Inferno in Basel

03. September 2019 11:33; Akt: 03.09.2019 16:28 Print

Liegen noch Leichen in der Brandruine?

Mit dem Rückbau der Brandruine kann auch die Kriminalpolizei das Haus an der Basler Rheingasse betreten. Die Ermittlungen sorgen für Spekulationen.

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Seit einigen Tagen wurde mit dem Rückbau der Branruine an der Basler Rheingasse begonnen. Damit kann auch die Kriminalpolizei das einsturzgefährdete Haus betreten. Während die Staatsanwaltschaft nicht davon ausgeht, dass im Haus Leichen gefunden werden, sind sich da nicht alle so sicher. Vorerst wird der Dachstock und der dritte Stock des Gebäudes abgerissen. Danach wird entschieden, was mit dem Rest des Hauses passieren soll. Statiker massen das Gebäude genaustens aus, bevor es betreten werden konnte. Anwohner und Gastronomen kritisieren, dass die Behörden die Sozialwohnungen, über denen der Brand ausbrach, nicht genügend kontrolliert hätten. Die Situation in den möblierten Zimmern sei desaströs gewesen. Die letzten Feuernester hätten fünf Tage lang gebrannt. Der Brand war am Freitagmorgen, 16. August ausgebrochen. Die Flammen schlugen aus dem Dachstock. Dieser wurde vollständig zerstört. Ein 35-jähriger Schweizer wurde wegen Verdachts auf fahrlässige Brandstiftung festgenommen. Der zerstörte Dachstock. An der Fassade sind zudem zahlreiche Risse entstanden. Am Freitagnachmittag war die Rheingasse immer noch gesperrt. Die Feuerwehr war mit Nachlöscharbeiten beschäftigt. Wegen Einsturzgefahr mussten die Hauswände gesichert werden. Auch benachbarte Liegenschaften wurden von den Flammen nicht verschont, die Feuerwehr konnte eine weitgreifende Zerstörung durch eine Ausbreitung des Feuers aber verhindern. Im Einsatz standen die Polizei, die Sanität, der Notarzt und verschiedenste Feuerwehren. Der Brand breitete sich rasch aus und griff auch auf Nachbarshäuser über. Der Feuerwehr gelang es dennoch, den Brand unter Kontrolle zu bringen. Auch verschiedene Chemiefeuerwehren standen im Einsatz. Die Löscharbeiten zogen sich über Stunden hin. In den frühen Morgenstunden war die Strecke für den Verkehr gesperrt. Feuerwehrkräfte begaben sich zum Einsatzort. Laufend traf Unterstützung ein. Bei der Evakuierung des brennenden Hauses wurde eine Person verletzt und musste durch die Sanität ins Spital gebracht werden. Eine weitere Person begab sich wegen Atemwegbeschwerden in Behandlung. Stunden später lag noch Rauch in der Luft. Die Strasse konnte für den Verkehr wieder freigegeben werden. So präsentierte sich die Lage am Freitagmorgen gegen 7.30 Uhr.

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Nur langsam kommen die Details rund um den grossen Brand an der Rheingasse vom 16. August ans Licht. Ein grosses Hindernis für die Ermittlungen ist, dass das Haus einsturzgefährdet ist.

«Es konnte ja noch niemand in das Haus. Anfangs gingen Gruppen der Feuerwehr rein. Die kamen aber sofort wieder heraus, weil es zu gefährlich war. Seit dann war niemand mehr drin», so Peter Blumer, Direktor der Gebäudeversicherung Basel-Stadt, gegenüber Telebasel.

Vor einigen Tagen wurde mit dem Rückbau des Gebäudes angefangen. Die Ermittler der Kriminalpolizei begleiten jeden Schritt davon. Was sie dabei alles entdecken werden, ist unklar und liefert Raum für Spekulationen. «Das ist noch immer ein Tatort. Man weiss auch nicht, ob es dort unter Umständen noch Leichen drin hat», so Blumer.

Mehrere Haustiere starben beim Brand

Schon kurz nach dem Brand kursierten auf den Sozialen Medien Gerüchte über vermisste und möglicherweise tote Personen. Die Staatsanwaltschaft stellte sich auf den Standpunkt, dass niemand vermisst werde. Tage später war klar: Alle Bewohner des Hauses haben überlebt. Mehrere Haustiere fielen aber den Flammen zum Opfer, heisst es aus Bewohnerkreisen.

Möglich wäre, dass sich Personen, die nicht im Haus wohnten, zum Zeitpunkt des Brandes dort aufhielten. «Es waren oft Menschen da, manche haben gedealt, manche kannten wir überhaupt nicht und sie mussten rausgeschmissen werden», so eine Bewohnerin.

Die Staatsanwaltschaft möchte die Spekulationen nicht anheizen. «Es liegen keine Hinweise darauf vor, dass wir im Haus auf Leichen stossen werden», so Kriminalkommissär René Gsell gegenüber 20 Minuten.

(kom)