabend ein Foto davon und wunderte sich, was es damit auf sich hat. Ähnliche Szenerie: In Delsberg wurde mit Kreide der Umriss einer Person auf den Boden gezeichnet. Der Tatort ist ebenfalls mit Absperrband markiert. Auch davon schoss ein Leser-Reporter ein Foto.

Beide Orte haben eine Gemeinsamkeit: Sie sollen auf die Gewalt gegen Frauen aufmerksam machen. In Liestal informiert ein Aushang, der neben der Absperrung platziert wurde, die Anwohner über den fiktiven Kriminalfall: «Hier könnte letzte Nacht eine Frau zusammengeschlagen, sexuell belästigt oder vergewaltigt worden sein.» Nichts dergleichen ist an dieser Stelle passiert. Doch solche Fälle seien «täglich eine traurige Realität».

«Frau (24) von Männer-Gruppe verprügelt»

In Delsberg soll an genau der Stelle, wo die gelbe Zeichnung auf dem Asphalt prangt, eine 24-Jährige von einer Gruppe von Männern brutal zusammengeschlagen worden sei. Ihre Geschichte wird auf einer Karte, die ans Absperrband montiert wurde, auf französisch erzählt: Die Frau soll mit einem Mann getanzt haben, lehnte jedoch ab, mit ihm nach Hause zu gehen. Daraufhin schlugen die Freunde des Mannes die Frau zu Boden, liessen sie liegen und kehrten in den Club zurück.

Hinter den Aktionen steckt die Juso Schweiz. Sie will die «unsichtbare» Gewalt, die sich sowohl im öffentlichen als auch im privaten Raum gegen Frauen richtet, thematisieren, wie sie in einer Mitteilung schreibt. Gewalt an Frauen werde «weitgehend verharmlost oder tabuisiert», so die Jungpartei.

Zehn Orte der Gewalt

Dezentral wurde an zehn Schweizer Standorten, darunter auch in Basel, St. Gallen und Zürich, «Orte der Gewalt» in Szene gesetzt. «Eine sehr gute Massnahme, die auf ein Thema und Zahlen aufmerksam macht, die sonst totgeschwiegen werden», fasst Jasmine Bosshard, Vizepräsidentin der Juso Baselland, zusammen.

Sie zitiert aus der Medienmitteilung: «Alle drei Wochen stirbt in der Schweiz eine Frau durch die Gewalt ihres Partners oder Ex-Partners. Jede fünfte Frau in der Schweiz hat in ihrem Leben sexualisierte Gewalt erlebt.»

Im Juni hatten Aktivistinnen eine ähnliche «Route der Gewalt» markiert und im gleichen Zug auch auf den bevorstehenden Frauenstreik aufmerksam gemacht (siehe Bildstrecke).

(jd)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fritz am 08.10.2019 15:48 Report Diesen Beitrag melden

    Hmmmm

    Die meisten Leute, die ich kenne, die im Ausgang zusammengeschlagen wurden, waren Männer. Nur so...

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  • Karli Matter am 08.10.2019 16:17 Report Diesen Beitrag melden

    Wir drehen uns im Kreis

    Die, die Frauen, die hier am lautesten ausrufen, sind die gleichen die jeden Kriminellen vor der Abschiebung schützen wollen bzw. vor angemessenen Strafen. Obendrei sind sie mit der einseitigen Darstellung auch noch sexistisch.

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  • ehem. gemobter am 08.10.2019 16:09 Report Diesen Beitrag melden

    Immer dieses ewige einseitige gejammere

    Jajajajjaaa......armes Geschlecht. Nur zur Info, ich wurde in der Schule gemobbt, ja von Mädchen. Peinlich für einen Jungen? Oh ja, trotzdem ist es mir widerfahren und glaubt mir, wenn man von Mädchen gemobbt wird, hat man auch nicht besonders viele Buben als Freunde.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fake News am 08.10.2019 19:13 Report Diesen Beitrag melden

    Könnte, ist aber nicht passiert

    Alternative Fakten werden halt immer nur vom jeweiligen politischen Gegner verbreitet...

  • Mutter am 08.10.2019 19:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fakten

    Ja, öffnet die Grenzen noch mehr und es wird immer schlimmer, aber niemand will es zugeben und einsehen, also hört auf zu jammern oder handelt

  • Diego am 08.10.2019 17:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    habs satt!!

    wie wäre es wen wir bald unsere ländereien aufteilen an männer und frauen alle ehen werden annuliert und die männer allesamt an melkmaschinen angeschlossen.. wäre das im Sinne der Frauen???

