Foto-Ausstellung BS

14. Januar 2016 11:14; Akt: 14.01.2016 13:31 Print

Wegen Mitgliederschwund wird Kirche zum Nachtclub

Wenn das Gotteshaus als Autowerkstatt oder Bar herhalten muss, entstehen skurrile Bilder. Andrea Di Martino hat das Phänomen fotografiert und stellt seine Werke in einer Basler Kirche aus.

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Restaurants, Vereinslokale oder Fitnessstudios in den sakralen vier Wänden einer Kirche: Was im ersten Moment tabubrechend daherkommt, ist in Italien seit Jahren Realität. Der Basler Kurator Klaus Littmann bringt im Januar eine Ausstellung mit Werken des italienischen Künstlers Andrea Di Martino in die Don Bosco Kirche, die diese Umnutzung thematisiert.

Während zehn Jahren dokumentierte Di Martino die Umwandlung der Gotteshäuser in Italien. «Das ist bestimmt nicht nur ein italienisches Phänomen. Aber beim sehr katholischen Italien überrschat es doch sehr», so Littmann. Ein besonderes Augenmerk sei auf jene Kirche zu legen, die seit 1990 eine Moschee beherbergt. Während der Basler Künstler Christoph Büchel an der letztjährigen Biennale in Venedig mit einer Kunst-Moschee in einem sakralen Bau auf mächtig Kritik gestossen sei und einen Skandal ausgelöst habe, wurde die abgelichtete Moschee im Gotteshaus bis anhin von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen.

«Darf man das?»

Di Martinos 50 quadratische Fotografien, einen Meter auf einen Meter gross, erzählen auf den ersten Blick von pragmatischen Raumnutzungen. Sie zeichnen jedoch auch eine Problematik auf, mit der die Kirche heutzutage konfrontiert ist. «Mitgliederschwund und ein Mangel an Priestern führen zu leeren Kirchenbänken», erklärt Littmann. Auch die Basler Don Bosco Kirche wird erst seit Kurzem auch für andere Projekte genutzt. Die Frage, die sich mit jedem umfunktionierten Sakralbau aufdränge, dürfe nicht ausser Acht gelassen werden. «Darf man das oder handelt es sich um ein Sakrileg?» Am Montag, 18. Januar soll während der Podiumsdiskussion «Kirchen anders genutzt – Gott aus dem Häuschen» nach einer Antwort gesucht werden.

Die Ausstellung «The Mass is ended» eröffnet am Donnerstag, 14. Januar und dauert bis zum 5. März. Der Eintritt ist frei.

(jd)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mike am 14.01.2016 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso nicht?

    In Grossbritannien gibt es auch viele alte Kirchen die heute als Restaurant, Büro oder Ausstellungshalle genutzt werden. Besser so, als dass diese verfallen oder abgerochen werden.

    einklappen einklappen
  • Jürg Balzer am 14.01.2016 11:40 Report Diesen Beitrag melden

    Oldtimer

    Woow, die Autowerkstatt sieht ja Hammer aus. Sehr stilvoll, und dann unbedingt Oldtimer reparieren.

  • werner schneider am 14.01.2016 13:59 Report Diesen Beitrag melden

    auch umgekehrt

    Es gibt auch das Umgekehrte, nämlich dass Freikirchen andere Gebäude als Kirchen nutzen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sämmi Müller am 15.01.2016 18:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohh, prima

    Da wüsste ich auch noch ein paar Staatliche Kirchen. Leeres Haus, Pfarrer wo nichts auf die Reihe brachte, darum ist er heute rev. Geistlicher. Die Steuern treibt der Staat ein, wo gibt's denn sowas? Ab sofort Gotteshäuser die nicht ein Minimum von 40% erreichen sofort schliessen und verkaufen.

    • Rosi Meier am 16.01.2016 00:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Da stimme ich zu

      Mir ist auch aufgefallen das nur in der Schweiz für 2 Kirchen die Steuer eingetrieben wird. Das wird demnach gratis gemacht, nein der Aufwand wird durch die ganzen Steuerzahler finanziert. Das gibt es nur in der Schweiz. Dachte hier gilt gleiches Recht für alle

    • Nadine Burri am 18.01.2016 09:17 Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt nicht

      @Rosi Meier: Die Kirchensteuern werden nicht gratis eingezogen. Für diese Dienstleistung zahlt jede Kirchgemeinde. Ich arbeite auf dem Steueramt - darum kann ich das bestätigen.

    • Gertrud am 18.01.2016 16:40 Report Diesen Beitrag melden

      Falsche Annahme

      Ist generell so! Der Staat bekommt für diesen Aufwand eine Abgeltung!

    einklappen einklappen
  • uschi am 15.01.2016 08:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kirchlicher Gedanke im Herzen

    Viele Kirchen sind bauliche Zeitmonumente und haben historischen Wert, deshalb sollten sie unbedingt erhalten bleiben.Wenn sie für den ursprünglichen Grund nicht mehr benützt werden sehe ich kein Problem in der Neunutzung.Jedoch mit der Verpflichtung die wertvollsten Bauten dürfen nicht zerstört werden, damit sie der Nachwelt erhalten bleiben, sind sie doch ein der Kulturgeschichte. Noch eine Anmerkung ,es könnte eine Zeit kommen wo die christlichen Menschen wieder Kirchen wollen.Der kirchliche Gedanke sollte im Herzen wohnen dann braucht es auch keine Extrahäuser.

  • Ralf am 14.01.2016 19:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gratis Trink

    Toll wärend der Messe ein Trink , dann Wirts Kurs weiliger , der Pfarrer trinkt ja auch . Somit könnte man Pfarres Schäfchen den Stall füllen

  • Tommy am 14.01.2016 15:10 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Sache

    Religion ist nun mal nicht mehr zeitgemäss. Das ändert aber nichts daran, dass gerade die Katholiken wunderschöne Gebäude gebaut haben. Die umzunutzen ist eine gute Idee. Besser als sie abzureissen und durch hässliche Betonblöcke zu ersetzen und sicher besser als sie als Kirche zu nutzen. Einige zB die Werkstatt, die Bank und der Club sehen auch Hammer aus.

  • Raggi am 14.01.2016 14:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sinnvoll

    Ist doch gut, dass die Kirchen umgenutzt werden. Die Zeiten haben sich nunmal geändert und es braucht schlicht viele Kirchen nicht mehr. Ansonsten stehen die Kirchen einfach leer und werden nicht mehr genutzt. Ich würde in der Kirche ein Kino bauen und hauptsächlich auf Horrorfilme setzen.