Kaiseraugst AG

20. Mai 2019 18:47; Akt: 20.05.2019 18:47 Print

Cleverer Waschbär führt Wildhüter an Nase herum

Beim Naschen ist ein Waschbär in die Video-Falle der Jagdgesellschaft Kaiseraugst getappt. Der putzige Dieb lässt sich zwar filmen, aber nicht erwischen.

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Ein Waschbär treibt in Kaiseraugst sein Unwesen. Das beweisen Aufnahmen, auf denen das Tier dank Video-Falle im Kraftwerksschopf zu sehen ist. Auf dem Film ist zu sehen, wie sich der besagte Tunichtgut an Essens-Vorräten zu schaffen macht. Wie die «Neue Fricktaler Zeitung» berichtet, hat die Jagdgesellschaft Kaiseraugst die Video-Falle im Schopf des Kraftwerks aufgestellt.

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Bisher ist es den Jägern allerdings nicht gelungen, das clevere Tier einzufangen: «Der Waschbär ist noch immer auf freiem Fuss», bestätigt Jagdaufseher Amadé Franzen gegenüber 20 Minuten. Bereits im vergangenen Sommer seien vier Waschbären in der Nähe des Friedhofes in eine Video-Falle getappt, eingefangen habe man sie jedoch nicht.

Im Frühling dieses Jahres ist erneut der Verdacht aufgekommen, dass sich ein Waschbär in Kaiseraugst herumtreibe: «Meistens merkt man das, wenn beispielsweise Müllsäcke ausgeräumt werden», erklärt Franzen. Mitunter könne man die Tiere aber auch an ihrem Kot identifizieren. Aufgrund des Verdachts habe man eine Kamera mit Bewegungsmelder aufgestellt, von der sich das Kaiseraugster Exemplar auch promt hat filmen lassen.

Keine Schonzeit für Waschbären

Doch dabei blieb es vorerst: «Die Waschbären sind nachtaktiv und sehr misstrauisch», so Franzen. Ginge das Tier den Jägern in die Falle, wäre es denn auch das sichere Ende für den putzigen Störenfried: «Dann schiessen wir ihn. Das müssen wir», erklärt der Jagdaufseher.

Die Waschbären, die ursprünglich in Nordamerika heimisch sind, gehören in der Schweiz nämlich zu den sogenannten Neozoen, also den gebietsfremden Arten. Da der Einfluss ihrer Präsenz auf die einheimische Fauna nicht vollständig geklärt ist, handelt es sich bei den Waschbären um eine jagbare Art ohne Schonzeit, wie der Meldestelle Kora zu entnehmen ist.

Konkurrenz für einheimische Wildtiere

In Deutschland haben sich die Tiere zu einer wahren Plage entwickelt, die hessische Stadt Kassel gilt als Europäische Waschbären-Hochburg. Seit 1976 werden Waschbären auch in der Schweiz festgestellt. Es sei schwierig, genaue Daten zum Vorkommen in der Region zu sagen. Die Meldungen belaufen sich im Jahr etwa auf zwei bis drei Fälle, erklärt Erwin Osterwalder, Fachspezialist für Jagd und Fischerei im Kanton Aargau.

Weiter führt Osterwalder aus, dass die Waschbären den einheimischen Wildtieren Konkurrenz machen, so zum Beispiel dem Iltis: «Da es sich bei diesem um ein eher spezialisiertes Tier handelt, macht der Waschbär als Allrounder ihm zu schaffen. Auch darum sind Waschbären eigentlich nicht erwünscht in der einheimischen Fauna, weil sie die einheimischen Wildtiere verdrängen».

Hervorragende Kletterer und Schwimmer

Waschbären gehören zu der Raubtierfamilie der Kleinbären. Ihre fast menschenhandähnlichen Vorderpfoten benutzen sie, um ihre Nahrung ausgiebig zu befühlen, was unter anderem auch zu ihrer Namensgebung beigesteuert hat. Die nachtaktiven Räuber sind hervorragende Kletterer, mitunter schwimmen sie aber auch sehr gut. Der Rhein ist also kein echtes Hindernis für sie.

(jes)