    • Frau am 08.10.2019 18:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Diego

      Es geht nicht darum Männer gegen Frauen aufzuhetzen oder umgekehrt. Aber es stellt sich die Frage wieso werden nahezu wöchentlich Frauen in der Schweiz umgebracht. Wenn man dies näher betrachtet, kommt man darauf wieso solche Darstellungen notwendig sind. Nützen wird es wenig.

    • Manu am 08.10.2019 18:24 Report Diesen Beitrag melden

      @Diego

      Ist eigentlich bereits so, rein finanziell betrachtet. Bei Steuern/Lohnabzügen zahlen Männer absolut betrachtet (ok, auch relativ mit Wehrpflicht) mehr ein als Frauen, dafür kassieren Frauen deutlich mehr Sozialleistungen/Rente. Nicht betrachtet ist da allerdings unentgeltliche Arbeit, Sozialleistungen aufgrund Mutter mit Kind und Arbeit zu Hause. Wenn man jedoch einzig den Geldfluss anschaut ist aber klar, Geld fliesst via Staat von Mann zu Frau.

    • Statistiken am 08.10.2019 18:34 Report Diesen Beitrag melden

      @Frau

      2016 sind durch Gewalteinwirkung in der Schweiz laut Bundesamt für Statistik 319 Frauen gestorben, bei den Männern waren es 844.

    • Marlies am 08.10.2019 18:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Diego

      wieso denn? Ich bin die einzige Frau, neben meiner Mutter in der Familie. Meine erwachsenen Söhne, mein Mann und mein Vater wurden noch nie sexuell belästigt. Ich und meine Mutter hingegen schon. Einmal sogar als wir zusammen im Zug sassen um 18.00 Uhr abends. Das hätte ich mir nie träumen lassen, dass dies in unserem Land geschieht. Spätabends gehe ich gar nicht mehr aus, in unserem freien Land. Ich habe Angst.

    • Holdmybeer am 09.10.2019 11:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Statistiken

      Durch die eigene Partnerin/den eigenen Partner?

    • noch mehr Statistiken am 09.10.2019 19:16 Report Diesen Beitrag melden

      3. Teil

      Meine erste Aussage hier machte ich anhand untenstehender Daten, wobei ich Unfälle herausgerechnet habe. Als Gewalteinwirkung gilt allerdings auch gegen sich selbst gerichtete Gewalt, was bei beiden Geschlechtern traurigerweise der grösste Teil der nicht unfallbedingten Gewalttode ist. Suche nach (bzw. dann nochmals mit Frauen anstatt Männer): Sterbefälle und Sterbeziffern wichtiger Todesursachen, nach Alter, Männer

    • Mina am 09.10.2019 19:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Statistiken

      Lesen die Statistik weiter. Wer waren die Täter? Sicher alles Frauen...

    • Statistiken am 09.10.2019 20:34 Report Diesen Beitrag melden

      @Mina

      Mein 1. und 2. Teil gingen so wie es aussieht verloren. Ich versuche es daher (ohne jegliche Wertung) nochmals. Wer sehr detailiert wissen will wer was gemacht hat, sucht nach: Strafgesetzbuch (StGB): Straftaten häusliche Gewalt und beschuldigte Personen

    • Mina am 10.10.2019 06:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Diego

      Ja

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  • Simulation am 08.10.2019 17:35 Report Diesen Beitrag melden

    Ist alles möglich

    Eine gestellte Szene ist gleich einer Simulation. Das problem an der Simulation ist, dass sie NUR simuliert ist. Oft mals lässt sich die Physik in der Simulation beinflussen und dies verändert die ganze Simulation. Ich denke, es gäbe genug reale Beispiele die man hätte verwenden können, um das besagte Thema zu zeigen. Oder etwa doch nicht? Wo rauf ich raus will, im Fernsehen gibt es auch genug solche Simulationen und dort weiss jeder das es nur gestellt ist. Man sagt doch:"im Film ist alles möglich". Und genau so sehe ich das auch mit dieser Aktion: "im darstellen und simulieren ist alles mög

  • Manuel am 08.10.2019 17:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ändert die Täter wohl kaum.

    Wer Frauen liebt, tut sowas sowieso nicht und wer sowas tut, bei dem nützt eine solche Aktion wahrscheinlich nicht grad viel, weil das ist Charaktersache. Ich würde jedenfalls nie einer Frau Schmerzen zufügen, Ehrensache. Wer es tut ist ehrenlos.